Jena. Vor 75 Jahren begann in Jena die Ausbildung einer Polizeieinheit, die sich im Zweiten Weltkrieg als ein verlässliches Glied im Vernichtungskrieg gegen die Juden Europas bewährte.

Geistig und körperlich voll leistungsfähig sollten sie sein, einen einwandfreien Charakter haben und bedingungslos die nationalsozialistische Weltanschauung bejahen. Wer dies vorweisen konnte und in den Jahren 1909 bis 1912 geboren wurde, dem winkte eine lebensläng­liche Anstellung in der Schutzpolizei, der Kripo oder Gestapo. 26 000 Männer meldeten sich deutschlandweit freiwillig. Am Anfang ihrer verheißungsvollen Karriere stand ab April 1940 zum Beispiel in Jena eine Ausbildung in der Polizeikaserne am Westbahnhof. Mit Ende der Ausbildung wurden am 1. Oktober 1940 500 Anwärter, unter ihnen Jenaer, Thüringer und Männer aus vielen Teilen des Reiches, zum Jenaer Polizeibataillon 311 versetzt. Wenn es „bis jetzt noch harmlos“ war, wurde daraus schon zwei Wochen später blutiger Ernst. Das Bataillon kam mit anderen Einheiten in Krakau zum Einsatz: Razzien gegen die polnische und jüdische Bevölkerung, Verhaftungen und Deportationen, „Gewährleistung der Ordnung und Sicherheit“ im Ghetto waren an der Tagesordnung.