Greizer Schulen bieten Notbetreuung für Kinder mit Förderungsbedarf

Greiz  Carolinenschule trennt Klassen und Pädagogen strikt voneinander. Individuelle Lernmaterialien werden verschickt.

Schulleiter Peter Peikert steuert die Carolinenschule in Greiz durch die Pandemiezeit.

Schulleiter Peter Peikert steuert die Carolinenschule in Greiz durch die Pandemiezeit.

Die derzeitigen Schulschließungen stellen alle Kinder und Eltern vor Herausforderungen. Doch was ist mit Kindern mit Behinderung, die einen erhöhten Förderbedarf haben und intensiv betreut werden müssen? An der Carolinenschule in Greiz werden Kinder mit geistigem Handicap speziell gefördert. Derzeit lernen etwa drei Viertel der 112 Kinder zu Hause, wie die Schule mitteilt.

„Die Notbetreuung von einem Teil der Schüler läuft unter besonders strengen Vorkehrungen“, sagt Schulleiter Peter Peikert. Das sei dringend geboten. „Wir haben hier Kinder mit schweren Mehrfachbehinderungen. Für sie wäre eine Ansteckung mit Covid 19 eine Katastrophe und mit hoher Wahrscheinlichkeit lebensbedrohlich.“ Daher gebe es einen Corona-Notfall-Raum. Wenn ein Kind Anzeichen einer Erkrankung zeige, die auf Covid hindeuten, würde es sofort von den anderen in diesem Raum isoliert, bis die Eltern ihr Kind abholen könnten.

Zudem setzt die Schule auf strenge Trennung der Klassen. „Auch die Pädagogen unterschiedlicher Gruppen bleiben getrennt und dürfen sich nicht begegnen“, sagt Peter Peikert. Das heißt, dass auch die Essens- und Pausenzeiten jede Klasse, inklusive Betreuer und Pädagogen, unter sich verbringt. Klassenübergreifender Unterricht und Fachunterricht können nicht stattfinden.

Hohe Belastung neben dem Homeoffice

„Für unsere Kinder mit Einschränkungen in verschiedenen Schweregraden ist diese Pandemiezeit nicht leicht. Veränderungen im Tagesablauf und in Strukturen sind für sie eine Herausforderung.“ Für manche Kinder mit einer schweren Form von Autismus-Spektrum-Störung sei das Tragen von Masken ein großes Problem. Manche würden aufgrund dieser Entwicklungsstörung Gesichter gar nicht oder nur schlecht erkennen können, „und uns die Masken völlig irritiert herunterreißen.“, sagt der Schulleiter. 95 Prozent der Kinder jedoch würden die Maske inzwischen problemlos akzeptieren.

Zudem sei Notbetreuung eben kein normaler Unterricht und nicht für alle verfügbar. Nur die Eltern, die in systemrelevanten Berufen arbeiten oder die ein Kind mit erhöhtem Unterstützungsbedarf haben, können ihr Kind zur Schule bringen. „Eltern, die ein Kind haben, das rund um die Uhr Betreuung braucht, sind schon mit einem normalen Alltag sehr belastet. Während jene Eltern zu Hause im Homeoffice ihrer Arbeit nachgehen, können sie nicht auch noch ihr Kind intensiv betreuen, fördern und unterrichten“, sagt Peter Peikert. „Undenkbar.“

Drei Viertel der Schüler jedoch würden derzeit zu Hause von ihren Eltern betreut, sofern es ihnen möglich ist. Für Kinder mit geistiger Behinderung fehlen beim heimischen Lernen ganz besonders der soziale Kontakt und spezielle Fördermöglichkeiten, die daheim so nicht möglich seien. „Unser Pädagogenteam arbeitet intensiv, um für Schüler Lernmaterialien und Aufgaben für zu Hause bereitzustellen, die auf ihre jeweiligen Bedürfnisse angepasst sind“, sagt der Schulleiter. Es würde sehr enger Kontakt zu den Eltern gehalten, um sie größtmöglich zu unterstützen. Die Materialien würden per Mail oder per Post versandt, je nach Voraussetzungen des Schülers. „Bisher ist unsere Schule von Corona verschont geblieben. Zum Glück“, sagt Peter Peikert und klopft dreimal auf Holz.