Alte Schule wird 140 Jahre alt

Aus Klassenzimmern wurde Vereinstreff

Dorndorf-Steudnitz.  In der „Alten Schule“ von Dorndorf-Steudnitz wird heute getöpfert, gekocht, geturnt und getagt

Der Förderverein "Alte Schule" Dorndorf-Steudnitz kann auf eine 20-jährige erfolgreiche Arbeit zurückschauen. Aktuell stehen Michael Florschütz, Klaus Enkelmann, Monique Rüttger, Yvonn Rost, Ute Tonndorf, Steffen Tröber und Brigitte Eckardt (von links) dem Verein vor. 

Der Förderverein "Alte Schule" Dorndorf-Steudnitz kann auf eine 20-jährige erfolgreiche Arbeit zurückschauen. Aktuell stehen Michael Florschütz, Klaus Enkelmann, Monique Rüttger, Yvonn Rost, Ute Tonndorf, Steffen Tröber und Brigitte Eckardt (von links) dem Verein vor. 

Foto: Angelika Schimmel

Als Ende Oktober 1879 die beiden Lehrer Jacob und Zober mit 100 Mädchen und Jungen aus Dorndorf ihr neues Schulhaus bezogen, herrschte in dem Backsteingebäude reges Treiben und sicher auch gehöriger Lärm in den Pausen.

140 Jahre später ist es deutlich ruhiger in dem inzwischen betagten Haus, aber weniger Leben herrscht hier dennoch nicht. Dafür sorgt seit nunmehr 20 Jahren der Förderverein „Alte Schule“ von Dorndorf-Steudnitz. Wenn sich dessen Gründer und langjährige Mitstreiter und Unterstützer mit den Aktiven von heute am Freitagabend zur festlichen Mitgliederversammlung treffen, dann ist hier bestimmt wieder „volles Haus“ – und beste Stimmung. Denn die beiden Jubiläen – 140 Jahre „Alte Schule und 20 Jahre Förderverein“ – geben Grund genug dazu.

Zum einen sieht man dem Schulgebäude sein Alter auf den ersten Blick nicht an – Mauern, Dach und Fenster machen einen soliden Eindruck oder sind ganz und gar neu. Dabei hat das Backsteinhaus als Schule so einiges mitgemacht: In den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde hier vormittags das Einmaleins gelehrt, nachmittags wurden die Jungen der Industrieschule unterrichtet. Für ältere Dorfkinder wurde eine Art Berufsschule abgehalten. Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Schüler mehrfach nach Hause geschickt, dafür belegte das Militär das Gebäude. In den DDR-Jahren wuchs die Schülerzahl stetig, am Ende wurden hier weit über 300 Kinder von der ersten bis zur zehnten Klasse unterrichtet, da platzte die Schule aus allen Nähten. Erst 1971 zogen Lehrer und Schüler in ihre neue Schule im Neubaugebiet um. Die Alte Schule wurde zu Hort, Sonderschule, Station junger Naturforscher und schließlich Schullandheim. 1997 verhallte das letzte Kinderlachen in dem betagten Haus.

Das war die Stunde der Dorndorfer Bürger, die sich für ihren Ort schon lange einen Veranstaltungssaal wünschten, einen Treffpunkt für die Vereine und einen Ort, an dem der Gemeinderat tagen konnte, berichtet Michael Florschütz vom Vereinsvorstand. „Damit der Landkreis als Eigentümer des Hauses dieses der Gemeinde übergab, musste ein Verein gegründet werden, der sich verpflichtete, die Alte Schule für den ganzen Ort und seine Bürger nutzbar zu machen“. Dass Walter Gerstenberger sich vor diesen „Karren“ spannte, diesen 18 Jahre zog und die anfangs 30 bis 35 Mitglieder kräftig motivierte, sei ihm noch heute zu danken, finden die Männer und Frauen, die jetzt die Geschicke des Vereins leiten.

Um die 100.000 Euro hat der Verein bisher investiert, damit das alte Gemäuer mitten im Dorf auch in seinem zweiten Jahrhundert ein Schmuckstück für Dorndorf-Steudnitz ist. Dichte Fenster, ein neues Dach und eine moderne Heizung sorgen dafür, dass das Haus ganzjährig Anlaufpunkt für Jung und Alt sein kann. Hier treffen sich Senioren zum Kaffeeklatsch im „Erzählcafé“, hier wird getöpfert, gemeinsam gekocht und gegessen, hier erlernen Kinder die asiatische Kampfkunst Wing Chung und trainieren Erwachsene Thai Chi. Die Volkshochschule und eine Musikschule sind Nutzer des vielseitigen Hauses. Die Bibliothek in der ersten Etage, maßgeblich von Ursula Schiller und Brigitte Eckardt betreut, ist inzwischen nicht nur Anlaufpunkt für Bücherfreunde, sondern auch regelmäßiger Treff von Senioren und jungen Müttern mit Kindern. Im Dachgeschoss des Hauses wird kein Anglerlatein gelehrt, hier beschäftigen sich passionierte Angler mit den theoretischen Grundlagen ihres Hobbys und pflegen Geselligkeit. Die Fotofreunde des Unifok haben hier ein Domizil – und eine Galerie. Im Treppenhaus und in den Räumen des Hauses können aber auch andere kreative Menschen ihre Werke ausstellen.

Die Festwoche, mit der die Dorndorf-Steudnitzer ihre beiden Jubiläen feiern, ist Beispiel für das abwechslungsreiche Leben, das heute in der „Alten Schule“ und damit im Ort herrscht. Das Spektrum reicht von Kabarett und bebildertem Reisebericht bis zum Keramikanmalen und Kaffeekonzert mit der Gruppe „Klatschmohn“. Ein Kegelwettstreit und ein Besuch im Bauhaus-Töpfereimuseum in Dornburg belegen, dass es noch viele Ideen für neue Vorhaben und Gemeinschaftsprojekte mit anderen Vereinen und Ortsteilen gibt.

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