Aus Sao Paulo in die Jenaer Klangwelt

Jena  Rafael Dias Mendes kam aus Brasilien nach Neulobeda. Er spielt Euphonium und unterrichtet an der Orchesterschule tiefes Blech.

Rafael Dias Mendes und sein großes Musikinstrument, das Euphonium. Er ist Lehrer an der Musikschule „Klangwelt“ des Blasmusikvereins Carl Zeiss Jena

Rafael Dias Mendes und sein großes Musikinstrument, das Euphonium. Er ist Lehrer an der Musikschule „Klangwelt“ des Blasmusikvereins Carl Zeiss Jena

Foto: Michael Groß

Die vergangenen Tage mit den vorsommerlichen Temperaturen dürften dem 33-jährigen Rafael Dias Mendes gefallen haben. Denn seit er Ende des vorigen Jahres mit Frau und Kind nach Jena gekommen ist, hat er oft gefroren. Kein Wunder, ist doch die brasilianische Metropole Sao Paulo seine Heimat. Und da herrschen derzeit bis zu 29 Grad Celsius – bei einer Luftfeuchte von 60 bis 70 Prozent.

Doch Rafael Mendes hat sich mit seiner Familie ganz bewusst entschieden: Wir gehen nach Jena! In Brasilien sah der studierte Musiker keine Zukunft mehr. Sein Orchester, die Sinfonische Band des Staates Sao Paulo, wo er immerhin eine Solostelle als Euphonist inne hatte, wurde aufgelöst. An einen neuen Job als Musiker, noch dazu in dem doch recht seltenen Metier des Musikinstruments Euphonium, sei nicht zu denken gewesen, erzählt Mendes. Die Situation in Brasilien sei sehr schwierig, auch schon vor der Amtsübernahme des neuen populistischen Präsidenten Bolsonaro, in den so viele Brasilianer Hoffnungen gesetzt hätten.

Doch Mendes hatte Glück, denn zu seinen musikalischen Freunden gehörte auch Patricio Cosentino. Der Tubaspieler aus Argentinien ist schon seit einigen Jahren Lehrer für tiefes Blech an der Musikschule „Klangwelt“ des Blasmusikvereins Carl Zeiss Jena und ist auch Leiter der Jugend-Brass-Band Blechklang sowie einer der Dirigenten der Brass Band Blechklang dieses Vereins. Beide Musiker hatten sich vor elf Jahren bei einem internationalen Treffen von Tuba- und Euphoniumspielern kennen und schätzen gelernt. Und so war der Weg nach Jena offenbar nicht so weit. Denn die Orchesterschule „Klangwelt“ konnte einen solch erfahrenen und gut ausgebildeten Musiker gebrauchen.

Rafael Mendes ist nun seit Anfang des Jahres als Lehrer für Einzelunterricht wie auch sein Freund Cosentino ebenfalls im Fach tiefes Blech der Orchesterschule mit Sitz in Neulobeda tätig und leitet zudem noch die Nachwuchsband der Mini-Kids.

Freilich war das ganze Unterfangen nicht so einfach, erzählen Cosentino und der Vorsitzende des Blasmusikvereins, Ulrich Richter. Es galt Visum und Wohnung zu beschaffen und für das dreijährige Kind einen Kindergartenplatz zu besorgen. Alles habe schließlich geklappt, dank auch der Hilfe mehrerer Partner. So wohnt die Familie Mendes jetzt in Neulobeda, und ab 1. August kann das Kind auch eine Kita in Lobeda besuchen.

Ob er schon heimisch geworden ist? Da lächelt er. Es gehe eben Schritt für Schritt. Gerade seine Frau und sein Kind hätten da schon noch ihre Probleme. Schließlich komme man ja aus einer anderen Welt. Doch die Anfänge seien ermutigend, wie der Orchesterlehrer einschätzt.

So richtig schön sei auch gleich eines seiner ersten Erlebnisse in Jena gewesen: Da habe er doch in der Straßenbahn sein Handy verloren. Er habe nie geglaubt, es noch einmal wieder zu sehen. Doch tatsächlich fand es ein ehrlicher Mensch, so dass Mendes das Handy nach einigen Tagen wieder zurück erhielt. Überhaupt gefallen ihm und seine Familie die Sicherheit und die Ruhe hierzulande sehr gut. Die Stadt sei auch schön, und viele Menschen seien sehr freundlich.

Seiner neuen Arbeit in Jena widmet sich der 33-Jährige nun mit viel Leidenschaft. Übrigens hat er mit neun Jahren angefangen, Euphonium zu blasen – schließlich sollte es ein anderes Musikinstrument sein als das seines Bruders, der Trompete lernte. Natürlich weiß Mendes, dass der Neuanfang in Jena nicht ohne Deutschkenntnisse gehen wird. Die Sprache seiner Schüler möchte er bald gut sprechen können.

Dabei sind die derzeit etwa 160 Schüler der Orchesterschule „Klangwelt“ ja einiges an Internationalität gewohnt. Es gibt dort auch Musikpädagogen aus Japan, Venezuela, Argentinien und Ungarn.

Wer nun Rafael Mendes mit seinem großen Instrument live erleben möchte, der sollte sich am nächsten Mittwoch, 1. Mai, zum gemeinsamen Konzert der Brass Band Blechklang mit der Jenaer Philharmonie auf den Weg ins Volkshaus machen. Dort wird es ein Zusammentreffen von russischer Symphonik und britischen Brassklängen geben. Und beim Galakonzert der Brass Band am 19. Mai wird er auch dabei sein.

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