Bürgermeisterin der Gemeinde Lindig legt Amt nieder

Lindig.  Gut zwei Jahrzehnte setzte die Lindiger Bürgermeisterin Petra von der Gönne auf Herz, Verstand und Gemeinschaft. Jetzt tritt sie überraschend ab.

Petra von der Gönne legt ihr Amt als Bürgermeisterin in der Gemeinde Lindig bei Kahla nieder.

Petra von der Gönne legt ihr Amt als Bürgermeisterin in der Gemeinde Lindig bei Kahla nieder.

Foto: Katja Dörn

Mit ihren auffallend gefärbten Haaren und ihren bunten Outfits ist Petra von der Gönne die wohl farbenfrohste Bürgermeisterin des Saale-Holzland-Kreises. Trotz ihrer oft optimistischen Ausstrahlung gibt sie kurz vor ihrem 60. Geburtstag bekannt, ihr Amt in der Gemeinde Lindig vorfristig niederzulegen. 21 Jahre führte sie die Geschicke der kleinen Gemeinde bei Kahla mit etwa 220 Einwohnern. Wir sprachen mit ihr über die Gründe, über Erreichtes und über Herzensangelegenheiten.

Zum 1. Januar 2021 werden Sie überraschend als ehrenamtliche Bürgermeisterin in Lindig aufhören. Aus welchen Gründen?

Aus familiären gesundheitlichen Gründen. Ich habe drei Menschen zu pflegen. Die Entscheidung ist über einen längeren Zeitraum gewachsen.

Warum sind Sie vor 21 Jahren als Bürgermeisterin angetreten?

1987 bin ich von Kahla nach Lindig gezogen, weil ich immer ein Häuschen im Wald wollte und mir wünschte, im ländlichen Raum etwas zu bewegen. Ab 1990 war ich bereits Erste Beigeordnete, und als Bürgermeister Karl-Heinz Küfner sein Amt abgab, entschied ich mich, es zu übernehmen.

Was haben Sie persönlich bewegt?

In der Wendezeit besaß die Gemeinde einen Rohbau, der ein Konsum werden sollte, aber nicht in privates Eigentum übergehen durfte. Es musste eine gemeinnützige Lösung gefunden werden. Das ist mir mit Bravour gelungen. 2003 konnten wir das tolle Feuerwehrgeräte- und Vereinshaus einweihen, ohne einen Cent zu bezahlen. Der gelungene Abruf von 550.000 Mark, Geld der Treuhand, machten das Unmögliche möglich. Erwähnenswert ist auch die erfolgreiche Maßnahme der Dorferneuerung, die vielen Hauseigentümern zu Gute kam.

Gab es auch Rückschläge?

Was mir leid tat: Dass ich den Kindergarten nicht halten konnte. Die Erzieherinnen dachten, wenn sie nach Kahla gehen, wird alles besser. Heute hat sich das ausgeglichen. Wir haben hier eine tolle Tagesmutti, die über das Dorf hinaus bekannt ist. Der Spielplatz ist geblieben, das Kindergartenhaus wurde verkauft.

Kinder und Familien waren Ihnen oft besonders wichtig?

Ja. Viele Jahre haben wir als Gemeinde einen Ausgleich an die Eltern bezahlt, die ihre Kinder unter drei Jahren betreuen ließen. Heute ist das Usus. Wir konnten uns das leisten. Was auch toll ist: Sobald ein Haus zum Verkauf steht, finden sich neue Eigentümer. Den Gasthof ausgenommen.

Den Gasthof haben Sie selbst einmal vor 15 Jahren bewirtschaftet.

Ja, ich war die letzte Pächterin. Ich wollte es einfach probieren und es war auch eine gute Zeit mit neuen Erkenntnissen. Aber damals hat man schon gemerkt, wie schwer es ist, traditionelles Essen zu verkaufen. Mal sehen, wie sich jetzt die Gaststätten in der schweren Pandemie-Zeit halten.

Manche Kahlaer sehen Lindig auch als das widerspenstige Dorf auf der Anhöhe, weil sie sich stetig einer Eingemeindung widersetzt haben.

Das ist richtig. Bis heute sind wir schuldenfrei und haben ein Guthaben. Die Erfahrung sagt mir, dass es einer Stadt schwer fällt, einen kleinen Arm zu bedienen. Das war immer meine Angst und deshalb habe ich dafür gekämpft, dass wir so selbstständig sind wie es geht.

In so einer Gemeinde geht vieles aber auch nur mit der Gemeinschaft.

Mein Wahlslogan war auch immer: Mit Herz, Verstand und einer starken Gemeinschaft. Das Vereinsleben war nach der Wende fast wie ausgestorben. Es mussten also neue Vereine gegründet werden. Unter anderem habe ich die Chorgemeinschaft Lindig gegründet. Auch der Feuerwehrverein und der Dorfverein wurden monatlich mit Mitteln unterstützt, sodass sie auf eigene Beine gestellt werden konnten.

Sie selbst kandidierten anfangs als CDU-Mitglied, traten aber zwischenzeitlich aus der Partei aus.

Das hatte seinen Grund. Ich habe einen starken Glauben und war auch selbst als Kirchenälteste immer aktiv. Mein Ansinnen war, die politische und kirchliche Gemeinde zu verbinden. Doch irgendwann habe ich gemerkt, dass das „C“ nicht die Bedeutung hat, die ich ihm zumesse. Das konnte ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Daher bin ich lieber neutral und habe zuletzt über die Feuerwehr kandidiert.

Was wünschen Sie einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger?

Ein glückliches Händchen. Allen kann man nicht gerecht werden, ich habe es versucht. Man muss auch mal auf das Herz und das Bauchgefühl achten und die Gemeinschaft suchen. Alles Gelingen ist eine Gnade.


Zur Sache:

Mit dem Rücktritt der Bürgermeisterin vertritt ab 1. Januar 2021 vorerst der Erste Beigeordnete, Andreas Eierkuchen, die Gemeinde Lindig. Ein Wahltermin ist noch nicht festgesetzt, teilt das Landratsamt auf Nachfrage mit.