Baumfällungen im Drackendorfer Park in Jena erhitzen die Gemüter

Drackendorf  Kaum einer will Goethes Park: Vor der nächsten geplanten Baumfällung gibt es in Drackendorf heftige Debatten über die Parkgestaltung.

Elke Zimmermann (rechts) , Leiterin der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Jena, hatte zu einer öffentlichen Begehung des „Goetheparkes" eingeladen. 

Elke Zimmermann (rechts) , Leiterin der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Jena, hatte zu einer öffentlichen Begehung des „Goetheparkes" eingeladen. 

Foto: Angelika Schimmel

Bei einem Spaziergang unter hohen, alten Bäumen, über grüne Wiesen, vorbei an rot leuchtenden Hagebuttensträuchern schlagen selbst aufgeregte Herzen langsamer, kehrt Ruhe in aufgewühlte Köpfe ein. Normalerweise.

Diese wohltuende Wirkung erzielte der romantische Drackendorfer Park am Montagnachmittag jedoch ganz und gar nicht bei seinen Besuchern. Im Gegenteil, die Emotionen schlugen hoch und die Stimmung war gereizt bei zahlreichen Teilnehmern der öffentlichen Parkbegehung, zu der Elke Zimmermann, Leiterin der städtischen Denkmalbehörde, eingeladen hatte. Etwa 50 Frauen und Männer, direkte Anwohner oder zumindest Nachbarn oder Menschen. denen der alte Park am Stadtrand am Herzen liegt, waren der Einladung gefolgt.

Elke Zimmermann löste damit ein Versprechen an die Drackendorfer Bürger ein, das sie im Frühjahr gegeben hatte, als die Umgestaltung des Parkes begonnen und massive Baumfällungen für großen Ärger bei den Anwohnern gesorgt hatten.

Der Ärger über das Abholzen mächtiger alter Bäume war auch sechs Monate später noch nicht verraucht. Kaum dass Elke Zimmermann die Anwesenden begrüßt hatte und ihr Anliegen erklärten wollte, fielen ihr die ersten Bürger ins Wort. Sie wollten erklärt wissen, warum im Sommer mehrere alte Bäume gefällt worden waren und wie viele Bäume noch das gleiche Schicksal erleiden sollen. Die Erklärung von Elke Zimmermann, Bergahorn, Eiche, Linde und Esche seien auf Empfehlung der Baumschutzkommission gefällt worden, weil Pilzbefall die Bäume stark beschädigt habe, wollten einige Bürger nicht akzeptieren. Auch die Erklärung, dass doch Anwohner bei der Fällung dabei gewesen seien und sich von der Notwendigkeit überzeugt hätten, überzeugte jetzt nicht jeden.

„60 bis 70 Bäume sind schon weg, was soll noch werden?“, fragte Erika Roth mit Blick auf die für den Herbst angekündigte nächste Etappe der Umgestaltung des Parks. Die Antwort blieb Elke Zimmermann nicht schuldig, doch erntete sie damit keine positive Resonanz: „24 Bäume sollen wahrscheinlich im Januar/Februar aus dem Park entfernt werden, nicht weil sie krank sind, sondern aus Gestaltungsgründen.“ Denn der Park soll, darauf hat man sich in einem langwierigen Prozess geeinigt in der Stadt und im Stadtrat, seinen ursprünglichen Charakter eines Landschaftsparks im englischen Stil zurückerhalten. Ähnlich dem, wie der Park zu Goethes Zeiten ausgesehen hat. Nicht umsonst habe der Drackendorfer Park den Status eines Kulturdenkmals.

Für einen Landschaftspark seien markante Einzelgehölze und Baumgruppen, Wege, Wiesen und Sichtachsen – hier zur Lobdeburg oder zum Teepavillon – prägend, warb Zimmermann für die Umgestaltung unter Denkmalaspekten. Durch 50 Jahre vernachlässigter Pflege habe der Park aber genau diesen Charakter verloren, erklärte sie. Wild ausgesäte Samen von Robinie, Esche oder Eiche sind zu stattlichen Hainen herangewachsen. Durch landschaftsgestalterische Eingriffe, Baumfällung, durch Wegebau und Neupflanzungen von Baumgruppen und Sträuchern solle das wieder ausgeglichen werden.

Ein Teil der Bürger konnte sich mit dieser Zielstellung anfreunden, ein anderer Teil konnte jedoch auch diesmal keine Sympathie dafür aufbringen. „Warum müssen gesunde Bäume gefällt werden, damit der Park aussieht wie zu Goethes Zeiten? Sollte man darauf nicht lieber verzichten angesichts der Klimaveränderungen, die wir heute beobachten?“ fragte etwa Sibylle Brendel.

„Genau unter diesen Aspekten haben wir das Gestaltungskonzept doch bereits mehrfach verändert, haben beispielsweise auf mehrere geplante Sichtachsen verzichtet“, räumte Zimmermann ein. Weil kranke Bäume gefällt werden mussten, habe man gesunde verschont. Auch sei zu bestimmten Bereichen, etwa links des Teepavillons, noch nichts endgültig entschieden, sagte sie. Auch deshalb konnte sie den Anwesenden keine endgültige Zahl der noch zu fällenden Bäume nennen. Da habe die Baumschutzkommission, die den Park ständig kontrolliert, auch mitzureden.

Zimmermann versprach den Bürgern, alle Entscheidungen und Pläne dem Ortsteilbürgermeister Rainer Raithel und dem Ortsteilrat zukommen zu lassen, der diese öffentlich mache. Das sei im Übrigen auch bisher immer geschehen, doch sei das Interesse daran nicht übermäßig gewesen, wie auch an den Bürgerversammlungen im Vorfeld der Parkumgestaltung, räumte Raithel ein.

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