Bürger für Jena: Marion Hippius wagt den Vorsitz

Jena  Die habilitierte Uni-Pharmakologin hat die Verantwortung in einer kniffligen Phase des Vereins übernommen, der seit Jahrzehnten mit seinen gewählten Abgeordneten ein Korrektiv von bewusst Parteilosen im Jenaer Stadtrat bildet.

Neue Vorsitzende der Vereins „Bürger für Jena“, der sich immer schon als politische Kraft der Parteilosen versteht: Marion Hippius.

Neue Vorsitzende der Vereins „Bürger für Jena“, der sich immer schon als politische Kraft der Parteilosen versteht: Marion Hippius.

Foto: Thomas Stridde

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Es ist gemeinhin eine etwas heikle Reporter-Frage an frisch gewählte Vorsitzende, ob sie sich als Übergangslösung verstünden. Marion Hippius, die neue Vorsitzende des Vereins „Bürger für Jena“ (BfJ), geht entspannt mit dieser Frage um: „Das will ich doch hoffen“, sagt sie, die am Samstag ihren 68. Geburtstag feiert.

Die habilitierte Uni-Pharmakologin hat die Verantwortung in einer kniffligen Phase des Vereins übernommen, der seit Jahrzehnten mit seinen gewählten Abgeordneten ein Korrektiv von bewusst Parteilosen im Jenaer Stadtrat bildet: BfJ-Begründer Jürgen Haschke und Ur-Mitglied Christoph Boock, einer der Nachwende-Dezernenten in der Stadtverwaltung, mussten aus dem Verein ausgeschlossen werden. Haschke, nachdem er zur Stadtratswahl für die Partei „Freie Wähler“ angetreten war, und Boock, nachdem er sich der AfD angeschlossen und auf deren Wahlliste hatte setzen lassen. Die Trennung von den beiden Männern sei gemäß Satzung des Vereins erfolgt, die eine Mitgliedschaft in einer Partei für BfJ-Mitstreiter dezidiert ausschließt, sagt Marion Hippius.

Eine Alternative habe es also nicht gegeben. „Ich finde das alles ein bisschen traurig“, zumal Jürgen Haschkes Ehefrau Marianne gleich mit aus- und Tochter Susanne Schlegel vom Vorsitz des Vereins zurückgetreten ist. Jürgen Haschke habe es ihr als Vaterfigur einst mit auf den Weg gegeben, dass die „Bürger“ immer ein Verein bleiben würden. „Das tut weh: dass er nun selbst in eine Partei geht“, sagt Marion Hippius, die in der vorvergangenen Legislatur dem Stadtrat angehörte.

Zu tun hat der Vorgang mit Jürgen Haschkes nicht ganz aufgegangenem Plan, den renommierten Chemie-Professor Ulrich Schubert für den Stadtrat zu gewinnen. Hätte Schubert nicht mit einzelnen „Bürgern“ – konkret mit Jugendpfarrer Lothar König – gefremdelt, wäre er für den Verein angetreten. So versuchte Haschke den Dreh, gemeinsam mit Schubert und weiteren Kandidaten über die Partei „Freie Wähler“ in den Stadtrat einzuziehen. Doch gewann allein Schubert ein Mandat. „Ich würde mich freuen, wenn wir uns annähern“, sagt Marion Hippius zur Causa Schubert. Immerhin seien da bereits „gute Gespräche auf dem Weg“.

„Ich sehe da ein Stückchen Aufbruch“

Und überhaupt: Marion Hippius ist optimistisch, wie sie sagt. „Ich betrachte die jetzige Situation als Chance.“ Es gebe mit Konstantin Freuer, Andreas Ferle und Ben Abendroth neue jüngere Mitglieder im derzeit 19-köpfigen Verein. „Die haben sich gut eingebracht mit Vorschlägen. Ich sehe da ein Stückchen Aufbruch.“

Marion Hippius denkt an sich, an Haschke, an die drei in den Stadtrat eingezogenen „Bürger“ Jürgen Häkanson-Hall, Eckhard Birckner und Lothar König, die auch die Rentner-Schwelle fast erreicht oder schon überschritten haben. Und sie sagt: „Jeder hat seine Zeit.“ Nehme die junge Generation etwas in die Hand, bewege sich auch etwas. Dies will Marion Hippius gar nicht auf den „Bürger“-Nachwuchs beschränkt wissen. Sie freue sich auch zu sehen, dass neue junge Stadt-Dezernenten wie Christian Gerlitz (SPD) und Benjamin Koppe (CDU) ihre Wege suchen. „Man muss sie mal lassen.“ Gerlitz zum Beispiel habe erkennen lassen, dass er auf Bürger-Nöte hin sofort reagieren könne und Zwischenlösungen suche.

Dass Marion Hippius auf die Förderung der Jugend setzt, mag nicht verwundern, hat sie doch als Hochschullehrerin und Privatdozentin über Jahrzehnte nichts anderes getan. Dazu passt, dass sie neben dem Vereinsvorsitz bei den „Bürgern“ trotz Ruhestands eine weitere Förder-Aufgabe erfüllt: Sie ist in die Kenntnis-Prüfung junger Emigranten-Ärzte einbezogen.

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