„Körperwelten“ noch in diesem Jahr in Greiz

Greiz.  Plastinator Gunther von Hagens erfüllt sich mit seiner Ausstellung "Körperwelten" in Greiz zum 75. Geburtstag einen Herzenswunsch.

Plastinator Gunther von Hagens (l.) und der Greizer Bürgermeister Alexander Schulze. Die beiden Männer haben sich zum Kaffeetrinken getroffen.

Plastinator Gunther von Hagens (l.) und der Greizer Bürgermeister Alexander Schulze. Die beiden Männer haben sich zum Kaffeetrinken getroffen.

Foto: Siegrit Liebchen

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„Eine Ausstellung hier in Greiz zu haben, das ist seit Langem mein Herzenswunsch“, betont Gunther von Hagens, der Kindheit und Jugend in der Park- und Schlossstadt verbracht hat.

Zu seinem 75. Geburtstag, den er am 10. Januar bei seiner Schwester Siegrit in Greiz verbrachte, entschied der Erfinder der Plastination, dass er sich noch in diesem Jahr diesen Wunsch erfüllen will. Seine „Körperwelten“ werden also 2020 in Greiz zu sehen sein. „Endlich, es ist höchste Zeit dafür und ich habe das Gefühl, angekommen zu sein“,betont von Hagens sichtlich gerührt, als er mit Bürgermeister Alexander Schulze (parteilos) per Handschlag diesen Entschluss besiegelt.

Schulze hat sich vorige Woche mit dem Plastinator, dessen Ausstellungen bereits weltweit zu sehen waren, zum Kaffeetrinken getroffen. Schon seit einer Weile stand der Rathauschef mit Gunther von Hagens in Verhandlung. „Wir haben uns schon dreimal getroffen und über eine Schau in Greiz gesprochen. Ich freue mich, dass es nun klappt“, so Alexander Schulze.

Noch ist nicht klar, wo und wie diese Präsentation der Lebensleistung Gunther von Hagens organisiert wird. Die Gespräche dazu laufen. „Wir haben drei Objekte in der engeren Auswahl“, verrät Schulze, will aber noch nicht ins Detail gehen. Die Stadt werde das Projekt mit ganzer Kraft unterstützen, betont das Stadtoberhaupt. „Wir sind stolz, dass ein renommierter Sohn der Stadt solch ein Vorhaben nach Greiz bringt. Die Besucherresonanz wird der Stadt gut zu Gesicht stehen.“

Was genau in Greiz zu sehen sein wird, ist noch nicht entschieden. Fakt ist, dass viele Plastinate weltbekannt sind, etwa der Schachspieler und der Läufer, ebenso der Reiter auf seinem Pferd, der Bär, eine Giraffe, ein Elefant. Die plastinierte Pokerrunde war schon in einem James-Bond-Film zu sehen. Gunther von Hagens möchte gern noch einen Blauwal für die Nachwelt konservieren. Dabei ist das plastinierte Herz eines solchen Riesen schon so hoch wie er selbst. Was genau in Greiz zu sehen sein wird, ist noch nicht entschieden.

In seinem Plastinarium in Guben arbeiten 83 Beschäftigte an der Herstellung verschiedenster Plastinate für Lehr- und Anschauungszwecke. Die Arbeit ist von Anfang an umstritten. Kritiker verweisen oft auf die Störung der Totenruhe oder die Verletzung der Menschenwürde. Von Hagens sieht das anders: „Man muss zwischen der Leiche und dem Verstorbenen unterscheiden. Während Leichen als materieller Rückstand der ehemals lebenden Person innerhalb von Tagen entsorgt werden, existieren Verstorbene als Erinnerung an die vormals lebende Person in den Gehirnen der Überlebenden fort. Im Gegensatz zu Leichen existieren Verstorbene unterschiedlich lange – von nur tagelang bis über mehrere Jahrhunderte – abhängig von soziologischer Bedeutung und Umfeld. Folglich kann es keine Verletzung der Würde einer Leiche geben, sondern nur die Verletzung der Würde von Verstorbenen, die als Erinnerungssoftware in den Gehirnen der Überlebenden fort existiert und dort allmählich verblasst. Es kann ja auch niemand entscheiden, welche Bestattungsart nun die würdevollste ist, ob nun die Feuerbestattung, die Verwesung, oder die Plastination. Die Totenruhe braucht es heutzutage nicht mehr, weil die Leiche mausetot ist und keine Ruhe braucht.“ Er will die menschliche Anatomie für alle sichtbar und begreiflich machen.

Mit Greiz verbunden

Seit zwölf Jahren ist der Plastinator an Parkinson erkrankt. Die neurologische Erkrankung beeinträchtigt Bewegungen und Sprache des 75-Jährigen. Medikamente, Sport, eiserne Disziplin bei der Arbeit und der Ernährung helfen ihm im Alltag.

Mit Greiz fühlt er sich verbunden. Hier hat er prägende Kindheits- und Jugendjahre verbracht, nach dem Abschluss in der Goetheschule im Krankenhaus und später bei Hansgeorg Czerwenka in der Elsterapotheke gearbeitet. Nach versuchter „Republikflucht“, Gefängnis und Freikauf landete er in Heidelberg. Er studierte Medizin und konnte 1977 an der Universität Heidelberg sein neues Verfahren der Plastination vorstellen. Muskeln, Knochen, Organe können von innen stabilisiert und konserviert werden. Körperwasser wird zunächst durch Aceton und später im Vakuum durch Kunststofflösung ersetzt. Auch heute noch arbeitet der Anatom an der stetigen Verbesserung der verwendeten Kunststoffe, um mehr Details sichtbar zu machen. Sein Lieblingsobjekt? Da braucht er nicht lange zu überlegen: Es ist der Hautmann, der seine Haut auf dem Arm trägt.

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