Kommentar: Ein Hoch auf das Bargeld

Marcus Voigt über die Vorzüge einer analogen Währung.

Marcus Voigt

Marcus Voigt

Foto: Sascha Fromm

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Eine Gesprächspartnerin sagte mir diese Woche, dass sie überzeugt davon sei, dass das Bargeld in wenigen Jahren aus unserem Alltag verschwunden sei. Auf dem Rückweg ließ ich mir den Gedanken noch einmal durch den Kopf gehen und kam zu dem Ergebnis: So schlimm wäre das gar nicht.

Kupferfarbene Centstücke fristen ein trauriges Dasein in den Spargläsern dieser Nation, weil ihre Besitzer daran glauben, dass sie sich irgendwann mal etwas davon leisten können, wenn sie nur lange genug sammeln. Einzelhändler beklagen im Gegenzug, dass ebenjenes Kleingeld in ihren Kassen fehlt.

Ich persönlich zahle den Großteil meiner Einkäufe inzwischen mit Karte. Einerseits vergesse ich sowieso immer, Bargeld zu holen, andererseits hat ein mit Münzen vollgestopftes Portemonnaie schon für so manch ausgebeutelte Hosentasche gesorgt.

Kaum hatte ich mich gedanklich in der Utopie einer bargeldfreien Welt eingerichtet, zerplatzte der Traum schon wieder. In der Greizer Innenstadt fiel mir ein Fahrrad auf, dass mit tausenden Aufklebern dekoriert war. Wenige Momente später erzählte mir sein Besitzer seine Lebensgeschichte.

Er fahre quer durch Europa, um persönliche Schicksalsschläge zu verarbeiten und für Frieden zwischen den Menschen zu werben. Dann fragte er, ob ich ihm etwas Geld für seine Weiterreise geben könne.

Ich zog das Portemonnaie aus meiner ausgebeulten Hosentasche und musste feststellen, dass darin nicht mal mehr ein Euro war. Peinlich berührt gab ich dem Mann die paar Cent, die ich noch hatte.

Am Freitag erzählte mir ein Ehepaar in Berga von dem Zuspruch, den es von den Einwohnern der Stadt erhalte, weil es eine traditionsreiche Gaststätte wiedereröffnet hat. Unweigerlich kam es mir in den Sinn: Wenn die Gäste zufrieden sind, geben sie den Gastwirten Trinkgeld. Was sich dafür eignet? Münzen.

So steht eine neue Überzeugung: Bargeld ist doch toll. Denn es ermöglicht nette zwischenmenschliche Gesten im Alltag. Da kann keine Kreditkarte mithalten.

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