Kampf um Baugenehmigung in Förthen

Förthen.  Junges Paar will sich in Förthen einen Traum verwirklichen – doch es gibt Rückschläge

Hier soll ein Teil der Pferde unterkommen. Sara Bley und Michael Stojanek zeigen den alten Stall.

Hier soll ein Teil der Pferde unterkommen. Sara Bley und Michael Stojanek zeigen den alten Stall.

Foto: Tina Puff

Im Dezember vergangenen Jahres kauften Sara Bley und Michael Stojanek einen Vierseithof in Förthen, einem Ortsteil von Zeulenroda-Triebes im Landkreis Greiz. Das Anwesen inklusive drei Hektar Land stand zu diesem Zeitpunkt bereits fünf Jahre zum Verkauf, erzählt das Paar. „Es war schon ein langer Weg bis dahin“, sagt die 32-Jährige. „Weil zu dem Gehöft auch Land gehört, mussten wir uns, so das Landwirtschaftsamt in Zeulenroda, mit der Pahren Agrar Gesellschaft einigen. Was aber kein Problem war. Ich brauche das Land für meine fünf Pferde.“

Als der Kauf des Hofes in Förthen in Sack und Tüten war, engagierten die jungen Leute einen Ingenieur aus Schleiz, der sie bei der weiteren Ausgestaltung des Anwesens unterstützen und beraten soll. Er empfahl ihnen unter anderem zwei der vier Seiten wegzureißen, da diese zu alt und kaputt gewesen seien. Ein Teil des jetzt noch stehenden Ensembles sei in der Zeit tiefstes Mittelalter stehengeblieben, erzählt die junge Frau, die zu 90 Prozent schwerbehindert ist. Die Seite zum Anger habe nicht einmal Strom oder Heizung. Dennoch will das Paar den restlichen Bauernhof sanieren. Eine Wohnung zur Miete als auch ein Stall für die Pferde soll entstehen. „Tendenziell soll auch meine Mutter mit einziehen, da ich über kurz oder lang Unterstützung benötige“, erzählt Bley. Die junge Frau leidet an Mukoviszidose. Früher oder später werde sie im Rollstuhl sitzen, Treppen, wenn überhaupt, nur noch spärlich erklimmen können.

Das junge Paar plante gemeinsam mit dem Ingenieur die Errichtung eines behindertengerechten Flachbaues im Gartenbereich ihres Grundstückes. Der Bauantrag sei Ende März gestellt worden. Anfang April sei er bei der Genehmigungsbehörde im Landratsamt Greiz eingegangen. Vorab habe der Schleizer Ingenieur aber schon einmal per E-Mail in der Stadt Zeulenroda angefragt, ob das Vorhaben so denkbar und erlaubt sei. Daraufhin habe er die Antwort bekommen, dass dies kein Thema wäre, Hauptsache die Dorfansicht bleibe gewahrt. Während der Bauantrag bei der Behörde lag, habe der Ingenieur, noch einen Änderungsvorschlag nachgereicht. In diesem war vorgesehen, den Flachbau nicht im Außenbereich des Gehöftes, sondern auf den Grenzen der ehemaligen Scheune zu errichten. Ein Tag vor dem Verstreichen der Drei-Monatsfrist kam dann die Ablehnung, das Gebäude dürfe nicht im Außenbereich gebaut werden. Dem jungen Paar erklärte die Behörde, dass man auch nicht einfach Änderungsvorschläge nachreichen könne, man hätte sich schon mal melden sollen. Bley sagt: „Unser Ingenieur hat mit dem Kopf geschüttelt, er würde es sonst auch nicht anders machen.“

In Gesprächen mit der Behörde wurde den jungen Leuten erklärt, dass man eine Splittersiedlung verhindern müsse und das man auf einem Vierseitenhof nicht nach hinten hinaus wohnen dürfe, so Bley. „Dabei gibt es im Ort bereits zwei Häuser, die im Außenbereich errichtet wurden“, erzählt sie.

Mitte September haben Bley und Stojanek gemeinsam mit ihrem Schleizer Ingenieur einen neuen Antrag gestellt. Daraufhin bekamen sie eine umfangreiche Liste an Unterlagen, die sie nachreichen müssten. „Bei unserem ersten Antrag hat das alles niemanden interessiert“, erzählt die junge Frau. Vonseiten der Genehmigungsbehörde erfuhren wir, dass es zwischen Bauherren und Genehmigungsbehörde mehrere Gesprächsrunden gab, in denen vonseiten des Amtes dargelegt wurde, was genehmigungsfähig sei und was nicht. „Es ist letztlich Aufgabe des Planers, ein genehmigungsfähiges Bauvorhaben einzureichen. Die Behörde muss auf Grundlage der aktuellen Rechtslage die eingereichten Bauunterlagen prüfen und entscheiden. Das wird sie tun“, heißt es seitens der Pressestelle.

Das junge Paar versteht nicht, dass ihnen solche Steine in den Weg gelegt werden. Bley erzählt, dass man – als sie ihr Schicksal und die Notwendigkeit für den behindertengerechten Bungalow erklärt hatte – in der Behörde gesagt habe, sie (Sara Bley) sehe noch gut aus, was später ist, interessiere nicht. Mittlerweile wurde ein Anwalt ins Boot geholt.

Tino Winkler, Ortssprecher von Förthen, freut sich über jede junge Familie, die sich im Ort ansiedelt. „Wir haben aber nur sehr begrenzte Möglichkeiten.

Förthen ist ein historisches Angerdorf – angelegt in einer Hufeisenform – mit äußerer und innerer Ringstraße, das Bild soll ja erhalten bleiben.“