Anklage nach Mord an Seniorin in Jena erhoben

Jena  Die Staatsanwaltschaft sieht Habgier als Motiv des Flüchtlings: Ein gefälschter Überweisungsträger soll das belegen.

In Jena-Winzerla hat sich nach Angaben der Polizei ein Tötungsverbrechen ereignet.

In Jena-Winzerla hat sich nach Angaben der Polizei ein Tötungsverbrechen ereignet.

Foto: Tino Zippel/Archiv

Die Staatsanwaltschaft Gera hat Anklage wegen Mordes gegen einen 24-jährigen Mann erhoben. Sie wirft ihm vor, im Januar 2019 seine Nachbarin in Jena-Winzerla aus Habgier getötet zu haben, sagte Behördensprecher Sven Schroth.

Die Ermittlungen ergaben, dass die Rentnerin den Flüchtling, der 2011 aus Afghanistan nach Deutschland gekommen war, schon über längere Zeit finanziell unterstützt hatte. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass dem jungen Mann diese Unterstützung nicht mehr ausgereicht hatte und er deshalb die 87-Jährige tötete.

Die Rechtsmedizin hatte festgestellt, dass massiv auf den Kopf, den Hals, den vorderen Brustkorb, die Arme und Beine geschlagen wurde. Zudem wies das Opfer Stichverletzungen auf. Die Tatzeit grenzt die Staatsanwaltschaft aufgrund der rechtsmedizinischen Befunde, aber auch wegen weitergehender Zeugenaussagen auf Donnerstag, 10. Januar, zwischen 11.44 und 14 Uhr ein.

Der Tatverdacht fiel schnell auf den Nachbarn

Die Tochter der Rentnerin hatte am Tag danach eine Vermisstenmeldung bei der Polizei aufgegeben. Einsatzkräfte suchten im Appartementhaus in Jena-Winzerla und entdeckten in der Nacht zum Samstag die Leiche der Frau in einem Koffer im Keller. Der Tatverdacht fiel schnell auf den Nachbarn, den die Polizei an jenem Sonnabend im Erfurter Stadtzentrum festgenommen hat. Bei mehreren Suchaktionen sicherten die Einsatzkräfte Beweise im Umfeld des Wohnhauses, das sich gegenüber des Columbus-Einkaufscenters befindet.

Laut Staatsanwaltschaft erhärten die Genspuren an der Kleidung den Verdacht gegen den Mann. Demnach waren sowohl Spuren der Frau an seinen Sachen, als auch seine DNA an der Rentnerin zu finden. Das Motiv sieht die Anklagebehörde durch einen Überweisungs­träger bestätigt, den der Angeschuldigte ausgefüllt und nach der Tat bei der Bank eingeworfen haben soll. Demnach sollten 7000 Euro vom Konto der Seniorin auf jenes des Mannes fließen. Eine Bankmitarbeiterin entdeckte die Fälschung und verhinderte die Überweisung, sagt Schroth.

Die Rentnerin galt als sehr rüstig und arbeitete noch hochbetagt nebenbei in der Küche eines Jenaer Restaurants, um „unter Menschen zu sein“.

Das Landgericht Gera muss nun über die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheiden. Kommt es dazu, wird der Prozess voraussichtlich im vierten Quartal beginnen. Dem Mann droht bei einer Verurteilung eine lebenslange Freiheitsstrafe.

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