Jena. Die Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des Universitätsklinikums Jena hat einen hochmodernen Linearbeschleuniger in Betrieb genommen. Das Gerät arbeitet mit künstlicher Intelligenz und ermöglicht so eine schnelle, hochpräzise und schonende Behandlung bösartiger Tumoren.

Patientinnen und Patienten des Universitätsklinikums Jena (UKJ), die wegen einer Krebserkrankung eine Strahlentherapie benötigen, können jetzt von einem Bestrahlungssystem der neuesten Generation profitieren. Im Januar konnten die interdisziplinären Behandlungsteams die Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des UKJ den klinischen Betrieb am neuen Linearbeschleuniger „Varian Ethos“ aufnehmen. Der Freistaat Thüringen förderte die Investition mit 4,5 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).

„Wir freuen uns sehr, diese neue Technik als erste radioonkologische Einrichtung in Mitteldeutschland anbieten zu können“, betont PD Dr. Klaus Pietschmann, der kommissarische Direktor der Klinik. Denn das Gerät bietet zwei entscheidende Vorteile für die Behandlung von Krebserkrankungen. Zum einen arbeitet die Maschine ungewöhnlich schnell, zum anderen hochpräzise. Nur wenige Sekunden werden benötigt, um mittels integrierter 3D-Röntgenbildgebung den Tumor und die ihn umgebenden, gesunden Gewebe darzustellen.

KI passt Bestrahlungsplan in Jena minutenschnell an

Mit Hilfe künstlicher Intelligenz (KI) und unter Kontrolle des Strahlentherapieteams erfasst ein Hochleistungscomputer dann anatomische Veränderungen, z.B. unterschiedliche Füllungszustände von Hohlorganen wie Blase und Darm. Anschließend wird ein optimierter Bestrahlungsplan errechnet, den ein Medizinphysikexperte dosimetrisch vor Ort überprüft und nach dem schon wenige Minuten später bestrahlt werden kann. „Die Bestrahlung kann quasi vor jeder einzelnen Therapiesitzung individuell und tagesaktuell geplant werden, man spricht von „online-adaptiver Radiotherapie“, erläutert der Leitende Medizinphysiker, PD Dr. Ing. Tilo Wiezorek.

Diese höhere Genauigkeit der Bestrahlung ermöglicht eine noch bessere Schonung des gesunden Gewebes rund um den Tumor, so dass das Krebsgewebe intensiver bestrahlt werden kann. Insgesamt verkürzen sich so die Behandlungszyklen. Oberärztin Dr. Sonia Drozdz ergänzt: „Von der neuen Technik werden insbesondere Patientinnen und Patienten mit urologischen und gynäkologischen Tumoren, z.B. mit Prostata- oder Zervixkarzinom profitieren. In Planung sind bereits mehrere klinische Studien.“

In der Behandlung und Erforschung von Krebserkrankungen arbeiten die Universitätskliniken Jena und Leipzig seit 2023 im Mitteldeutschen Krebszentrums CCCG zusammen, das von der Deutschen Krebshilfe als Onkologisches Spitzenzentrum gefördert wird.

Zum Hintergrund

Das Mitteldeutsche Krebszentrum CCCG hat vor einem Jahr seine Arbeit aufgenommen. Ziel ist es, die Spitzenbehandlung von Krebspatienten, die an den Unikliniken Jena und Leipzig möglich ist, perspektivisch auch allen Patientinnen und Patienten im ländlichen Raum zuteilwerden zu lassen und entsprechende Versorgungslücken zu schließen.

Neben der Zusammenarbeit in der Klinischen- und Grundlagenforschung konnte bereits ein gemeinsames molekulares Tumorboard etabliert werden. An dieser Standort-übergreifenden virtuellen Konferenz nehmen behandelnde Ärzte, Genetiker, Bioinformatiker, Pathologen und Therapeuten teil, um die molekularer Ursachen eines Tumors zu analysieren und dadurch neue Therapieoptionen besonders für Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenen und metastasierten Tumorstadien zu finden.