Mit elektronischen Klängen bis nach Hollywood

Tobias Schubert
| Lesedauer: 4 Minuten
Ein Volkstrautonium der Firma Telefunken aus dem Jahr 1932 ist in der Jahresausstellung der Osterburg zu sehen, die ab 18. Juni wieder geöffnet hat.

Ein Volkstrautonium der Firma Telefunken aus dem Jahr 1932 ist in der Jahresausstellung der Osterburg zu sehen, die ab 18. Juni wieder geöffnet hat.

Foto: Peter Michaelis

Greiz.  Der Greizer Oskar Sala war ein Pionier der Musik. Im Juli wäre er 110 Jahre alt geworden, nun soll sein Trautonium wieder in Greiz zu hören sein.

Die Straße in der Greizer Neustadt, die heute den Namen Oskar Salas trägt, ist nur kurz. Google Maps weiß nicht einmal etwas von der Existenz des Weges, dem der in Greiz geborene Komponist, Techniker und Musiker heute seinen Namen gibt. Viele Greizer werden ihn wahrscheinlich nicht kennen.

Dabei steht Oskar Sala mit dem Playmobil-Erfinder Hans Beck und anderen zumindest unter zwei Gesichtspunkten auf gleicher Stufe: Beide sind sie Söhne der Stadt, deren Namen in der ganzen Welt bekannt sind, und beide sind bis heute fast untrennbar mit einem Gegenstand verbunden. Was für Beck die kleinen Hartplastikmännchen sind, war für Sala das Trautonium, das als erstes elektrisches oder elektronisches Instrument der Welt gilt. Es ist der Vorläufer des Synthesizers und sein auffälliger Klang sorgte sogar dafür, dass es schließlich seinen Weg bis nach Hollywood machte und in einer Reihe von Filmen eingesetzt wurde, die bis heute Weltruhm haben. Derzeit ist innerhalb der Ausstellung „Die elektrisierte Gesellschaft“ ein Exemplar auf der Osterburg Weida zu sehen.

Der am 18. Juli 1910 in Greiz geborene Sala wuchs in den Aufbruchsjahren der Goldenen Zwanziger auf, wie Heike Karg vom Museum der Osterburg während ihres Vortrages zum Digitaltag erinnerte. Eine Zeit, die kulturell vielfältig und voller neuer Möglichkeiten war – nicht zuletzt feierten der öffentliche Rundfunk und das Kino ihren Durchbruch. Auch Sala war ein Pionier auf seinem Gebiet, spätestens nachdem er beim Studium an der Berliner Musikhochschule – später folgte noch ein Physikstudium – mit dem Ingenieur Friedrich Trautwein – Namensgeber des Trautoniums – bekannt wurde, mit dem er dann in den folgenden Jahren das Instrument entwickeln und immer weiter verbessern sollte.

Einzigartig macht das Trautonium vieles, wie Peter Pichler beim Digitaltag erläuterte. Er vielleicht der einzige Musiker, der das Instrument heute noch spielt und konnte sich nach eigener Erzählung vor Salas Tod 2002 noch einige Tipps von ihm geben lassen. Da ist schon die Bauweise des Instruments. Verkürzt gesagt wird durch den Kontakt einer Saite mit einer Metallschiene ein elektrischer Kontakt hergestellt und damit die Tonhöhe bestimmt. Damit ist es möglich, stufenlos und ohne festgelegte Stimmung zu spielen. Zudem können die Frequenzen eingestellt werden, um die Töne dumpfer oder schärfer zu machen. Später wurden auch Varianten mit mehreren Saiten entwickelt, so dass das Trautonium auch mehrere Töne auf einmal produzieren konnte.

Im Prinzip kann das Trautonium nicht nur Musikinstrumente nachahmen, sondern auch Tierstimmen oder synthetische Klänge. Neben viel klassischer Musik zum Teil in Zusammenarbeit mit Orchestern komponierte Sala auch Musik für 300 Filmproduktionen in Deutschland und Hollywood. Der unnatürliche Klang, den Hitchcocks Vögel produzieren, ist genauso sein Werk wie die Filmmusik bei verschiedenen Edgar-Wallace-Filmen. Und nicht zuletzt forderte auch George Lucas für einen seiner Star-Wars-Streifen ein Trautonium an, weil er bestimmte Klänge hervorrufen wollte, die er auf anderen elektronischen Instrumenten nicht bekam.

Das Trautonium soll, gespielt von Peter Pichler, in der nächsten Zeit auch wieder einmal in Greiz zu hören sein. Ein Termin gibt es dafür noch nicht, eine Hoffnung ist es, das Ganze vielleicht am 18. Juli zu veranstalten. Dann wäre Oskar Sala 110 Jahre alt geworden. Fest steht aber bisher nur: „Das Instrument möchte nach Hause“, wie Pichler im Rahmen des Digitaltages sagte.