KZ-Häftlingsfriedhof in Berga eingeweiht

Berga.  Tote Zwangsarbeiter wurden durch die Nationalsozialisten auf dem Baderberg einfach verscharrt. Nun wird an die Opfer wieder würdig erinnert.

Die Ehrengäste gedenken der Opfer, darunter der Bergaer Bürgermeister Heinz-Peter Beyer, der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow und der israelischen Botschafter in Deutschland, Jeremy Issacharoff (erste drei von links).

Die Ehrengäste gedenken der Opfer, darunter der Bergaer Bürgermeister Heinz-Peter Beyer, der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow und der israelischen Botschafter in Deutschland, Jeremy Issacharoff (erste drei von links).

Foto: Tobias Schubert

Es solle ein Ort des Gedenkens werden, sagte am Donnerstag der Bergaer Bürgermeister, Heinz-Peter Beyer (parteilos), ein Ort des Mahnens und gegen das Vergessen. Er sprach von dem Häftlingsfriedhof am Baderberg, der nach einer coronabedingten Verschiebung – die Fertigstellung war schon im Frühjahr gewesen – am Donnerstag unter Beteiligung unter anderem des Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke) und des israelischen Botschafters in Deutschland, Jeremy Issacharoff, eingeweiht wurde.

Rund 3400 Gefangene sollten im Buchenwald-Außenlager Schwalbe V ab 1944 im Berg 18 große Tunnel zur Errichtung einer Fabrik zur Treibstoffgewinnung ausbauen. In nur sechs Monaten kamen 315 von ihnen durch die brutale Schwerstarbeit zu Tode. Die meisten von ihnen waren Juden. Ihre Leichen wurden auf dem Baderberg einfach verscharrt.

Nun erinnern Stelen auf insgesamt 75 Sammelgräbern an die Opfer. Auf den Stelen stehen die Namen und Lebensdaten der Verstorbenen sowie ein Symbol für ihre religiöse Zugehörigkeit. Eine vier Meter hohe Gedenksäule am hinteren Zugang zum Friedhof verewigt in alphabetischer Reihenfolge die zwölf verschiedenen historischen Staatsangehörigkeiten der Opfer. Der laut Thüringer Staatskanzlei unter Denkmalschutz stehende ursprüngliche Gedenkstein und der Gedenkstein für die italienischen Opfer wurden erhalten, überarbeitet und stehen nun nebeneinander einige Meter außerhalb der Friedhofsanlage.

Die jüdische Familie Kupferstein war es gewesen, die ab circa 2016 den Stein ins Rollen brachte, der schließlich zur Neugestaltung des Platzes führte, die von der Deutschen Kriegsgräberfürsorge komplett finanziert wurde. Mor Kupferstein war eines der Opfer, an die nun durch die neue Stätte würdevoll erinnert wird. Bei einem Besuch in Berga hatte sein Sohn Joel Kupferstein die über die Jahre verwilderte und zugewucherte Fläche in Augenschein genommen und danach auch beim Thüringer Ministerpräsidenten und der israelischen Botschaft darauf gedrängt, den untragbaren Zustand zu beheben. 2018 beschloss der Stadtrat Berga die Planung, 2019 gab es die Zusage über die Fördermittel in Höhe von rund 455.000 Euro.

Zwar konnte die Familie wegen der Pandemie nun nicht vor Ort sein, der Enkel von Mor Kupferstein, Shai Kupferstein, hatte aber einen Brief an seinen Großvater verfasst, der bei der Einweihung verlesen wurde. Zudem legte Carl Flesch, Sohn des ebenfalls in Berga begrabenen Zwangsarbeiters Deszö Flesch, einen Kranz am Grab ab und erinnerte in seiner kurzen Rede an seinen Vater, den er 1944 zum letzten Mal gesehen hatte und der nur 44 Jahre alt wurde.

Die „längst überfällige Neugestaltung“ des Friedhofes sei nur durch eine große Gemeinschaft von Partnern und eine konstruktive Zusammenarbeit unter ihnen möglich geworden, meinte Bürgermeister Beyer zum Schluss und versprach, dass die Stadt das Erbe würdig erhalten werde.

Auch Sabine Richter vom Bergaer Heimat- und Geschichtsverein sprach am Donnerstag von einer „würdigen Anlage“ mit der den Toten wieder „ein Name und ein Gesicht gegeben“ worden sei. Der Verein hatte die Sache begleitet und hatte unter anderem die Materialsammlung für die inhaltliche Gestaltung der Informationstafeln zugeliefert, die nun am Weg zum Häftlingsfriedhof stehen.

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