Maus, Hamster und Existenzen

Erfurt/Greiz. Vergangene Woche beschloss das Thüringer Kabinett neue Regelungen, um den hohen Bestand der Feldmäuse zu verringern und gleichzeitig den bedrohten Feldhamster zu schützen. Landwirte müssen, wenn sie die Feldmaus chemisch bekämpfen wollen, künftig durch Gutachten nachweisen, dass in der Nähe keine Feldhamster leben. Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Gerd Halbauer sieht durch die Regeln Landwirte in ihrer Existenz bedroht.

Was halten Sie von den neuen Regelungen?

Die neue Regelungen treffen auf Unverständnis. Wir müssen die Mäuse dringend bekämpfen, bevor sie in den Winterschlaf gehen. Wir sind jetzt bereits zu spät dran. Wer soll die Gutachten ausstellen? Die Behörden haben viel zu wenig Personal, um der Antragsflut gerecht zu werden. Als Landwirt kann ich es mir aber nicht erlauben, jetzt zwei Wochen zuzusehen, wie die Mäuse weiter Schaden anrichten. Die Schäden sind jetzt bereits für viele Landwirte existenzgefährdend.

Wieso sind die Feldmäuse in diesem Jahr so eine Plage?

Durch die trockenen und warmen Winter der letzten Jahre hat sich die Population erhöht. Das kommt immer mal vor, aber die Natur ist nicht in der Lage, dies auszugleichen. Vielen ist das Ausmaß der Plage nicht bewusst. Es geht hier teilweise um den Komplettausfall von neu gesetztem Raps und ähnlichem. In Ostthüringen sind wir aktuell noch nicht so stark betroffen, wie beispielsweise in der Mitte und im Norden des Freistaats. Aber das unterscheidet sich von Gebiet zu Gebiet.

Stehen Artenschutz und Landwirtschaft im Widerspruch?

Nein, das muss nicht sein. Ich finde ja auch, dass der Feldhamster geschützt werden muss. Unsere Landwirte arbeiten teilweise ja auch mit natürlich Methoden gegen die Feldmaus. Aber bei der aktuellen Plage geht es nicht ohne Chemie. Ich würde mir wünschen, dass in unserem Umweltministerium die Landwirte mehr Gehör bekommen. In anderen Bundesländern geht es ja auch.