Nach Jahren endlich glücklich zusammen

Greiz/Templin.  Ex-Tierheimchefin Sabine Wonitzki hat bei Greiz-Besuch alten Bekannten wiedergetroffen – und sich neu verliebt.

Die ehemalige Greizer Tierheimleiterin Sabine Wonitzki mit ihrem Jari, der seit einigen Tagen bei ihr in Templin lebt.

Die ehemalige Greizer Tierheimleiterin Sabine Wonitzki mit ihrem Jari, der seit einigen Tagen bei ihr in Templin lebt.

Foto: becker

„So etwas müsste öfter passieren“, sagt die Greizer Tierheimleiterin Elke Becker glücklich seufzend. Die Geschichte, die sie zu erzählen hat, ist ebenso außergewöhnlich wie schön. Und die Hauptrollen darin spielen Beckers Vorgängerin Sabine Wonitzki, die ihren Ruhestand in Templin verbringt, und der Hund Jakari.

Schafpudel ist ein kleiner Ausreißer

Die Story beginnt vor vielen Jahren, als Wonitzki noch die Herrin im Heim in Sachswitz war. „Jakari ist ein Hund, der uns hier schon ganz lange beschäftigt“, erzählt Elke Becker. Immer mal wieder wohnte der Schafpudel kurzzeitig im Tierheim. Grund: Er ist ein kleiner Ausreißer. Von Irchwitz aus erkundete er ab und zu auf eigenen Pfoten die Stadt – und landete dann eben regelmäßig in Sachswitz. „Als Sabine Wonitzki den Hund zum ersten Mal gesehen hat, hatte sie sofort Herzen in den Augen. Sie steht auf solche Hunde“, weiß Becker.

Aus Langeweile durch Stadt spaziert

Es waren nicht nur die Hundedamen, die Jakari aus dem Haus lockten, sondern die Langeweile trieb ihn. Er lebte zunächst bei einer Familie. Dann wurden die Kinder größer und die Eltern hatten nicht mehr genug Zeit für den Hütehund. Also zog der Vierbeiner zum Opa der Familie. Der nahm sich viel Zeit für Jakari und hatte einen großen Garten – doch das reichte dem Tier nicht als Beschäftigung. Deshalb zog er immer mal um die Häuser und machte die Stadt unsicher. Der Senior nahm es gelassen, wusste er doch, dass er seinen Liebling immer wiederbekam.

Doch dem Großvater fiel es mit den Jahren immer schwerer, sich um das Tier zu kümmern. Als der Schafpudel eines Tages mal wieder auf Tour war und im Tierheim landete, sah er recht verstrubbelt aus. Fellpflege war offensichtlich nicht so sein Ding. Dennoch wurde er zu seinem Besitzer zurückgebracht.

Auf „Freierspfoten“ unterwegs

Im Sommer bekam das Tierheimteam einen Anruf. In einem Gartengrundstück sei ein Hund zugelaufen: Es war Jakari auf „Freierspfoten“, der der läufigen Hündin der Anrufer den Hof machen wollte.

„Als wir Jakari abgeholt haben, erschraken wir: Er hat gehumpelt und war ein einziger Filz“, erinnert sich Elke Becker, die ohne zu zögern handelte. Der Tierarzt fand heraus, dass der Hund an der Pfote eine alte Bisswunde hatte, die vereitert war. Die wurde behandelt und ist gut verheilt. Darüber hinaus hatte der inzwischen 14-jährige Jakari Hodenkrebs, weshalb er kastriert wurde. Und schließlich musste eine Hundefriseuse ran. „Wir haben versucht, aus dem Hund wieder einen Hund zu machen“, so Becker.

In Seniorenresidenz Unruhe gestiftet

Als das geschafft war, musste überlegt werden, wie es nun weitergeht. Der Kontakt zum Sohn des Besitzers half hier. „Er sprach mit seinem Vater und überzeugte ihn, dass es besser ist, wenn Jakari anderswo betreut wird“, erzählt die Tierheimleiterin, die für den alten Hund auch schon eine Bleibe im Auge hatte. In der Seniorenresidenz in Langenbuch bei Petra Ernst sollte das Tier seinen Ruhestand genießen. Unter dem neuen Namen Herr Müller zog er dort ein. Doch schon bald gab es Probleme: „Von der Rasse her ist er ein Hütehund und er hat seinen Job sehr ernst genommen“, so Elke Becker. Bedeutet im Klartext: Er hat die Bewohner der Seniorenresidenz und die Pensionstiere ordentlich aufgemischt.

Also musste Herr Müller wieder umziehen, zurück ins Tierheim nach Greiz. „Für uns war klar: Das war’s. Er wird nun den Rest seines Lebens bei uns verbringen. Denn wie wir wissen, wollen die meisten Leute keine alten Hunde“, spricht aus ihr die erfahrene Tierschützerin.

Bei Rundgang hat es erneut gefunkt

Doch dann kam der 8. Oktober. Sabine Wonitzki war zu Besuch in Greiz, ein Klassentreffen stand an. Und natürlich besuchte sie auch ihre alte Wirkungsstätte. Beim Rundgang durchs Tierheim begegneten sich Wonitzki und Herr Müller, „sie hatte nur Augen für ihn“, so Becker, die ihrer überraschten Vorgängerin erzählte, dass sie den Hund von früher kennt. Und nach Jahren ohne Kontakt zueinander hat es erneut gefunkt. Es stimmt also offenbar, dass alte Liebe nicht rostet.

Jari ist ein „Traumhund“

Doch Sabine Wonitzki wollte keinen Hund mehr, hatte sich stattdessen für eine Katze entschieden. Aber irgendetwas schien in ihr zu arbeiten. Gefreut hat sich Elke Becker, als sie ihre Freundin am Telefon sagen hörte: „Ich hab mich jetzt entschieden, er kann zu mir kommen.“ Also wurde er vor ein paar Tagen nach Templin gebracht und schon jetzt sagt Sabine Wonitzki über Jari, wie er nun heißt: „Es ist ein Traumhund und er vereint alle positiven Eigenschaften meiner letzten beiden Hunde.“ Und auch ihre Tochter ist begeistert, weil Jari genau das ist, was ihrer Mutter zum Glücklichsein noch gefehlt habe...