Agathe weist Senioren in Jena neue Wege

Thomas Stridde
| Lesedauer: 3 Minuten
Wie ergeht es den älteren Menschen? Das erkunden zwei Projekte, die die Integrationsfirma ÜAG begleitet. Im Bild von links Projektleiterin Heidrun Osse, Alexander Dölz, Andrea Wilken, Zozan Sheikmaus und Jessica Sollmann. 

Wie ergeht es den älteren Menschen? Das erkunden zwei Projekte, die die Integrationsfirma ÜAG begleitet. Im Bild von links Projektleiterin Heidrun Osse, Alexander Dölz, Andrea Wilken, Zozan Sheikmaus und Jessica Sollmann. 

Foto: Thomas Stridde

Jena.  Aufsuchende Beratungsarbeit der ÜAG in Jena-Lobeda. Projekt in dörflichen Ortsteilen leistete gute Vorarbeit

Was für die Senioren wichtig ist! Darauf sind zwei Initiativen gerichtet, die in Jena von der Integrationsfirma ÜAG gGmbH ausgestaltet werden: das auf drei Jahre angelegte und vom Thüringer Sozialministerium geförderte Projekt „Agathe“ sowie das von Bund und Europäischem Sozialfonds geförderte Projekt „Alter-native“, das auf zwölf Jenaer Außen-Ortsteile gerichtet ist und nächsten Monat nach zwei Jahren endet.

Möglichst lange in den eigenen vier Wänden

Man kooperiere eng mit der Stadt und Altenhilfe-Planerin Franziska Wächter, berichtete Projektleiterin Heidrun Osse. Die Stadt sehe es als Ziel zu ergründen: Ist es sinnvoll, die aufsuchende Beratungsarbeit zu verstetigen? Im Kern gehe es doch darum, dass Senioren so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben können, indessen Einsamkeit und gesundheitliche Nöte oft miteinander korrelieren, erläuterte Mitarbeiter Alexander Dölz.

Genau hier setze „Agathe“ mit freiwillig beratender Hilfe an, wobei das Projekt konkret auf Menschen der Altersgruppe „Ü 63“ in Neu- und Altlobeda gerichtet ist. Nach Dölz’ Angaben sind seit dem Projektstart vor einem Jahr 60 Hausbesuche zustande gekommen und 350 Beratungen realisiert worden. – Und dies, nachdem Altenhilfe-Planerin Franziska Wächter „Ü 63“-Lobedaer angeschrieben hatte. 400 Adressaten hätten eine Rückmeldung gegeben.

Resümieren lasse sich bereits, dass die Leute der „Ü 63“-Gruppe oftmals nicht wissen, was es an Angeboten des sozialen Miteinanders gerade in Lobeda gibt – denke man nur an die beiden Begegnungsstätten und das Mehrgenerationenhaus. Bei den Hausbesuchen werde generell ein „Vorsorge-Ordner“ mitgebracht, mit dem die Senioren alle Belange zu Gesundheit, Vorsorge, zum Finanziellen und zum Nachlass selbst auf dem aktuellen Stand halten können. „Und wir hören zu, was es an Anliegen gibt – zum Wohnen, zur Gesundheit, zu sozialen Kontakten oder zur Essenzubereitung.“

Brücken bauen zu bestehenden Angeboten

Heidrun Osse betonte, dass die Beratungsarbeit dem großen Ziel folge, keine parallelen Strukturen aufkommen zu lassen. „Wir bauen Brücken zu Angeboten“, sagte Alexander Dölz. „Und das Gute ist: Wir können in Jena schnell vermitteln.“ Da fungiere man als „neutraler Anlaufdienst, der alles weiß, was Jena zu bieten hat“. Mitstreiterin Andrea Wilken wies zudem darauf hin, dass „Agathe“ montags von 14 bis 16 Uhr im Stadtteilbüro Lobeda (Galerie) Sprechstunden und dienstags Telefonsprechzeit anbietet.

Und weshalb war das andere Projekt „Alter-native“ auf die Außen-Ortsteile und nicht die Wohngebiete in Jena-Nord, -West, -Ost und -Zentrum gerichtet? Ganz klar: „Weil die Innenstadt eine gute Abdeckung mit Angeboten hat. Eine extrem gute Struktur“, sagte „Alter-native“-Projektbetreuerin Jessica Sollmann. Zu ihrem Resümee gehöre, dass viele der Kontaktierten aus der „60+“-Gruppe allgemein gut informiert waren, oft über auskömmliche Renten verfügen und nicht selten mit Wohneigentum abgesichert sind. Das sei in der Summe nicht die Gruppe, die der Europäische Sozialfonds im Fokus habe, sagte Jessica Sollmann.

Keine Ahnung von Angeboten

Schlussfolgern lasse sich, dass aufsuchende Arbeit in jenen Ortsteilen gemeinhin nicht nötig sei. Klar zeichne sich jedoch ab, dass diese Leute nicht Bescheid wissen über Veranstaltungs- und Beratungsangebote. Und: Den meisten „um die 60“ sei nicht klar, dass mit dem Renteneintritt „ein riesiger Einschnitt ansteht“.

Infos: https://üag.de/beratung/generationenarbeit/alternative & Downloadbereich: https://üag.de/beratung/generationenarbeit/alternative/alternative-downloadbereich