Landkreis Greiz: Mehr Fragen als Antworten zur Verordnung

Heidi Henze und Ingo Eckardt
| Lesedauer: 4 Minuten
Mario Konrad verkauft im Greizer Kino UT 99 vorerst unter den Bedingungen von 2G+ weiter Tickets für die Filme. Ob und wie lange das wirtschaftlich ist, scheint fraglich.

Mario Konrad verkauft im Greizer Kino UT 99 vorerst unter den Bedingungen von 2G+ weiter Tickets für die Filme. Ob und wie lange das wirtschaftlich ist, scheint fraglich.

Foto: Ingo Eckardt

Greiz/Zeulenroda-Triebes.  Regionale Kultur-, Sport-, Freizeit- und Gastronomieanbieter hängen erneut in der Corona-Schleife fest.

Der Beschluss des Thüringer Landtages ist quasi noch druckfrisch – aber die Regeln der neuen Corona-Schutzverordnungen gelten sozusagen ab sofort.

Für Franziska Markert, Vorsitzende des Kinder- und Jugendvereins „Römer“ in Zeulenroda-Triebes, werfen die neuen Infektionsschutzmaßnahmen mehr Fragen auf, als dass sie wüsste, wie nun mit den Jugendeinrichtungen in der Stadt weiter verfahren werden kann. Für die Einrichtungen gilt, dass sie auf Anweisungen des Bildungsministeriums warten müssen.

Das größte Fragezeichen steht bei den jungen Leuten über 18 Jahre. „Die Jugendarbeit ist festgeschrieben bis 27 Jahre“, erinnert die Vorsitzende. In die Einrichtungen kommen die über 18-Jährigen und sie haben oftmals keine Ausbildung, sind arbeitslos, werden also nirgends getestet. Sie würden auch die Tests nicht bezahlen können.

„Wenn wir die Tests in den Einrichtungen durchführen müssen, brauchen wir finanzielle Unterstützung“, so Markert. Es gehe auch um die Streetworker, die bei ihrer Arbeit geschützt werden sollen. „Ich weiß nicht, wo die Reise hingeht. Eine generelle Schließung wäre katastrophal“, so Markert.

Hotelier fehlt Personal

Das Gasthaus und Hotel „Goldener Löwe“ in Zeulenroda hatte am 16. März 2020 neu eröffnet. Sabine, Horst und Christina Kohn sind nach Zeulenroda gekommen, um das gastliche Haus zu betreiben.

„Seit unserer Eröffnung mussten wir mehr schließen, als wir geöffnet haben durften“, sagt der Koch und Gastwirt. Seit vergangener Woche ist nun das Restaurant wieder geschlossen. „Wir haben kein Servicepersonal. Unsere Angestellten sind alle nicht geimpft“, sagt Kohn und entschuldigt sich bei seinen Gästen. Das Hotel sei noch geöffnet. Nichtsdestotrotz stecken die Kohns den Kopf nicht in den Sand und sind immer noch begeistert von der freundlichen Aufnahme in der Stadt.

Greizer Kulturszene nachdenklich

„Eine harte Entscheidung für Kulturschaffende“, konstatiert Stephan Marek, Vorsitzender des „Thearter“-Vereins in Greiz. Man habe über den Sommer alle Öffnungsschritte gemacht, vor denen Medizin und Wissenschaft gewarnt hätten. „Wir müssen nun alle Veranstaltungen auf den Prüfstand stellen. Eventuell kann ja das aus dem Vorjahr verschobene 1. Greizer Tannenbaum-Anputzen unter 2G-Bedingungen stattfinden. Aber wollen wir das? Ein wesentlicher Anteil der Besucher wäre dann ausgeschlossen“, ist Marek nachdenklich. Zumal auch unklar sei, ob es überhaupt noch einen Ausgleich für wirtschaftliche Ausfälle bei weniger Besuchern gäbe.

Jan Fleischer vom Greizer Bäderkomplex schaut ebenfalls noch ein wenig ratlos drein: „Wir werden die Schwimmhalle für öffentlichen Badebetrieb und Sauna schließen müssen und die Regeln für den Vereins-, Schul- und Jugendsport genau interpretieren, um damit einen Umgang zu finden. Das ist eine sehr schwierige Zeit.“ Zumindest die physiotherapeutischen Behandlungen dürften aber weiterlaufen.

Kino bleibt erst einmal offen

Frank Böttger, Chef der Greizer Wohnungsgesellschaft und damit auch für das Kino zuständig, bleibt vorsichtig: „Das UT 99 bleibt erst einmal offen unter der Bedingung 2G+. Wir müssen ,auf Sicht fahren’ und wöchentlich die Besucherzahlen anschauen. Wenn die zu sehr zurück gehen, wird das Kino geschlossen“, so seine klare Ansage.

Verboten wurden in Thüringen auch die Weihnachtsmärkte, wogegen allerdings einige Städte vorgehen wollen. In Greiz gibt sich Bürgermeister Alexander Schulze (parteilos) vorerst abwartend. Man habe die Entscheidung des Landes zur Kenntnis genommen, sagt Schulze, und nach jetzigem Stand sehe es so aus, als ob der Markt ausfallen werde. Sollte sich die Lage aber verändern, so wolle man sie natürlich neu bewerten und entsprechend reagieren.