Bus oder Bahn und erst mal gar kein Angebot fürs „Himmelreich“

Jena.  Patt im Stadtrat: Die einen wollen sofort ÖPNV-Verbesserungen für die Bürger, die anderen die Priorität der Straßenbahn steigern.

Linie 15 bei ihrem baustellenbedingten Halt am Christlichen Gymnasium. Eine Idee für das Himmelreich heißt, den E-Bus bis nach Zwätzen weiterfahren zu lassen. 

Linie 15 bei ihrem baustellenbedingten Halt am Christlichen Gymnasium. Eine Idee für das Himmelreich heißt, den E-Bus bis nach Zwätzen weiterfahren zu lassen. 

Foto: Thomas Beier

So schnell wie von den Bürgern erhofft wird es den Neustart des Buspendelverkehres ins Himmelreich nicht geben. Die von 676 Bürgern als Petition an den Stadtrat herangetragene Forderung nach mehr ÖPNV wurde in der jüngsten Sitzung nicht behandelt, obwohl genau die Hälfte der anwesenden Stadträte darüber sprechen wollte. Für eine kurzfristige Aufnahme auf die Tagesordnung hätte es nämlich einer Zwei-Drittel-Mehrheit bedurft. Überdies war die Aufnahme auf die Tagesordnung aus formalen Gründen nicht dringlich, wie Bürgermeister Christian Gerlitz (SPD) erläuterte.

„Damit will ich aber dezidiert nicht sagen, dass es nicht auch für die Stadtverwaltung ein dringliches Anliegen ist, für eine weiterer Verbesserung des Nahverkehrs im Himmelreich zu sorgen“, sagte Gerlitz.

Zwätzens Ortsteilbürgermeister Waldemar Kühner übergab die Online-Petition zu Sitzungsbeginn an Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (FDP). Kühner zeigte sich im Nachgang zufrieden darüber, dass das Thema die Politik erreicht habe. Das Thema ÖPNV beschäftigte das Wohngebiet sehr, bis hin, dass es ein großes Interesse gebe, die Dinge in einer Bürger-AG umfassend zu besprechen. Leider sei es aber jetzt erst mal so, dass durch die von der Stadtverwaltung veranlasste Einstellung des Busverkehres das Himmelreich wieder die schlechteste Anbindung des gesamten Stadtgebietes habe.

Bürgermeister Christian Gerlitz ist der Auffassung, dass der von den Bürgern gewünschte Bus-Neustart kurzfristig nicht möglich ist. Es müssten zunächst Konzessionen dafür beim Land beantragt werden. Derzeit fahren nur noch vereinzelt Überlandbusse der JES ins Himmelreich. Der JES soll künftig stärker eingebunden werden.

„Hohe Priorität“ gibt es seit 2014 für die Straßenbahn

Auf Antrag der FDP soll sich der Stadtentwicklungsausschuss in einer seiner nächsten Sitzungen mit der Bürger-Petition befassen. Zugleich sollen dann zwei Vorschläge besprochen werden, die von den Parteien kommen.

Die Linke hat einen Beschlussantrag eingebracht, wonach zumindest ab der Haltestelle Erich-Kuithan-Straße die Erreichbarkeit der Wohngebiete „umgehend wieder gesichert wird“. Mit dem neuen Nahverkehrsplan der Stadt Jena sei zudem die bessere Erreichbarkeit über eine gut vertaktete Busverbindung zu sichern. Für eine schnelle Wiederaufnahme des Busbetriebes haben sich unabhängig voneinander auch Grüne und AfD eingesetzt. Die Grünen setzen sich parallel dazu besonders stark für die Straßenbahn ein. Die AfD brachte als Zwischenlösung bis zum neuen Nahverkehrsplan eine Verlängerung der Buslinie 15 ins Gespräch.

Im Gegensatz dazu stützt die SPD die Linie des Bürgermeisters. Die Partei ist gegen ein sofortiges Ersatzangebot, weil die Fahrt großer Busse ins Himmelreich sehr teuer sei und sich nicht lohne. Stattdessen will die SPD, dass der Bau der Straßenbahn bis zur Carl-Orff-Straße „oberste Priorität“ bekommt. Den Bau der Straßenbahn soll das Land zu einem Großteil mitfinanzieren.

Beschlüsse zum Bau einer Straßenbahn hatte es bereits 2013, 2014, 2017 und 2019 gegeben. Im Nahverkehrsplan 2014-2018 (derzeit gibt es in Jena keinen aktuelleren Plan) war die Straßenbahn ins Himmelreich mit „hoher Priorität“ eingestuft worden.

Der Text wurde gegenüber der ursprünglichen Fassung geändert, da die Stadtverwaltung um Klarstellung bat, dass unabhängig von der Frage des Buspendelverkehres Nahverkehr ins Himmelreich ein dringliches Anliegen sei.