Ampel am Jenaer Paradiesbahnhof bleibt eine Herkulesaufgabe

Jena  Fußgänger haben mal fünf und mal 18 Sekunden Zeit, die Knebelstraße zu überqueren. Aber auch Radler und Autofahrer werden hier nicht froh.

Jena-Zentrum-Ortsteilbürgermeisterin Kathleen Lützkendorf misst die Zeit, die Fußgängern zum Überqueren des Überweges am Paradiesbahnhofes bleibt. Die Grünphase für Fußgänger ist manchmal nur 5 Sekunden lang.

Jena-Zentrum-Ortsteilbürgermeisterin Kathleen Lützkendorf misst die Zeit, die Fußgängern zum Überqueren des Überweges am Paradiesbahnhofes bleibt. Die Grünphase für Fußgänger ist manchmal nur 5 Sekunden lang.

Foto: Thomas Beier

Der Fußgängerüberweg zwischen Busbahnhof und Paradiesbahnhof gehört zu den meistbegangenen Jenas. Und er gehört zu denjenigen, die besonders viel Kritik vom „Fußvolk“ bekommen. Das liegt vor allem an den kurzen Schaltphasen der Ampel. Allenfalls Sprinter vom Schlage einer Marlies Göhr schaffen es immer und jederzeit bei Grün über die Straße.

Bei Kathleen Lützkendorf, der Ortsteilbürgermeisterin des Stadtteils Jena-Zentrum, kommen immer wieder Beschwerden an. „Neben den kurzen Ampelphasen wird auch der wenige Platz kritisiert, der den Menschen auf der Wartefläche zwischen den Richtungsfahrbahnen bleibt", sagte sie der Redaktion bei einem Treffen vor Ort.

Im Dezember hatte sie Kontakt zur Stadtverwaltung aufgenommen. Sie war sehr erfreut, dass der Kommunalservice „zwischen den Jahren“ erste Verbesserungen für die Fußgänger am nahen Übergang Paradiesstraße vorgenommen hat. Es wurden dort bereits zwei Sekunden gewonnen. Außerdem erfuhr sie vom KSJ, dass die Furt jetzt mindestens 13 Sekunden lang Grün hat und erst nach weiteren sechs Sekunden Zwischenzeit der Verkehr freigegeben wird. Das bedeutet: Wenn Fußgänger bei der Umschaltung auf Grün losgehen, können sie es in schreitendem Tempo schaffen.

Am Dienstag sah Kathleen Lützkendorf ein paar Meter weiter am Bahnhof aber nicht nur solche gemütlichen Schaltphasen. Manchmal blieb es hier bei fünf Sekunden. Ein Mängelmelder-Eintrag aus der ersten Woche des Jahres bestätigt diesen Eindruck: "Man kommt aufgrund der geteilten Straße nicht mal bei zügigem Gehen bis zu Mitte."

Passanten sagen: Die Kreuzung ist Murks

Ausreichend Zeit gibt es dann, wenn eine Straßenbahn um die Ecke kommt, in deren Windschatten die Fußgänger eine extralange Grünphase erhalten.

Vor Ort sprach die Redaktion mit einigen Passanten. „Die Kreuzung ist insgesamt Murks“, sagte Pendler Timo Förster, der zum Paradiesbahnhof wollte. Fußgänger seien da nicht schlechter dran als Radfahrer, die vom und ins Stadtzentrum keinen eigenen Radweg hätten. Der Übergang an der Paradiesbrücke sei zwar etwas kürzer, weil es da keine Schienen gebe. Aber auch dort sei er schon auf der Mittelinsel hängen geblieben.

Lutz Jacob vom Beirat für Radverkehr des Stadtrates bestätigt das Langzeit-Ärgernis. Mit dem neuen Radverkehrskonzept werde die Stadt sich den Bereich genauer anschauen müssen, sagt er.

Aus Sicht von Autofahrerin Petra Führmann ist die Erreichbarkeit des Paradiesbahnhofes für Motorisierte ebenso schlecht. Da habe man nur vom Puschkinplatz kommend eine Abbiegemöglichkeit. Mehr Grün für Fußgänger ist aus Führmanns Sicht schwierig, da sich dann der Verkehr in Richtung Volksbad auf der Knebelstraße bis zur Kreuzung Fischergasse stauen könnte.

Zusätzlicher "Dehnpunkt" eingerichtet

Kathleen Lützkendorf lernte durch ihren Kontakt mit dem KSJ auch technisch dazu. So ist der Begriff „Dehnpunkt“ für Ampel-Steuerer ein sehr wichtiger. Ein solcher Dehnpunkt wurde für Fußgänger an der Paradiesstraße zusätzlich eingefügt. Das heißt, wenn es die Verkehrslage hergibt, wird ihre Grünphase bis zur Maximaldehnzeit für sie verlängert.

Ohne die Aufmerksamkeit zu überdehnen, soll noch gesagt werden, dass sich in diesem Jahr auch technisch etwas tut. Ampeln werden im Zuge des „Umweltorientierten Verkehrsmanagements" erneuert. Auch am Überweg vor dem Bahnhof passiere etwas. Die Ortsteilbürgermeisterin sagt: „Ich bin gespannt, wie es weitergeht.“