Noch schnattert der Weihnachtsbraten

Greiz.  Fast alle Gänse im Landkreis Gera sind schon vergeben

Stefan Feustel aus Untergrochlitz züchtet Höckergänse.

Stefan Feustel aus Untergrochlitz züchtet Höckergänse.

Foto: Uwe Anspach

Auf einmal wird es laut auf der abgesteckten Wiese Am Schluchter, in Greiz-Untergrochlitz. Schnatternd laufen sie in Reih und Glied – wie bei einer Modenschau – mit eitel gehobenem Kopf über das Freigelände von Stefan Feustel. Es sind Höckergänse, die der Untergrochlitzer züchtet. „Ist eine Situation anders oder ungewohnt, dann geht das Gegacker los“, lächelt Feustel.

Gänse beschützen die Hühner

Feustel züchtet nebenberuflich im kleinen Stil. Die gut 24 freilebenden Höckergänse, die im Frühjahr geschlüpft sind, werden in diesem Jahr als Weihnachtsbraten auf den Tischen von Familienmitgliedern, Nachbarn und guten Bekannten von Feustel landen. In den nächsten Wochen wird Feustel die Tiere schlachten lassen. Selbst will er keine Hand anlegen.

Feustel erzählt, dass sein Zuchtstamm, bestehend aus zwei Gänsen und einem Ganter, im Frühjahr ihre Eier legen. Diese sammelt er dann ein und brütet sie in einer Brutanlage aus. Das zweite Gelege lasse er von den Tieren ausbrüten. Auch wenn die Nachfrage nach seinen Gänsen da ist, er will seine Zucht nicht erweitern.

„Meine Tiere haben am Ende ein Gewicht von etwa zweieinhalb bis drei Kilogramm. Ein Ganter schafft auch mal vier Kilogramm. Sie sind naturbelassen, fressen Gras und zerquetschte Gersten- und Haferkörner.“ Auf die Frage, was es bei ihm zu Weihnachten zu essen gibt, sagt Feustel: „Wir essen Gänse- oder Entenbraten in der kalten Jahreszeit ab dem Martinsfest bis hin zu Ostern. Der Gänsebraten ist klassisch. Ungefüllt mit Beifuß und dazu gibt es Rotkraut und Klöße.“

Der 60-Jährige unterhielt bis vor zwei Jahren einen eigenen Landwirtschaftsbetrieb. Zu diesem Zeitpunkt hatte er noch keine Gänse. Mit der Zucht seiner Höckergänse habe er erst vor zwei Jahren begonnen, erzählt er. Neben seinen Höcker- und drei Pommerngänsen sind auch Warzenenten und Hühner auf der großen Wiese unterwegs.

Klassisch mit Kloß und Rotkohl

„Das Gute an den Gänsen ist, sie verjagen den Habicht“, sagt Feustel. Die Gänse müssen immer als erstes rausgelassen werden. Sie geben Alarm, wenn sich ein Habicht nähert und verjagen ihn dadurch.

Neben seinem Federvieh hält Feustel noch Schafe, Pferde und Ziegen.

Manuel Köber aus Dobia bei Zeulenroda ist Mitglied des Kreisverbandes der Rassegeflügelzüchter Greiz und züchtet ebenfalls Gänse. Für die Schönheit seien es Steinbacher Kampfgänse. Eine alte thüringische Rasse, die in der Gegend von Steinbach-Hallenberg und Brotterode im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts aus Kreuzungen von Land- und Höckergänsen entstanden und 1932 als Rasse anerkannt wurde, erzählt er lächelnd. Zwei Stämme besitzt der Züchter. „Sie haben einen ganz besonderen Schnabel. Er ist orange und die Gebissleiste ist schwarz. Und dann gibt es sie mit blauem oder schwarzem Farbschlag“schwärmt de Rassegeflügelzüchter von seinen Zuchttieren.

Köbers schlachten selbst

Die Weihnachtsgänse wachsen im familiären Landwirtschaftsbetrieb Köber Birgit und Sohn GbR auf. „Wir haben etwa 200 Mastgänse. Sie sind bereits alle vergeben und werden ab Dezember abgegeben“, sagt Köber. „Wir haben Stammkunden aus dem gesamten Landkreis. Unsere Freilandgänse bringen etwa vier bis fünf Kilogramm auf die Waage und werden von uns selbst geschlachtet.“ Auch Köbers wollen die Zahl der Gänse nicht steigern. Die Größe des Stalls und der Wiese gebe dies auch nicht her.

Auf dem Weihnachtstisch darf auch bei den Zeulenrodaern die Weihnachtsgans nicht fehlen. Und auch hier mag man die Gans ungefüllt mit Rotkohl und Klößen.