XXIX. Greizer Theaterherbst in den Startlöchern

Greiz.  Werkstätten stellen sich vor und suchen Mitstreiter – Arbeit beginnt Ende Juli, Anfang August in Greiz

Der künstlerische Leiter des XXIX Greizer Theaterherbstes Martin Heesch (am Mikrofon) und die Werkstattleiter  – v.l.n.r.: Ulrich Schwarz, Stefan Kreißig, Morten Gensch und Cássio Diniz Santiago – stellen im Goethepark ihre Projekte vor.

Der künstlerische Leiter des XXIX Greizer Theaterherbstes Martin Heesch (am Mikrofon) und die Werkstattleiter – v.l.n.r.: Ulrich Schwarz, Stefan Kreißig, Morten Gensch und Cássio Diniz Santiago – stellen im Goethepark ihre Projekte vor.

Foto: Tina Puff

Der XXIX. Greizer Theaterherbst, der seinen Höhepunkt in diesem Jahr vom 11. bis 20. September haben wird, startete am vergangenen Sonnabend in seine heiße Phase. Bei sonnigem Wetter und angenehmen Temperaturen stellten sich im Goethepark in Greiz fünf Werkstattleiter mit ihren Werkstatt- Projekten vor. Nur Annika Pinter aus Berlin, Leiterin der Werkstatt Schauspiel, ließ sich krankheitsbedingt entschuldigen. Die Vorstellung ihrer Schauspielwerkstatt, die sich dem Stück „Hose Fahrrad Frau“ von Stefan Wipplinger widmet, übernahm kurzerhand Martin Heesch, künstlerischer Leiter des Greizer Theaterherbstes seit nunmehr sechs Jahren.

„Unbezahlbar“ ist das Motto des Theaterherbstes 2020. Ausgedacht von Heesch bereits im Januar, ist es heute in der Zeit von Corona aktueller den je. „Mit dem Motto wollen wir eine Wertediskussion anstoßen und fragen: Was ist etwas wert und wie viel ist es wert? Ein Augenblick. Ein Menschenleben. Unsere Erde. Ein Schokoladeneis. Ein Lächeln.“, sagt der Künstlerische Leiter Martin Heesch.

Für insgesamt sechs Werkstätten werden nun Mitstreiter gesucht. Die Werkstätten werden Ende Juli, Anfang August mit ihrer Arbeit beginnen. Derzeit werden noch die entsprechenden Hygienekonzepte erarbeitet.

Für den Verein ist dies in diesem Jahr mit höheren Kosten verbunden. Es müssen Lokalitäten gefunden werden, die genügend Platz bieten. Desinfektionsmittel müssen bereit gestellt, und die Lokalität stets gründlich gereinigt werden. Deshalb werden auch einige Werkstätten versuchen, viel im Freien zu arbeiten. Der Verein hat bereits über ein sogenanntes Neustartprogramm weitere Fördergelder beantragt. „Wir wissen aber noch nicht, ob wir welches bekommen“, erklärt Heesch.

In die Vorstellung der Werkstätten startete dann Ulrich Schwarz aus Dresden, der beim Theaterherbst kein Unbekannter mehr ist. Schwarz übernimmt die Eröffnungsinszenierung „Der Sturm“ von William Shakespeare. Das Stück soll unter freiem Himmel an der Elster inszeniert werden. Dafür sucht Schwarz mindestens zehn Mitspieler ab 16 Jahren. Gebraucht werden unter anderem Geister, Clowns, Zauberer, Schurken und Verbrecher. Die Arbeiten sollen am 3. August beginnen. „Wir wollen die Leute unterhalten“, sagt Schwarz, der den Zuhörern die Shakespeare-Angst nehmen will.

Vier bis sechs Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren, sucht Morten Gensch aus Dresden für seine Kinderschauspielwerkstatt, die sich mit der Geschichte „Hans und die Bohnenranke“ beschäftigen wird. Er verspricht, dass wenn das Wetter passt draußen gespielt wird. Beginn der Werkstatt ist für den 10. August geplant.

Stefan Kreißig aus Berlin und Choreografin Anna Scheffel aus Greiz suchen Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren für ihre Jugendwerkstatt Musical, die am 3. August starten soll. Ihre Werkstatt wird durch das Programm „Theater macht Spaß“ gefördert. Kreißig plant eine Art Musical, in dem jeder einzeln ein Lied singt und performt. Die Proben werden in der Jahnturnhalle stattfinden.

Die Werkstatt Schauspiel wird mit ihrer Arbeit am 27. Juli in der alten Getreidewirtschaft in der Brunnengasse beginnen. Fünf bis neun Mitstreiter braucht Annika Pinter aus Berlin für ihre „absurde Sprachspielerei“.

Der aus Brasilien stammende und nun in Greiz lebende Cássio Diniz Santiago will mit seiner Werkstatt Tanzperformance unter dem Titel „Wir werden erst sehen, wenn nichts mehr zu sehen ist“ versuchen, den Untergang der Welt zu verschieben, wie er in seiner Vorstellungsrunde erklärt. Seine Werkstatt wird mit der Arbeit am 27. Juli beginnen in der alten Möbelfabrik in der Rosa-Luxemburg-Straße.

Julia Kopa ließ bei der Vorstellung ihrer Werkstatt „Kabel, Kostüme, Kulissen“ gleich wissen, dass es bei ihr kein Zuckerschlecken sein wird. Alle ab acht Jahren, die auch zupacken können, dürfen ab 27. Juli mitwirken.

Heesch erklärte zum Schluss, das auch ein Zirkusprojekt so gut wie in Sack und Tüten ist. Es fehle nur noch eine Genehmigung. Dieses soll dann vom 3. bis 7. August in der Jahnturnhalle stattfinden.

Nach den ganzen Vorstellungen erlebten dann am Abend rund 70 Gäste die Premiere der Ganzjahresschauspielwerkstatt des XXIX. Greizer Theaterherbstes: Friedrich Dürrenmatts Tragikkomödie „Die Physiker“. Was von Regisseur Martin Heesch als Schauspielinszenierung geplant war, wurde coronabedingt zur Szenischen Lesung. Heesch nannte es auch ein „Hörspiel zum Zuschauen“. Den stets agierenden Mitwirkenden gelang es mehr als nur Worte zu präsentieren. „Mit Blicken, Körpersprache und der bewussten Integration der Freifläche in die Szenen schufen die Darsteller bei und trotz eingehaltenem Mindestabstand viel Ausdruck und spielerische Momente“, beschreibt Karsten Schaarschmidt, Pressesprecher des Vereines, das Geschehen. Minutenlangen Applaus und den Wunsch nach Wiederholung gab es am Ende als Lohn.