Sportvereine im Kreis Greiz büßen 1000 Mitglieder ein

Tobias Schubert
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Der Vorsitzende des Kreissportbundes Greiz, Jan Koschinsky, mit Tochter Julia (9), die auch endlich wieder Sport machen will.

Der Vorsitzende des Kreissportbundes Greiz, Jan Koschinsky, mit Tochter Julia (9), die auch endlich wieder Sport machen will.

Foto: Tobias Schubert

Greiz.  Der Frust auf die überregionale Politik ist groß, auch beim Kreissportbundvorsitzenden Jan Koschinsky. Dass Kinder bis 14 Jahren wieder Sport machen dürfen, sei zwar schön, aber trügerisch.

Rund 17 Prozent der Bevölkerung des Landkreises war vor der Pandemie noch Mitglied in einem Sportverein, inzwischen sind es nur noch 16,5 Prozent.

Was zunächst nach wenig Schwund klingen mag, wird erschreckend, wenn der ehrenamtliche Kreissportbundvorsitzende Jan Koschinsky absolute Zahlen nennt. Rund 1000 Mitglieder sind aus den Sportvereinen ausgetreten, davon sind ungefähr die Hälfte Kinder. Aber auch viele Senioren hätten ihre Mitgliedschaft gekündigt, weil ihnen die Perspektive fehle.

Koschinsky verhehlt nicht, dass er sich von der Politik im Stich gelassen fühlt, zumindest von der überregionalen. „Die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt, der Landrätin und den anderen Politkern vor Ort ist hervorragend. Das hört aber leider in Land und Bund auf“, sagt er. Beispiel: ein Brief, den er an alle Fraktionen des Landtags schrieb, um Vorschläge zu machen, wie man verantwortungsvoll wieder Sport machen könnte.

Nur die CDU antwortete. Sie sei es auch gewesen, die durchgesetzt habe, dass auch Kadersportler aus nichtolympischen Sportarten seit April wieder trainieren dürfen. Das ist wichtig für den Kreis. Im August stehen beispielsweise die Weltmeisterschaften im Kegeln an.

Dass durch die Bundesnotbremse, die Landesrecht bricht, Kinder bis 14 Jahren wieder in kleinen Gruppen Sport machen dürfen, sei zwar schön, aber trügerisch, sagt Koschinsky. Denn der Trainer muss dafür einen negativen Test vorlegen, der nicht älter als 24 Stunden sein darf. „Bei mir wären das vier Tests die Woche, die ich nach der Arbeit machen müsste, um dann zum Training zu fahren. Das ist unrealistisch.“ Und noch schlimmer: Kostenlos ist nur einer pro Woche. Die anderen müssen selbst getragen werden.

Entmutigen lässt man sich aber nicht: Der Kreissportbund hat schon Programme für den Fall der Öffnung vorgelegt, darunter auch ein Modellprojekt: Der Kinderschulcoach, eine Art Schulsozialarbeiter in Grundschulen und Kindergärten, der die Kinder sportlich motivieren und so das Vereinsleben stärken soll. Noch wartet man auf eine Antwort auf den Vorschlag.