Baustart am Jenaer Engelplatz steht bevor

Jena  Baustelleneinrichtung für Bibliotheks- und Bürgerservice-Gebäude. Einweihung Mitte 2023.

So soll der Neubau für Bibliothek und Bürgerservice aussehen bei Blickrichtung Nord: links der Schatten des Theaterhauses, rechts als Saum die Neugasse, oben links die Häuserzeile des Engelplatzes.

So soll der Neubau für Bibliothek und Bürgerservice aussehen bei Blickrichtung Nord: links der Schatten des Theaterhauses, rechts als Saum die Neugasse, oben links die Häuserzeile des Engelplatzes.

Foto: Büro pbR

Jetzt geht‘s los! Am Dienstag ist beim kommunalen Immobilieneigenbetrieb KIJ die Baugenehmigung gelandet für die gemeinsame neue Heimstatt der Ernst-Abbe-Bücherei und des Bürgerservice im Geviert Engelplatz/Neugasse. Schon in der kommenden Woche werde mit der Baustellen-Einrichtung begonnen. Das vermeldeten am Mittwoch KIJ-Abteilungsleiter Tilo Peißker, KIJ-Projektleiterin Doris Kohl und Stefan Rabe vom Büro pbr, dessen Entwurf im Architekten-Wettbewerb als Sieger-Beitrag gekürt worden war.

Endlich den Fuß in der Tür! Genugtuung dieser Art bekundeten denn auch die Eigenbetriebsleiter Karl Hermann Kliewe (KIJ), Jonas Zipf (Jenakultur) und Bürgerservice-Chef Olaf Schroth. Kliewe erinnerte an die Zitterpartie der vergangenen Monate: Spielt der Freistaat noch mit, nachdem die Kosten von ursprünglich prognostizierten 24 auf vorerst 35 Millionen Euro gestiegen waren? Schließlich hatte der Stadtrat seine Finanzierungszusage davon abhängig gemacht, dass zwei Drittel der Kosten durch Europa-Bund-Land-Fördermittel gedeckt werden. – Der Freistaat spielte mit. So sei der Neubau für die beiden Jenaer „besucherintensivsten Einrichtungen“ gesichert, sagte Kliewe.

Von Montag an geht es richtig zur Sache, wie von den KIJ-Leuten und Stefan Rabe zu hören war. Baustelleneinrichtung – das heißt zum Beispiel: Der Parkplatz am Engelplatz bleibt fortan gesperrt und muss für die Baustellen-Logistik freigehalten werden. Baustellenzu- und -ausfahrt werden hergestellt mit Schutzasphaltflächen beim Beginn des Schillergäßchens beziehungsweise am Rand des bisherigen Parkplatzes. Folglich wird der Fußweg an der Engelplatz-Südseite (beim „Döner“) gesperrt bleiben; die Passanten aus Richtung Westbahnhof werden über die Fußgängerampel am Engelplatz auf dessen andere Seite geleitet. Zudem steigt die Telekom mit Arbeiten an Kabeln und Kästen ein; beim Haus Neugasse 29 müssen Wasserleitungen neu an- und umgebunden werden.

Bürgeramt: zwei Minuten Wartezeit als Ziel

Und: In der Neugasse gilt nun nicht nur Park-, sondern auch Halteverbot. „Wir haben einmal Pelzwaschen bestellt; da wird man auch nass“, sagte der KIJ-Chef. Montag bis Freitag sei mit einer Bauzeit zwischen 7 und 21 zu rechnen. Immerhin hat KIJ bei den Anwohnergesprächen „eine sehr gute Nachbarschaft“ registrieret, sagte Doris Kohl. „Das hat uns Mut gemacht.“

Für die Baustelleneinrichtung ist sogar an Feinheiten wie die Umsetzung eines beim sanierten Karmelitenkloster angelegten Kräutergartens hin zur Gemeinschaftsschule Wenigenjena gedacht, wie Doris Kohl berichtete.

Schon im November soll der nächste Schritt folgen: die Baugrube. Stefan Rabe erläuterte, dass sie mit einer Bohrpfahlwand umschlossen werde; so solle die Struktur der umliegenden Grundstücke Sicherheit finden. „Das ist in Jena gängige Praxis, wo der Bauraum eng wird.“

Im Mai 2020 beginnt nach derzeitigem Plan der Rohbau, indessen das gesamte Jahr 2022 für den Ausbau veranschlagt ist, so dass Mitte 2023 das Band zur Nutzungsfreigabe durchschnitten werden kann. Diese Terminkette sei „sportiv“, so sagte Karl Hermann Kliewe.

Jonas Zipf erinnerte daran, dass für die Ernst-Abbe-Bücherei somit 120 Jahre nach ihrem Start im Domizil Volkshaus die neue Ära am Engelplatz beginnen würde.

In den drei für die Bibliothek vorgesehenen Geschossen sind 3700 Quadratmeter Nutzfläche geplant – gegenüber 1700 Quadratmetern, die derzeit verfügbar sind. Schon jetzt sei die EAB die größte und leistungsstärkste öffentliche Bibliothek Thüringens, wie Jonas Zipf betonte. Geplant sei, die Nutzerzahl pro Jahr von 14.000 auf 20.000, die Zahl der Entleihungen von derzeit 750.000 auf 1,25 Millionen zu erhöhen. „Die Verweildauer ist aber künftig die entscheidende Erfolgskennziffer“, sagte Jonas Zipf.

Beim Bürgerservice sei das Verweildauer-Ziel diametral gesetzt, sagte Olaf Schroth. Heißt: Jährlich werden 100.000 Besucher (pro Woche 2000) und 300.000 Vorgänge von den 70 Mitarbeitern betreut. Im Schnitt müssen die Besucher auf den 1000 Quadratmetern im verwinkelten Bürgeramt am Löbdergraben zweieinhalb Minuten Wartezeit inkaufnehmen. „Wir wollen schon unter zwei Minuten kommen“, so merkte der Bürgerservice-Chef zur Zukunft im doppelt so großen und auf fünf Geschossen verteilten neuen Domizil an. „Die gefühlt gesparte Zeit kann der Bürger ja dann in der Bibliothek verbringen.“

KIJ baut derzeit eine Internetseite auf, auf der alles über den Baufortgang und Ansprechpartner zu erfahren sein wird.

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