Tausende Liter Gülle töteten Kleintiere und Fische: Bach im Gleistal braucht weiter Hilfe

Golmsdorf.  Ein halbes Jahr nach der Katastrophe später schwimmt noch immer kein Fisch hier.

Um die Gleise nach dem Gülleunfall vom April 2020 wieder zu einem lebendigen Bach zu machen, bekommen die Angler jetzt Hilfe von den Landwirtschaftsbetrieben, der Gleistal Agrar eG, und der Agrar eG Nausnitz. Die lieferte zehn Tonnen Feldsteine, mit  denen die Angler die Gleise wieder zum Plätschern bringen wollen. Nur so können sich Kleinlebewesen ansiedeln, die Fischen als Nahrungsgrundlage dienen.  

Um die Gleise nach dem Gülleunfall vom April 2020 wieder zu einem lebendigen Bach zu machen, bekommen die Angler jetzt Hilfe von den Landwirtschaftsbetrieben, der Gleistal Agrar eG, und der Agrar eG Nausnitz. Die lieferte zehn Tonnen Feldsteine, mit  denen die Angler die Gleise wieder zum Plätschern bringen wollen. Nur so können sich Kleinlebewesen ansiedeln, die Fischen als Nahrungsgrundlage dienen.  

Foto: Angelika Schimmel

Die Gleise ist ein kleiner Bach, der bei Silberthal im Holzland entspringt, sich durch das Gleistal windet und kurz hinter Golmsdorf in die Saale mündet. Rund 13 Kilometer legt das Wasser dabei zurück. An manchen Stellen mäandert der Bach gemächlich durch das Tal, anderswo dagegen rauscht er schnell das begradigte Bett hinunter.

Jene mit Betonplatten befestigte Stellen im Bachbett sind jedoch weniger geworden, seit im Frühjahr für den Hochwasserschutz und zur Renaturierung des Baches an der Gleise 100.000 Euro verbaut wurden. Auf dem letzten Kilometer vor der Gleisemündung in die Saale hatte eine Spezialfirma die Wabenplatten entfernt, um dem Bach wieder mehr Platz zum Mäandern zu geben. Zusätzlich hatten die Landschaftsbauer mit Baumstämmen Hindernisse gebaut, an denen sich Sedimente und Kiesbänke anlagern können. Diese sind der Lebensraum für allerlei Kleingetier wie Bachflohkrebse oder Wasserasseln. „Dieses Makrozoobenthos ist die Lebensgrundlage für größere Wassertiere und Fische“, erklärt Thomas Orth. Er ist Gewässerwart und staatlich berufener Fischereiaufseher hier.

Zehn Tonnen riesige Feldsteine kommen in den Bach

„Wir hatten gehofft, dass sich der Lebensraum für die kleinen Wassertiere hier wieder erholt, doch bisher gibt es leider keine Veränderung“, ergänzt Michael Köcher, Chef des örtlichen Anglervereins. Deshalb wollen die Angler dem Bach helfen. In einem ersten Schritt mit zehn Tonnen großer Feldsteine. Die stellte die Agrargenossenschaft Nausnitz den Anglern zur Verfügung und schaffte sie jetzt mit schwerer Technik ans Bachufer.

Von Hand werden die Angelfreunde in den kommenden Wochen damit an verschiedenen Stellen im Bach Hindernisse schaffen. „Die Steine werden das Wasser bremsen, es wird sich überschlagen, turbulente Strömungen bilden sich heraus. Das ist wichtig, damit einerseits Sauerstoff eingetragen wird und andererseits das feine Sediment vom Ufer weggespült wird“, erklärt Köhler. „Nur auf grobkörnigem Geschiebe siedeln sich Pflanzen und darin Bachflohkrebse und Köcherfliegenlarven an.“ Weil die Gleise derzeit selbst kleinen Fischen nicht diese Nahrung bietet, verzichtet der Anglerverein auch darauf, junge Fischbrut einzusetzen. „Vor 2021/22 hat das keinen Sinn“, sagt Orth.

Tausende Liter stinkender Brühe liefen in die Gleise

Wenn die erste Steinlieferung nicht reicht, haben die Nausnitzer und auch die Gleistal Agrar eG weitere Hilfe zugesagt. Dass die Landwirte die Angler unterstützen, quittieren die mit Dank und Anerkennung. „Wir sind froh, dass die Landwirte sensibilisiert sind für die Gleise, dass sich eine gute Partnerschaft zwischen uns herausbildet“, sagt Köhler.

Noch im Frühjahr war das Klima weniger freundlich. Damals hatte ein übergelaufener Gülletank in Nausnitz Tausende Liter stinkender Brühe in die Gleise gespült. Sämtliches Leben in dem kleinen Gewässer war abgetötet worden.

Zwar hatte die Agrar eG schnell reagiert, Gülle aus dem Bach abgepumpt, und sofort den Kontakt zur Gemeinde und zu den Anglern gesucht. Doch den Umweltschaden konnte sie nicht rückgängig machen. „Von einer Anzeige gegen den Betrieb haben wir jedoch abgesehen, wir wollen lieber gemeinsam dafür sorgen, dass so etwas nicht mehr passiert und dass sich die Gleise erholt“, erklärt Orth. Doch dafür brauche man auch Unterstützung von der Umweltbehörde und vom Kreis.

„Die gibt es bisher nicht“, sagt Bürgermeister Peter Ganß. So hätten Laboruntersuchungen bewiesen, dass auch sechs Monate nach dem Gülleunfall noch immer Schadstoffe in den Biberburgen am Oberlauf der Gleise festgehalten werden und den Bach nach und nach verunreinigen. Eine Ausnahmegenehmigung, die Biberburgen zu öffnen, um die Schadstoffe ausspülen zu können, sei jedoch verwehrt worden. „Der Schutz eines Lebewesens wird hier über den Schutz vieler anderer gestellt, das ist nicht in Ordnung“. Deshalb habe die Gemeinde die Anordnung des Kreises nicht akzeptiert, jetzt beschäftige sich das Landesverwaltungsamt damit.