Jena. Eine tückische Krankheit: Jenaer Kardiologe klärt über das Broken-Heart-Syndrom auf und warum es nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte.

Morgen ist Valentinstag. Während die Herzen bei den einen höherschlagen, haben andere vielleicht gerade negative Emotionen zu bewältigen, sind im wahrsten Sinne des Wortes „heart-broken“ oder leiden sogar körperlich unter dem Broken-Heart-Syndrom. Denn das ist eine echte Gefahr fürs Herz und sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden, sagt Paul Christian Schulze, Direktor der Klinik für Innere Medizin I (Kardiologie).

„Ein Broken-Heart-Syndrom kommt aus heiterem Himmel. Starke emotionale Erlebnisse wie ein Trauerfall können es auslösen. In manchen Fällen reicht schon schlimmer Liebeskummer. Eine wahre Flut an Stresshormonen schränkt unsere Herzfunktion ein. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, warum wissen wir noch nicht.“ In der Jenaer Kardiologie werden jährlich eine Reihe von Patientinnen und Patienten mit verschiedenen Symptomen des Broken-Heart-Syndroms behandelt.

Paul Christian Schulze leitet die Klinik für Innere Medizin I (Kardiologie) am Universitätsklinikum Jena. 
Paul Christian Schulze leitet die Klinik für Innere Medizin I (Kardiologie) am Universitätsklinikum Jena.  © UKJ | Michael Szabo

Jenaer Mediziner: Bei Verdacht immer eine Spezialklinik aufzusuchen

Das Tückische ist laut Schulze, dass Muskelgewebe, die Reizleitung und Blutgefäße normal wirken, aber die Funktion gestört ist. Klarheit verschaffe die moderne Herzbildgebung. „In der Angiographie zeigt sich eine typische Tintenfischform. Daher heißt das Broken-Heart-Syndrom auch Tako-Tsubo-Kardiomyopathie.“ Der Mediziner rät beim Verdacht auf eine solche Herzerkrankung, immer eine Spezialklinik aufzusuchen.

Brustenge, Herzschmerz, Atemnot und Schwindelgefühl sind Symptome. Deshalb kann ein Broken-Heart-Syndrom auf den ersten Blick mit einem Herzinfarkt oder einer akuten Herzschwäche verwechselt werden. Kann ein Broken-Heart so lebensbedrohlich wie ein Herzinfarkt sein? Ja, sagt der Jenaer Kardiologe: „Wir sprechen auch vom Schein-Infarkt. Im Gegensatz zum Herzinfarkt finden wir aber die Durchblutung bei dieser Erkrankung nicht gestört.“ Sobald es neue Patientenfälle am Universitätsklinikum Jena gibt, fließen diese Daten in das internationale Tako-Tsubo-Register ein. Seit 2015 arbeiten hier die Jenaer Kardiologen im Netzwerk mit weiteren Spezialkliniken interdisziplinär zusammen.

Broken-Heart-Syndrom ist heilbar

Die gute Nachricht vom Experten, das Broken-Heart-Syndrom könne mit der Zeit heilen und gut behandelt werden, indem herzentlastende Medikamente eingesetzt werden. „Wir verabreichen Medikamente wie bei einer akuten Herzschwäche. Das sind vor allem Betablocker und ACE-Hemmer. Aber langfristig sollten Betroffene immer vom Kardiologen weiterbetreut werden. Denn wir sehen leider auch Patientinnen und Patienten, bei denen der Herzmuskel dauerhaft geschädigt wurde.“ Meist regeneriert sich das Herz innerhalb von drei bis sechs Monaten vom Broken-Heart-Syndrom.

Ums Herz geht’s auch in der Jenaer Abendvorlesung am 28. Februar: „Haben Herz-Kreislauf-Erkrankungen ihren Schrecken verloren?“. Dieser Frage stellt sich Paul Christian Schulze in seinem Vortrag. Er erklärt dabei, welche Chancen die moderne universitäre Herz-Kreislaufmedizin bieten kann.