Schwerer Weg ins digitale Zeitalter der Schulen

Greiz/Zeulenroda.  Der Digitalpakt des Bundes soll den Weg zum digitalen Unterricht absichern. Doch im Landkreis Greiz ist das leichter gesagt als gemacht.

Holger Hübschmann (l.) von der Firma Lacos in Zeulenroda, war einer der privaten Investoren, die in der Vergangenheit für eine aktuelle digitale Ausrüstung im Schulteil Gymnasium in der Rötlein-Regelschule Zeulenroda sorgten. Die Firma sponsorte eine digitale Schultafel und übergab sie an Thomas Müller (Schulleiter des Gymnasiums) 

Holger Hübschmann (l.) von der Firma Lacos in Zeulenroda, war einer der privaten Investoren, die in der Vergangenheit für eine aktuelle digitale Ausrüstung im Schulteil Gymnasium in der Rötlein-Regelschule Zeulenroda sorgten. Die Firma sponsorte eine digitale Schultafel und übergab sie an Thomas Müller (Schulleiter des Gymnasiums) 

Foto: Heidi Henze

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Zwei digitale Pilotschulen gibt es im Landkreis Greiz., das Ulf-Merbold Gymnasium in Greiz und das Friedrich-Schiller-Gymnasium in Zeulenroda-Triebes. Beide Schulleiter, Jens Dietzsch in Greiz und Thomas Müller in Zeulenroda, wollten schnell vorn sein beim Zukunftsthema digitale Unterrichtstechnik und beide haben dafür ihre Schüler, Lehrer und Eltern hinter sich gebracht.

2019 starteten die Gymnasien in die digitale Zeit. „Unsere Wlan Abdeckung ist schon ganz gut, aber es könnte besser sein. Wir hoffen auf einen Glasfaseranschluss. Wir haben jetzt schon viele Nutzer und es werden mehr“, sagt Dietzsch. Auch Müller hofft auf Bewegung. Der Wlan-Ausbau hätte viel schneller gehen sollen, sagt der Schulleiter.

Bürokratischer Aufwand

Der fünf Milliarden schwere Digitalpakt des Bundes sei gut. Aber er habe auch schon viel Zeit gekostet, bis er endlich durch war, so Müller. Und jetzt wird beklagt, dass so wenige (18 Prozent laut Focus) das Geld auch abrufen. „Es ist zu viel Bürokratie“, sagt Dietzsch. „Erst die Konzepte, dann wird geprüft, dann überarbeitet, um Fördermittel zu beantragen. Es war unrealistisch, dass das schnell gehen könnte“, sagt der Schulleiter des Greizer Gymnasiums. Schon ein halbes Jahr lang arbeitet das Greizer Gymnasium projektartig mit Tabletts. „Insgesamt haben wir drei Klassensätze iPads“, sagt Dietzsch. Dadurch könne in allen Klassen und Klassenstufen von fünf bis zwölf mit den Geräten gearbeitet werden. Die iPads wären begehrt bei Schülern und Lehrern. „Wir sammeln Erfahrungen, was lohnt sich und was nicht“, so Dietzsch.

iPad in der Neunten elternfinanziert

Nach den Ferien hat jeder der Klassenstufe 9 ein iPad - elternfinanziert. Hier wünschte sich Dietzsch eine Unterstützung der sozial schwachen Elternhäuser für den Kauf des Gerätes. Schließlich soll das iPad noch mehr Einzug in den Unterricht halten. Jetzt wird es vor allem in Mathe und Kunst genutzt.

Auch im Gymnasium in Zeulenroda sollen die Neuntklässler mit dem iPad lernen. Im nächsten Jahr. Bislang hatten zehn Lehrer der Schule die digitale Vorreiterrolle mit einem Klassensatz in verschiedenen Fächern getestet.

