Alter Jonathan und Renette

Röttelmisch  Werner Schuricht kennt mehr als 2000 Apfelsorten. Sicher bestimmen kann er einige Hundert. Mit seinem Wissen über alte Obstsorten ist der „Apfelpapst“ auch ein gefragter Mann im Reinstädter Grund.

Alexander Pilling (r.) ist mit Werner Schuricht zur Sortenbestimmung unterwegs auf Streuobstwiesen im Reinstädter Grund. Mehrere der alten Obstbaumplantagen wurden in den vergangenen zehn Jahren durch Neupflanzungen verjüngt. Foto: Angelika Schimmel

Alexander Pilling (r.) ist mit Werner Schuricht zur Sortenbestimmung unterwegs auf Streuobstwiesen im Reinstädter Grund. Mehrere der alten Obstbaumplantagen wurden in den vergangenen zehn Jahren durch Neupflanzungen verjüngt. Foto: Angelika Schimmel

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Kaiser Wilhelm, Großherzog Friedrich von ­Baden, den alten Jonathan, Fürst Blücher oder Kremper Renette – Werner Schuricht kennt sie alle. Vor allem kennt er ihre guten Eigenschaften und ihre Makel, weiß, wo sie her kommen und wo sie sich am wohlsten fühlen. Denn bei den Genannten geht es in diesem Fall nicht um Persönlichkeiten, die Geschichte geschrieben haben, sondern um Apfelsorten, die ihre eigene, manchmal mehr als 200-jährige Geschichte haben.

Der Jenaer Werner Schuricht ist studierter Gartenbauer und arbeitete als Wissenschaftler an den Unis in Berlin und Jena, war zuletzt am Institut für Pflanzenernährung in Jena-Zwätzen beschäftigt. 1991 gehörte er zu den acht Gründern des Deutschen Pomologen-Vereins. Dem heute 79-Jährigen haben es besonders die alten Obstsorten angetan, die vom Vergessen und Aussterben bedroht sind.

„In den letzten Jahrzehnten sind fast unmerklich die Obstbäume aus den Gärten verschwunden und alte Obst­plantagen verkommen, weil sich ­keiner mehr um sie kümmert. „Manche Kinder denken wirklich, Äpfel und Birnen kommen aus der Kaufhalle, die Unwissenheit über den Garten- und Obstbau ist groß“, klagt Schuricht. „Mit den alten Obstsorten, die von unseren Vorfahren sorgsam gepflegt wurden, verschwinden auch wertvolle Eigenschaften wie zum Beispiel Krankheitsresistenzen“, beschreibt er das ­Dilemma. In Obstbaubetrieben werden wenige, besonders ertragreiche Sorten gezogen, die Spezialisierung auch des Handels auf einige wenige Standardsorten beschleunige den Verlust der genetischen Vielfalt.

Um so wichtiger seien Initiativen wie die von Alexander ­Pilling und dem Verein „Grund genug“, die sich bemühen, die Obstbaukultur im Reinstädter Grund wiederzubeleben. ­Pilling, der im Nebenerwerb Obstbau und eine Mosterei ­betreibt, hat in seiner Heimat­region in den letzten zehn ­Jahren mehrere alte Streuobstwiesen mit rund 1200 frischen Obstbäumen verjüngt.

Einige dieser Neupflanzungen tragen jetzt erstmals so viel, dass eine genaue Sortenbestimmung möglich ist. „Das ist nötig, weil wir in unserer Mosterei sortenreinen Apfelsaft und -wein herstellen“, sagt Pilling. Auch wer sein Obst zum Mosten nach Röttelmisch bringt, kann sicher sein, auch nur dessen Saft mit nach Hause zu nehmen. „Die Leute legen heute wieder mehr Wert darauf, den Saft der eigenen Äpfel zu genießen und überhaupt das eigene Obst zu verarbeiten“, sagt er. Was da alles möglich ist, können zum Beispiel Kinder bei Alexander Pilling und dem Verein in Schülerwerkstätten lernen. Die Heimbürgeschule und die Schaffnerschule in Kahla haben das in diesem Herbst bereits genutzt.

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