Wie sicher sind die Greizer Museen?

Greiz.  Nach dem spektakulären Einbruch in Dresden überprüfen die Einrichtungen in der ehemaligen Residenzstadt ihr Sicherheitskonzept.

Eva-Maria von Máriássy, die Direktorin des Sommerpalais in Greiz, will weiterhin wachsam bleiben.

Eva-Maria von Máriássy, die Direktorin des Sommerpalais in Greiz, will weiterhin wachsam bleiben.

Foto: Marcus Voigt

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Der spektakuläre Einbruch in die Schatzkammer des Grünen Gewölbes in Dresden hat auch die Museumschefs in Greiz aufgeschreckt. In der sächsischen Landeshauptstadt waren am Montagmorgen kostbare Schmuckstücke aus einer Vitrine gestohlen worden.

„Ganz ehrlich: Man ist schon einmal nervös durch das Haus gegangen“, sagt Eva-Maria von Máriássy, die Direktorin des Sommerpalais in Greiz. Das Haus beherbergt die Bibliothek und die Kupferstichsammlung des Fürstentums Reuß älterer Linie sowie das Satiricum Greiz, das auf der nationalen Karikaturensammlung der DDR beruht.

Rainer Koch, Leiter der Museen im Oberen und Unteren Schloss, sagt, dass die Gefahr eines Einbruchs immer gegeben sei. „Die Angst ist da“, so Koch. Der Leiter des Städtischen Museums Zeulenroda, Christian Sobeck, wollte sich auf Anfrage nicht zum Thema äußern.

Bleibt die Frage: Wie sicher sind die bekanntesten Einrichtungen in der ehemaligen Residenzstadt Greiz?

Vorbereitet, aber hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht

„Wir haben keine Juwelen und Goldmünzen, das ist schon einmal gut“, sagt Eva-Maria von Máriássy und lacht. Dennoch seien sie und ihre Mitarbeiter alles andere als leichtsinnig. „Wir haben ein Sicherheitskonzept, dass neben Feuer und Wasser auch einen möglichen Einbruch in den Fokus nimmt“, sagt von Máriássy. Und obwohl es keine hundertprozentige Sicherheit gebe, sei dieses Konzept sehr ausgereift. Weitere Details will von Máriássy nicht verraten. Generell habe sie „eine große Ehrfurcht und viel Respekt, dass reußische Erbe hier aufbewahren zu dürfen.“

„Ein Einbruch ist eigentlich sinnlos“, sagt Rainer Koch. Insbesondere im Oberen Schloss gebe es verschiedene Alarmbereiche und kurze Übertragungswege im Ernstfall. „Das haben wir beim Bau schon bedacht. Wir sind vorbereitet“, sagt Koch. Auch das Untere Schloss sei „ein guter Standort“. Über weitere Einzelheiten will auch Koch nicht sprechen. „Sammeln und bewahren ist die Kernaufgabe eines Museums. Wir wollen unseren Bestand natürlich schützen“, sagt Koch. Gleichwohl bleibe es ein schwieriges Thema, mögliche Schwachpunkte würden fortwährend überprüft.

Datensicherheit als neue Herausforderung

Der Deutsche Museumsbund wolle als Reaktion auf den Diebstahl von Dresden einen Arbeitskreis Sicherheit gründen, sagt Eva-Maria von Máriássy. Über den Museumsverband Thüringen wolle das Sommerpalais Erfahrungen in diesen einfließen lassen, aber auch Informationen bekommen, wo man möglicherweise noch nachjustieren könne. Rainer Koch ist der Ansicht, dass die Museen vor allem das Thema Datensicherheit verstärkt in den Blick nehmen müssten.

Wie auch seine Kollegin betont Koch, dass bei allen Sicherheitsvorkehrungen der offene Charakter von Museen nicht verloren gehen dürfe. „Wir sind ein Museum zum Anfassen und das soll auch so bleiben“, sagt Koch. „Wir wollen unsere Schätze nicht nur bewahren, sondern auch zeigen“, so Sommerpalais-Direktorin von Máriássy. „Was ist die Alternative? Alles in einem Tresor einschließen wie eine Bank und nur noch Kopien und Faksimiles ausstellen? Das kann es doch auch nicht sein“, sagt sie. Vielmehr müsse der „richtige Spagat“ gelingen, Offenheit und Sicherheit miteinander zu verbinden.

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