120 Nachwuchs-Handwerker in Jena und dem Saale-Holzland-Kreis gesucht

Franz Hempel
| Lesedauer: 2 Minuten
Der 15-jährige Paul Schleicher (links) aus Schöps beginnt eine Malerlehre bei Stephan Opel. Er ist der 200. Azubi in der Region Jena/SHK für dieses Ausbildungsjahr.

Der 15-jährige Paul Schleicher (links) aus Schöps beginnt eine Malerlehre bei Stephan Opel. Er ist der 200. Azubi in der Region Jena/SHK für dieses Ausbildungsjahr.

Foto: Franz Hempel

Kahla.  In der Region Jena und Saale-Holzland-Kreis beginnen dieses Jahr über 200 Nachwuchs-Handwerker ihre Ausbildung. Dennoch sind viele Stellen frei.

Für das Ausbildungsjahr 2022/23 ist der 200. Lehrvertrag in der Region Jena und Saale-Holzland-Kreis (SHK) im Handwerk unterzeichnet worden. Eine Ausbildung zum Maler und Lackierer bei der Kahlaer Maler GmbH beginnt der 15-jährige Paul Schleicher.

Vergangenes Jahr habe Paul Schleicher ein Praktikum bei seinem Stiefvater gemacht, der als selbstständiger Maler arbeitet. „Davor wusste ich überhaupt nicht, was mich beruflich interessiert“, sagt der frischgebackene Azubi. Im Februar habe er ein weiteres Praktikum absolviert, diesmal bei der Kahlaer Maler GmbH und so erste Einblicke ins Arbeiten auf einer Großbaustelle bekommen. Schleicher habe beschlossen, sich zu bewerben, bekam den Ausbildungsplatz und habe die Schule deshalb mit der 9. Klasse beendet.

Viele von Paul Schleichers Mitschülerinnen und Mitschülern hätten sich aber dagegen entschieden, eine Ausbildung im Handwerk zu beginnen. „Und das, obwohl körperliche Arbeit Spaß macht“, sagt Thomas Jüttner, Obermeister der Innung des Maler- und Lackiererhandwerks Ostthüringen.

„Bezahlung wird besser“

Für Stephan Opel, Geschäftsführer der Kahlaer Maler GmbH, sei klar, dass junge Menschen handwerkliche Vorbilder in ihrer Familie brauchen, um zu sehen, dass diese Berufe erstrebenswert sind. „Durch den zunehmenden Handwerkermangel werden die Berufe weiter technisiert, und die Bezahlung wird sich zwangsläufig verbessern müssen“, sagt er.

Azubis gewinne sein Unternehmen fast ausschließlich über den persönlichen Kontakt. Auf Ausschreibungen würden sich nur wenige Bewerberinnen und Bewerber melden. In den vergangenen zwei Jahren habe er keine neuen Azubis eingestellt. Dieses Jahr konnte er wieder zwei neue Verträge abschließen.

Als Ursache für die rückgängigen Bewerberzahlen sieht Opel die fehlende Möglichkeit, an Gymnasien für Handwerksberufe zu werben. Die Schüler erhielten zu wenig oder veraltete Informationen über Ausbildungsberufe. „Dadurch ergreifen die Jugendlichen die Berufe, die sie schon kennen“, sagt Thomas Jüttner.

Noch 120 Stellen offen

Auch nach dem Abitur könnte eine Ausbildung für junge Menschen attraktiv sein. „Ein Innenarchitekt, der vorher Maler gelernt hat, hat einen viel besseren Einblick in die Branche und wirkt auch kompetenter“, sagt Malermeister Stephan Opel.

„Es gibt dieses Jahr noch 120 offene Ausbildungsplätze im Handwerk“, sagte der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Uwe Lübbert. Zum Vergleich: 2010 seien über doppelt so viele Ausbildungsverträge abgeschlossen worden. Noch bis Ende Oktober könnten Ausbildungsverträge für dieses Jahr geschlossen werden.