Ziel wäre es, sagt Müller, Arbeitsmaterialien, Arbeitshefte und Bücher digital zu nutzen. „Aber wir sind noch nicht so weit“. Über Fördermittel wurden der iPad-Klassensatz und neue Messsensoren für Mathematik und Chemie finanziert. Die iPads in der Klassenstufe 9 sollen wie in Greiz elternfinanziert werden.

Die iPads könnten privat und schulisch genutzt werden. Aber, so Müller, es müsse abgesichert werden, dass in der Schule nur Lernprogramme zugänglich sind, Privates wie Social Media nicht. Das betreffe dann den Netzwerkbereich, eine programmatische Vorbereitung, die Zeit und Sachverstand benötige, sagt Müller. „Das Programm wird zentral entwickelt.“ Aber es gebe eben noch keine Erfahrungen damit.

Bis 2024 soll’s geschafft sein

Für den Schulträger Landkreis Greiz ist die Digitalisierung eine Riesenaufgabe. An allen 40 Schulen sollen bis 2024 die netzwerktechnischen Infrastrukturen baulich geschaffen werden. Dafür sei ein vorzeitiger Baubeginn beantragt und genehmigt worden, heißt es aus dem Landratsamt.

In der ersten Etappe (2020/21) soll in zwölf Schulen des Landkreises die digitale Infrastruktur installiert werden. Am Geld soll’s nicht fehlen: Für die Umsetzung des Digitalpaktes Schule stehen im Landkreis von 2020 bis 2024 gut vier Millionen Euro zur Verfügung. Soweit der Plan. Ob die Baufirmen angesichts der Auftragslage das Vorhaben auch zügig umsetzen können, werden wir sehen.

Städtische Schulen mit dabei beim „Digitalpakt Schule“

In Zeulenroda-Triebes sind die Grund-und Regelschulen in städtischer Hand. Wenn 40.000 Schulen in Deutschland eine bessere digital Ausstattung erhalten sollen, dann zählen dazu auch die Grundschulen Friedrich-Reimann, Rötlein und die Triebeser dazu ebenso wie die Regelschulen Friedrich-Solle und die „Georg Kresse“ -Regelschule in Triebes. Die Freude über die bereitgestellten Mittel, insgesamt stellt der Bund rund fünf Milliarden Euro innerhalb des „Digitalpakt Schule“ bereit, war groß. Doch damit war es nicht getan. Eine enorme Arbeit kam nun auf die Fachlehrer jeder Schule zu. Sie mussten alle ein Medienkonzept erstellen, den Ist-Stand und den Förderbedarf ermitteln und natürlich dabei auch den Blick in die Zukunft garantieren. Dabei geht es zum einen um die Voraussetzungen der Schule, die Infrastruktur, den Breitbandanschluss, um die Ausrüstung der Fach- und Klassenräume sowie um iPads für die Schüler für das Lernen in der Schule. Die digitalen Lerninfrastrukturen müssen durch passende pädagogische Konzepte unterlegt werden. Alles muss natürlich auch zukunftsweisend sein.

Auf notwendige digitale Grundausstattung konzentrieren

Ob einmal durch die Digitalisierung, durch die iPads der Schüler die Schulbücher ganz wegfallen könnten, soweit möchte sich der Bürgermeister Nils Hammerschmidt (parteilos) der Stadt Zeulenroda-Triebes nicht hinauslehnen. „Das Förderprogramm ist für fünf Jahre ausgelegt und so kann bestimmt auch nachgefordert werden“, so der Bürgermeister, der sich nun erst einmal auf eine aktuelle notwendige Ausstattung konzentrieren möchte. Fakt ist, dass noch nicht von allen Schulen der Stadt das fertige Konzept vorliegt. Ist es dann soweit, wird in der Stadtverwaltung eine Übersicht erstellt, werden Angebote eingeholt und dann wird auch die Stadt Zeulenroda-Triebes, als Schulträger, ein fertiges Konzept auf den Weg an das Land Thüringen schicken.

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