Bienen gegen Milbe stärken: Jenaer Imker forscht daran

Jena  Jenaer Zuchtbetrieb setzt erfolgreich auf die Selektion im Kampf gegen die Varroamilbe.

Hermann Graf aus Österreich gehörte am Wochenende zur Expertenrunde bei Bienenzüchter Eggert.

Hermann Graf aus Österreich gehörte am Wochenende zur Expertenrunde bei Bienenzüchter Eggert.

Beim morgendlichen Honigbrötchen wird wohl kaum einer an die Varroamilbe denken. Jener ein bis zwei Millimeter große Parasit, der aus Asien kam, macht seit 40 Jahren den Bienen und damit den Imkern mächtig zu schaffen und führte schon zum Zusammenbruch vieler Bienenvölker. So könnte es also am Ende knapp werden mit dem Honig fürs Brötchen.

Freilich wird versucht gegenzusteuern – mit Medikamenten. Davon hält Lutz Eggert, Bioland-Imker und Bienenzüchter aus Jena, aber nicht viel. So würden Steuergelder verschwendet, nur kurzfristige Erfolge erreicht und würde den Bienen und der Umwelt, ja letztlich auch dem Honig, geschadet. Er setzt vielmehr auf natürliche Bekämpfung der gefährlichen Milbe.

Das Stichwort heißt für ihn: Selektion. Über einen langwierigen Prozess versetzt er Bienen mit der Varroamilbe und untersucht, wie einzelne Bienenvölker darauf reagieren und selektiert die beständigen Bienen, um neue starke Völker zu fördern. Sein Zuchtbetrieb sucht auf diese Weise nach guten Chancen, die Milbe sanft und ohne Chemie zu bekämpfen. Eggert will an mehreren Stellschrauben drehen, einen Algorithmus, ein System von Maßnahmen ausfeilen, um am Ende das beste Ergebnis zu bekommen, nämlich relativ starke Bienenvölker, die sich gegen die Milbe selbst behaupten können. Als Ziel definiert er die Entwicklung von standardisierten Verfahren, um die Bienengefährdung durch die Varroamilbe zu bannen.

Dass er damit auf gutem Wege zu sein scheint, wurde am Wochenende deutlich. Da trafen sich Imker, Züchter und Bienen-Experten aus Deutschland und Österreich in seinem Zuchtbetrieb am Burgauer Weg, darunter auch Hermann Graf aus dem österreichischen Kärnten. „Für mich ist das ein wichtiger Gedankenaustausch. Denn jeder arbeitet anders. Da schätzt man Netzwerke“, sagt der Bienenzüchter über die Gründe seines Kommens. Auch Eva Frey, die sich schon zwölf Jahre lang als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim (Baden-Württemberg) mit dem Thema befasst und zur Varroamilbe promoviert hat, war gekommen, um die Untersuchungen an den Mikroskopen zu überwachen, so dass seriöse Ergebnisse zustande kommen. Das Ganze wird nun analysiert, doch erste Untersuchungen von Zellen aus der Bienenbrut von Eggert haben gezeigt, dass die Zahl der nicht befallenen Zellen relativ hoch ist.

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