Jena. Im Rathaus wurde ein wichtiger Baustein zur NS-Geschichte Jenas vorgestellt. Der Lernort steht vorerst in weiter Ferne.

Es ist nur ein unschein­barer Zettel, aber er entschied über Leben oder Tod. Er dokumentiert den bisher einzigen bekannten Auftritt des KZ-Kommandanten von Buchenwald, Hermann Pister, in Jena. Am 2. August 1944 besichtigte er ein bereits bestehendes Lager in der Löbstedter Straße um zu prüfen, ob es den Voraussetzungen für ein vom Reichsbahnausbesserungswerk beim SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt (WVHA) in Oranienburg beantragtes KZ genügt. Es genügte. So meldete Pister an das Amt D (Konzentrationslager) des WVHA, dass „nur Männereinsatz in Frage (kommt), 1000 Häftlinge sind angefordert. Hierbei 20 - 25 % Facharbeiter. Postenbedarf wegen teilweise Unübersichtlichkeit auf 1 Kommandoführer, 80 Mann festgestellt. Termine für voraussichtlichen Einsatz ca. Anfang Dezember 1944.“ Es ging dann doch schneller. Am 4. Oktober 1944 kam der erste Häftlingstransport aus Buchenwald an. Mehr als 1000 der aus vielen Ländern Europas stammenden Häftlinge leisteten im RAW Zwangsarbeit. Wie viele dabei und auf dem Todesmarsch umkamen, ist bis heute nicht geklärt. Es sind Hunderte. Trotz intensiver Suche lässt sich zum Beispiel das Schicksal des holländischen Häftlings Arie Hess (es gibt seit April 1945 kein Lebenszeichen mehr von ihm) vermutlich kaum noch klären.