Landschaft, Wirtschaft und die Menschen prägen den neuen Greizer Stadtteil Neumühle

Neumühle.  Seit 1. Januar ist Neumühle ein Ortsteil der Stadt Greiz. Wir haben mit der jetzigen Ortsteilbürgermeisterin gesprochen, was Neumühle ausmacht.

Reich von der Natur bedacht: Vor allem im Frühling, Sommer und Herbst zeigt sich die Landschaft um Neumühle von seiner schönsten Seite.

Reich von der Natur bedacht: Vor allem im Frühling, Sommer und Herbst zeigt sich die Landschaft um Neumühle von seiner schönsten Seite.

Foto: Archiv: Rebecca Rech

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„Selten wohl findet sich ein Fleckchen Erde, das so reich von der Natur bedacht ist, das so viele eng beisammenliegende landschaftliche Reize aufzuweisen hat, wie das Elstertal bei Neumühle“: Dieser Satz aus einem 1925 herausgegebenen Heft zum Elstertal begrüßt alle Menschen, die die Internetseite Neumühles besuchen, das seit 1. Januar ein neuer Ortsteil der Stadt Greiz ist.

Auch Gastronomie gibt es wieder

Tatsächlich ist die Landschaft mit das Erste, das Neumühle auszeichnet, wie auch Pedra Hofmeister (parteilos) sagt. Seit der Wende, also seit 30 Jahren, steht sie dem Ort vor, erst als Bürgermeisterin jetzt als Ortsteilbürgermeisterin – die Hälfte der 60-jährigen Selbständigkeit der Gemeinde, die mit dem 1. Januar endete.

20 Kilometer Wanderwege habe man über die Jahre mit Bänken und Aussichtspunkten erschlossen, sagt sie. Unter Wanderern bekannt sind zum Beispiel der Bach-Goethe-Hain, die Osterquelle, der Amselstein oder das Flächennaturdenkmal Lehnamühle. Seit Beginn ihrer Amtszeit habe man unter anderem durch den Flächennutzungsplan daran gearbeitet, die Landschaft hervorzuheben. Mit einigem Erfolg.

Doch die Natur ist nicht das einzige, was die rund 425-Seelen-Gemeinde auszeichnet. Auch die Wirtschaft prägt den kleinen Ort, auch wenn sich eher kleinere Unternehmen angesiedelt haben – dieses zum Teil aber schon seit Jahrzehnten. So gibt es beispielsweise die Sternermühle, in der nicht nur Mehl sondern auch Strom hergestellt wird. Denn seit einiger Zeit läuft in Neumühle auch das Pilotprojekt Elsterwärme, mit dem Energie aus dem Fluss gewonnen wird. Für die Zukunft hofft Hofmeister, dass es noch weiter ausgebaut werden kann. In der Lehnamühle sorgt außerdem eine Wasserkraftanlage für Strom.

Daneben ist Neumühle eher handwerklich als landwirtschaftlich geprägt. Den Dachdeckermeister Dörfler gibt es genauso wie die Heizungs- und Sanitärinstallation Schwarz, den Blumen- und Gartenbau Leiterer und Rödel, der seit vielen Jahrzehnten in Familienhand ist, den Garten- und Landschaftsbau Jens Ebert, die Heizungstechnik GmbH Böhm und Döring oder die Holzwerkstatt, in der der Kettensägenkünstler Frank Hempel Skulpturen mit feinsten Details herstellt. Zu den großen Arbeitgebern zählt auch die gemeindeeigene Seniorenwohnanlage mit derzeit 40 Mitarbeitern. Das Gestüt Bretmühle hat in den vergangenen Jahren nicht nur zahlreiche preisgekrönte Pferde hervorgebracht, sondern mit Bettina Winkler sogar eine Weltmeisterin, die es bis ins Guinness-Buch der Rekorde schaffte. Es gebe weitere Beispiele. Und Neumühle besitzt seit einiger Zeit auch wieder Gastronomie. Zwar sind es nicht mehr die sieben, zum Teil großen Gaststätten, die in den 1920er-/1930er-Jahren tausende Menschen in den Ort lockten. Aber das Café Knottenmühle versorgt nun schon seit rund anderthalb Jahren hungrige Wanderer und Neumühler und lädt immer wieder auch zu Veranstaltungen ein.

Zusammenhalt zeichnet Ort aus

Doch für die jetzige Ortsteilbürgermeisterin sind es auch die Menschen, die den Ort ausmachen und ihn mit Leben erfüllen. Der generationsübergreifende Zusammenhalt zeige sich zum Beispiel, wenn die Kinder des Kindergartens Senioren zu runden Geburtstagen gratulierten oder bei der gemeinsamen Organisation des Dorffestes unter Federführung der Gemeinde. Auch Osterfeuer und Maifeuer, zumeist organisiert durch den Feuerwehrverein, die Oldtimerausfahrt im September, der Oldtimerteilemarkt oder das Bergrennen über den Hohen Rieß des Historischen Rennsportclubs Greiz-Neumühle ließen in der Vergangenheit immer viele Besucher nach Neumühle kommen.

Auch der Waldmauspfad in Neumühle sei ein Beispiel dafür, wie sich die Menschen für ihren Ort einsetzten. Er entstand auf Initiative des Neumühlers Frank Sterner, der mit anderen Neumühlern auch die Kindersportgruppe der Feuerwehr organisiert. Allein aus Spenden, dem eigenen Arbeitseinsatz und ohne einen Cent von der Gemeinde wurde hier ein Naturlehrpfad aufgebaut, der vor allem von Kindern rege genutzt wird. Und nicht zuletzt habe das Hochwasser 2013 bewiesen, wie groß der Zusammenhalt war, erinnert sich Hofmeister. „Die Menschen schmierten Brötchen für die Helfer, kochten Kaffee, halfen beim Aufräumen“, sagt sie. Das habe den Ort geprägt. „Wir sind etwas mehr zusammengewachsen, als in den Jahren zuvor.“

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