Blasen ins selbe Horn: Philharmonie Jena und Brass-Band Blechklang

Jena  Wahrlich ein Sonderkonzert: Philharmonie und Brass-Band „Blechklang“ gemeinsam

Alexander Richter (links), Leiter der Brass-Band „Blechklang“, und Projektleiter Sebastian Gühne werben für das Sonderkonzert der Philharmonie am 1. Mai.

Alexander Richter (links), Leiter der Brass-Band „Blechklang“, und Projektleiter Sebastian Gühne werben für das Sonderkonzert der Philharmonie am 1. Mai.

Foto: Thomas Stridde

Erfolgreiche EM-Teilnahme; Weltpremiere; das Brechen mit Prinzipien. – Zur Umschreibung des gemeinsamen Sonderkonzerts der Jenaer Philharmonie und der Jenaer Brass-Band „Blechklang“ am morgigen Mittwoch, 1. Mai (20 Uhr, Volkshaus), lassen sich mehrere Reizwörter in die Waagschale legen. Band-Chef Alexander Richter und Sebastian Gühne, künstlerischer Leiter für die Philharmonie-Projekte des Förderprogramms „Exzellente Orchesterlandschaft Deutschland“, kamen am Montag zum Beispiel auf Montreux zu sprechen.

In der Jazz-Festival-Stadt in der Schweiz hat die 30-köpfige Jugend-Band der renommierten „Blechklang“-Formation am Wochenende den 4. Platz bei der Brass-Europameisterschaft errungen. 94 von 100 Punkten holten die jungen Jenaer Spezies für Messing- (englisch: Brass)Blasinstrumente. Es sei ihm zum Beispiel „mächtig unter die Haut gekrochen“, dass mit Isabel Voigt am Flügelhorn seine erste Schülerin in Montreux dabei war, die die gesamte Ausbildung bei ihm im Carl-Zeiss-Blasmusikverein durchlaufen hat, berichtete Alexander Richter, der hauptberuflich Solo-Trompeter im Philharmonischen Orchester Plauen-Zwickau ist. Und siehe: Beim nunmehr dritten gemeinsamen Konzert mit der Philharmonie werden am 1. Mai sieben Montreux-Fahrer – auch Isabel – in der großen 35-köpfigen „Blechklang“-Band mitspielen. Unter den 100 Musikern des Abends befänden sich somit 50 Blechbläser, erläuterte Alexander Richter. Und klar, es sei „wahnsinnig naheliegend“ gewesen, als Dirigent des Abends den Schweizer Philippe Bach einzubinden: Der Generalmusikdirektor der Staatskapelle Meiningen sei selbst mit einer Brass-Band groß geworden.

Am 1. Mai wird das Sonderkonzert zweigeteilt sein, erläuterten Richter und Gühne: die erste Hälfte im Zeichen Englands, des Brass-Mutterlandes, die zweite im Zeichen des sinfonischen Repertoires – speziell der großen Russen Rimski-Korsakow, Mussorgski, Borodin und Tschaikowski. Im ersten Teil ist unter anderem eine Welturaufführung zu erleben: Die „Partita“ des Engländers John Wilfred Heaton (1918-2000) zähle als Referenz-Stück für Brass-Band-Musik. Nur sei Heatons Urfassung für Sinfonieorchester nie aufgeführt worden, erläuterte Richter. Das geschehe nun. Oder: Die Sätze der ­„Downland Suite“ von John Ireland (1879-1962) würden abwechselnd von der Philharmonie und von „Blechklang“ gespielt. So würden unterschiedliche Farben des Instrumenten-Klangs ­herausgestellt.

Tatsächlich dürfe es nicht sein, dass im Konzert nur die Philharmonie oder nur die Brass-Band herausklinge, sagte Sebastian Gühne. „Es sollen beide möglichst nahe aneinandergeführt werden. Und viel näher als an diesem Abend kann man es nicht.“

Das gilt auch fürs sinfonischen Repertoire: Alexander Richter beschrieb, wie Peter Tschaikowski selbst fremdelte mit seiner dem Sieg Russlands über Napoleon gewidmeten Ouvertüre solennelle „1812“ – sie sei, so Tschaikowski, „mit wenig Wärme und Liebe“ geschrieben. Hier komme das Potential des Brass ins Spiel, „wärmer, weicher, wie eine beseelte Orgel“ klingen zu können, sagte Richter. „Das addieren wir oben drauf.“ Derlei, so sagte Sebastain Gühne, sei weder bei Youtube noch im Plattenladen zu haben. „Da bin ich stolz.“

Der „leise-zarte Satz“ sei entgegen allgemeiner Annahme sehr wohl ein Feld für die Brass-Band, sagte Alexander Richter. Ein Freund von ihm habe einmal erklärt, das Orchester sei der Mercedes, die Brass-Band der Sportwagen. Richter: „Wir brechen diese Prinzipien auf.“

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