Altes Güterdepot des Jenaer Saalbahnhofs: Da waren Profis am Werk

Jena  Büros und Tanzschule im alten Saalbahn-Güterschuppen: Geborgener Tresor wird zum Olsenbande-Denkmal.

Die Sparkassenvorstände Michael Rabich (von links) und Thomas Schütze sowie die M+M-Geschäftsführer Dirk Müller und Thomas Moschkau nehmen hier in einer Position Aufstellung, wie wir sie von Egon-Olsen-Fans vielleicht bald öfter sehen! Das Kunst-Objekt stammt von dem Bürgeler Metallbauer Köppe.

Die Sparkassenvorstände Michael Rabich (von links) und Thomas Schütze sowie die M+M-Geschäftsführer Dirk Müller und Thomas Moschkau nehmen hier in einer Position Aufstellung, wie wir sie von Egon-Olsen-Fans vielleicht bald öfter sehen! Das Kunst-Objekt stammt von dem Bürgeler Metallbauer Köppe.

Foto: Thomas Beier

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Mächtig gewaltig ist das Ding, das die Jenaer Firma M+M am alten Güterdepot des Saalbahnhofes gedreht hat!

3 Millionen Euro wurden in die Sanierung und Erweiterung des ehemaligen Güterschuppens investiert, so dass eine Jenaer Murkel-Ecke verschwand. Und es entstand ein schöner Ort für Büros, eine Tanzschule und ein Café, das später eröffnet. Ganz nebenbei hat Jena dazu ein inoffizielles Denkmal für die Olsenbande bekommen. Zu Hochzeiten des Saalbahnhofes kannte jeder die dänischen TV-Banditen, die oft auch mit der Bahn reisten. Die Olsenbande feierte in diesem Jahr 50. Geburtstag.

Die M+M-Geschäftsführer Dirk Müller und Thomas Moschkau (die Ms sind die Anfangsbuchstaben ihrer Nachnamen) erklärten bei der Eröffnungsfeier ihren Plan: Die hochwertige Gestaltung der Gebäude, deren Klinkerarchitektur zur Eisenbahn-Vergangenheit passt, und die ansprechende Gestaltung der Außenanlagen sollen Maßstab für die weitere Entwicklung des Areals am Saalbahnhof sein. Innerhalb von elf Monaten wurde saniert, um- und neugebaut. Der alte Güterschuppen blieb als neu umhüllter Gebäudekern erhalten, er ist nun sozusagen der Tanzschuppen von Tanzlehrer Ronny Pietsch.

Eine besondere Geschichte ist die des Tresores, der nun vor dem Gebäude steht. Er war einst in der Güterkasse beheimatet und wurde beim Teilabriss des Gebäudes geborgen. Einen Schlüssel und die Zahlenkombination hatten die Investoren beim Kauf der Liegenschaft von der Deutschen Bahn aber nicht erhalten. Schnell wurden Forderungen von Alteisenbahnern laut, den riesigen Stahlschrank zu öffnen. Vermutet wurde, dass brisante Papiere ans Licht kommen könnten, möglicherweise Dokumente des Ministeriums für Staatssicherheit.

Dirk Müller und Thomas Moschkau glaubten nicht so recht daran, und fanden den Tresor mit der Nummer 273 eigentlich zu schön, um ihn aufzubohren oder gar zu sprengen. Da in Gesprächen schnell Bezüge zur Olsenbande hergestellt wurden, die keinerlei Probleme hatte, solche Tresor dezent zu öffnen, wird nun gezeigt, wie das in den 60er bis 90er Jahren vonstattenging: Ein lebensgroßer Scherenschnitt aus Stahl wurde neben dem lackierten Tresor aufgestellt. Die drei Herrschaften sehen dabei Egon Olsen und seinem Kumpanen Benny und Kjeld aus urheberrechtlichen Gründen nur ähnlich.

Sparkassen-Vorstandsmitglied Thomas Schütze, der gestern Gast der Eröffnungsveranstaltung war, lobte das professionelle Arbeiten des Unternehmens. Er meinte nicht nur den Erhalt stiller Reserven im Tresor, sondern vor allem die zielstrebige Arbeit bei der Revitalisierung einer innerstädtischen Flächenbrache. „Das sind Profis am Werk gewesen.“

Weitere Pläne für das Areal nehmen mit dem Wohnheim-Bau des Stundentenwerks bereits Formen an. Der nächste Bau soll südlich (Gewerbe) und ein weiteres Gebäude südwestlich (Mischnutzung) entstehen, errichtet durch weitere Investoren. Die bei der M+M handelnden Personen gehen auf die Jenoptik-Bauentwicklung zurück, die sich insbesondere bei der Entwicklung des Wohngebietes „Fuchslöcher“ einen Namen gemacht hatte. Hier einen dritten Bauabschnitt aufzulegen, wird in Jena immer wieder thematisiert.

Geschäftsführer Thomas Moschkau sieht da ein Problem, das mit dem Jenaer Immobilienmarkt zu tun hat. Sollen dort neue Wohnbauflächen erschlossen werden, müssten zuvor vielen einzelne Grundstücksbesitze zum Verkauf bewegt werden. Die werden ihr Land sicher nicht verschenken wollen. Am Ende könnte dann für erschlossene Bauparzellen wiederum Preise wie am Hausberg aufgerufen werden.

Die Herausforderungen bei der Entwicklung des Güterbahnhofgeländes waren mehr planerischer Natur: Wie viel Lärm ist den Menschen zuträglich, die neben einer Bahnstrecke leben und arbeiten? Die Investoren vermissten bisweilen bei der Jenaer Verwaltung den Mut, mal Ermessensentscheidung zu treffen. Andererseits – auch bei der Olsenbande war Benny so einer, der seinen Chef immer wieder fragte: „Mensch Egon, ist es gefährlich?“

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