Camburg: So sieht der Alltag in einem Pflegeheim in Corona-Zeiten aus

Dornburg-Camburg  Bisher ist die AWO-Seniorenresidenz in Camburg von Corona verschont geblieben. Trotzdem arbeitet das Team hart an der Kraft-Grenze.

Theodora Meynhardt (l.) wohnt noch nicht lange in der Camburger AWO-Seniorenresidenz. Dafür um so lieber. Sie fühlt sich hier sehr gut betreut von Sabine Willem und ihrem Pflegeteam, das trotz Corona-Einschränkungen den Bewohnern einen angenehmen Lebensabend verschaffen will.

Theodora Meynhardt (l.) wohnt noch nicht lange in der Camburger AWO-Seniorenresidenz. Dafür um so lieber. Sie fühlt sich hier sehr gut betreut von Sabine Willem und ihrem Pflegeteam, das trotz Corona-Einschränkungen den Bewohnern einen angenehmen Lebensabend verschaffen will.

Foto: Angelika Schimmel

Eigentlich ist es unmöglich, was Sabine Willem und ihr Team in der AWO-Seniorenresidenz in Camburg tagtäglich leisten wollen: die 92 Bewohner bestmöglich vor dem gefährlichen Virus schützen und trotzdem Angst und Einsamkeit wenig Chancen lassen.

„Wir bemühen uns, im Heimalltag so etwas wie Normalität zu schaffen, auch wenn das unter den gegebenen Bedingungen schwierig ist. Die Zeitungsschau am Morgen und Beschäftigungen, natürlich nur im kleinen Kreis in den Wohngruppen, das machen wir auch in diesen Tagen, wo es möglich ist.“ Auch zu kurzen Spaziergängen würden die noch rüstigen Damen und Herren nach draußen gebracht. „Selbst wenn es nur 20 Minuten sind, so ist dies eine willkommene Ablenkung für unsere Bewohner“, sagt die Pflegedienstleiterin der Camburger Einrichtung.

Bisher keine Krankheitsausbrüche durch Corona

„Bisher hatten wir wirklich Glück, Corona-Ausbrüche wie in anderen Heimen in Jena etwa, gab es bei uns nicht. Wir mussten lediglich zweimal Bewohner einer Wohngruppe vorsorglich in Quarantäne schicken, weil ein Dienstleister beziehungsweise eine Mitarbeiterin, die dort gearbeitet hatten, positiv getestet wurden“, berichtet Sabine Willem. Daraufhin seien sofort die gesamte Bewohnerschaft des Heimes und das Personal getestet worden. Glücklicherweise habe es keine Ansteckungsfälle gegeben.

Traurig sei dennoch gewesen, dass eine Wohngruppe über die Weihnachtsfeiertage in Quarantäne bleiben musste. Besuche von Angehörigen waren daher nicht möglich. „Doch die meisten Angehörigen und auch Bewohner haben eingesehen, dass dies zum Schutz aller die einzige Lösung war. Überhaupt bekommen wir von unseren Bewohnern und ihren Angehörigen viel positives Feedback.“ So hatte die Enkelin einer Bewohnerin dem Heim ein Tablet geschenkt, mit dem dann Video-Telefongespräche zwischen den isolierten Senioren und ihren Kindern oder Enkeln möglich gemacht wurden. Das sei auch eine Art der Anerkennung der Arbeit ihres Teams, sagte Willem.

Absicherung der Pflege ist schwierig geworden

Das arbeitet seit Wochen unter schwierigen Bedingungen. 60 Mitarbeiter zählt die Belegschaft der Seniorenresidenz, vom Hausmeister über die Pflegekräfte bis zur Leiterin. Küchenkräfte und Reinigungspersonal kommen als Dienstleister dazu. „Aber leider haben wir einige Langzeitkranke und jetzt kommen auch die üblichen Erkältungskrankheiten dazu, die immer um diese Jahreszeit herum auftreten“, sagt Willem. Die Pflege der Bewohner rund um die Uhr abzusichern, verlange viel Improvisation und Engagement.

Zusätzlichen Zeit- und Kraftaufwand kostet im Heim die Testung der Mitarbeiter. Auch die im Haus arbeitenden Dienstleister werden getestet. „Zweimal pro Woche testen wir das Personal, allein für die Frühschicht heute habe ich dafür zwei Stunden gebraucht“, räumt Sabine Willem ein. Zeit, die für andere Aufgaben fehlt. „Schwieriger wird es, wenn ab nächster Woche auch alle Besucher getestet werden müssen. Dafür haben sich zwar auch Mitarbeiter bereiterklärt, doch die brauche ich eigentlich in der Pflege“, sagt Willem. Um so mehr würden sie und ihre Mitarbeiter sich über die Unterstützung von freiwilligen Helfern freuen. „Mit den Schnelltests ist auch viel Papierkram verbunden, zudem müssen die Besucher geleitet und informiert werden, da könnten wir Hilfe von Ehrenamtlichen gebrauchen“, erklärt sie.

Impfbereitschaft bei Senioren sehr hoch

Große Hoffnungen setzt Sabine Willem deshalb in die Impfungen, die „hoffentlich bald“ auch in Camburg durchgeführt werden. Die meisten der Bewohner wollten sich impfen lassen, angemeldet habe man den entsprechenden Bedarf schon am 28. Dezember. Seitdem liefen auch die Gespräche mit den Bewohnern oder deren Betreuern, wenn es um Demenzkranke gehe. „Während an unserer Einrichtung in Eisenberg, dem AWO-Sozialzentrum, schon am Montag die ersten Impfungen durchgeführt werden sollen, gibt es für uns noch keinen Termin“, bedauert Willem. Doch man hoffe, dass es nicht mehr lange dauern werde. „Wir stehen auch in gutem Kontakt mit den Hausärzten in der Region, bekommen von diesen viel Unterstützung“, freut sie sich. Nach ihrer Kenntnis ist bei den mobilen Impfteams auch immer ein Hausarzt dabei, der etwa die Patientenaufklärung übernimmt.

Beim Thema Aufklärung sieht die engagierte Pflegedienstleiterin noch Nachholbedarf. Auch in ihrem Team gebe es Mitarbeiterinnen, die einer Impfung kritisch gegenüberstehen. „In Gesprächen werden dabei meist nicht ausreichende Informationen über den Impfstoff an sich und die möglichen Langzeitfolgen als Grund benannt“, erklärt Willem.