Denkmal für einen großen Universalwissenschaftler

Jena  Stumme Zeugen (31): Stein an den Teufelslöchern bei Wöllnitz erinnert an Alexander von Humboldt

Das Denkmal für Alexander von Humboldt wurde erst 1989 in der Wöllnitzer Straße in Jena gesetzt.

Das Denkmal für Alexander von Humboldt wurde erst 1989 in der Wöllnitzer Straße in Jena gesetzt.

Foto: Immanuel Voigt

Vielleicht ist Ihnen der Stein, mit dem sich der 31. Teil unserer Serie heute beschäftigt, ja auch schon einmal aufgefallen? Etwa bei einem Spaziergang zu den reizvollen Sandsteinfelsen an den „Teufelslöchern“.

Läuft man aus der Innenstadt kommend die Wöllnitzer Straße entlang, findet sich etwa in Höhe der Dreifelderhalle des USV das Landschaftsschutzgebiet mit den markanten Steinwellen. Zwischen den Buntsandstein mischt sich hier Fasergips, der in mehreren Schichten offen zu Tage tritt. Daneben beherbergt das Areal am Fuße der Kernberge einige Höhlen, die zu den ältesten im Thüringer Raum zählen. Bereits zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurden die „Teufelslöcher“ urkundlich erwähnt und galten seit jeher als ein mythischer Ort. Nach alten Sagen sollen hier einstmals Zwerge und Drachen gehaust haben. Dass die Stelle aber auch für wissenschaftliche Studien äußerst interessant war, weiß man nicht erst seit der Neuzeit. Neben Holzbänken und zwei Informationstafeln, die der Besucher heute dort findet, steht fast schon ein wenig unscheinbar unmittelbar neben der Straße ein schlichtes Denkmal. Es ist einem Mann gewidmet, der bereits zu seinen Lebzeiten derartige Popularität erlangte, dass man ihn als „zweiten Kolumbus“ und „neuen Aristoteles“ bezeichnete. Die Rede ist von Alexander von Humboldt. Er gilt weithin als einer der letzten deutschen Universalwissenschaftler der weit über die Grenzen seines Heimatlandes Bekanntheit erlangte. Auch mit unserer Stadt stand er am Ende des 18. Jahrhunderts in enger Verbindung.

Humboldt vermaß den Fuchsturm in Jena

Geboren wurde Alexander von Humboldt am 14. September 1769 in Berlin als Sohn eines preußischen Offiziers. Nach der umfassenden Ausbildung durch einen Hauslehrer studierte der junge Mann ab 1787 gemeinsam mit seinem zwei Jahre älteren Bruder Wilhelm in Frankfurt an der Oder Staatswirtschaftslehre, die damals noch Kameralwissenschaft hieß. Offenbar unterforderte ihn aber die Uni, sodass er Frankfurt nach einem Semester wieder verließ, in seine Geburtsstadt zurückkehrte und sein Studium erst 1789 in Göttingen fortsetzte. Hier interessierten ihn vor allem geologische Forschungsfragen. Ab 1791 studierte er an der Bergakademie in Freiberg und wurde ein Jahr später als Assessor in der preußischen Bergverwaltung in den Staatsdienst übernommen. Im Sommer 1792 besuche Humboldt auch erstmals Jena und betrieb seine Forschung unter anderem an den „Teufelslöchern“. Das auf dem Denkmal wiedergegebene Zitat aus einem Brief Humboldts vom 6. Juli erinnert an die Begegnung mit dem Ort: „Ich habe besonders hier um Jena manches schöne gesehen, was mich sehr interessiert ... Die Teufelslöcher im blättrigen Gyps habe ich besehen, auch Bittersalz gesammelt.“ Es sollte nicht sein letzter Besuch in der Saalestadt sein, 1794/95 folgten weitere Visiten. Gemeinsam mit seinem Bruder Wilhelm war bald der Kontakt und die Freundschaft zu Goethe und Schiller hergestellt. Besonders mit ersterem stand der Berliner in engem Austausch und führte gelegentlich zusammen mit ihm Experimente durch. Bald stieg Humboldt zum Oberbergrat auf, der sich bis 1797 vornehmlich um die Verwaltung der Bergwerke in den fränkischen Landesteilen kümmerte. Im selben Jahr weilte der Wissenschaftler für längere Zeit in Jena. Er wohnte damals im Haus „Unterm Markt 4“ und besuchte auch die Anatomievorlesungen von Justus Loder. In dieser Zeit betrieb Humboldt weiter seine Forschungen und naturwissenschaftliche Experimente, etwa als er die Höhe des Fuchsturmes vermaß. Durch Goethe wurde schließlich auch die Bekanntschaft zum Sachsen-Weimarischen Herzog Carl August hergestellt. Anschließend brach Alexander von Humboldt zu einer großen Forschungsreise auf, die ihn zwischen 1799 und 1804 nach Süd- und Mittelamerika führte. Nach seiner Rückkehr arbeitete Humboldt im Wechsel zwischen Paris und Berlin und kehrte 1827 endgültig in die preußische Hauptstadt zurück, wo er zwei Jahre später zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt wurde. Bis 1834 hatte er den Großteil seiner Amerikareise in 30 Bänden aufgearbeitet und niedergeschrieben und schon die nächsten Expeditionen in Planung. 1836 weilte er nochmals in Jena, als die XIV. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte an der Saale tagte. Bei dieser Gelegenheit gehörte Humboldt zu einer Delegation, die die Großherzogin Maria Pawlowna auf Schloss Belvedere besuchte. Die letzten Lebensjahre Humboldts bestanden vor allem darin, als Staatsdiener und Wissenschaftler tätig zu sein. Im Zentrum stand jedoch sein Lebenswerk, mit dessen Abfassung der Berliner seit 1834 unter dem Titel „Kosmos“ begonnen hatte. Über den Tod hinaus erschienen bis 1862 fünf umfassende Bände. Alexander von Humboldt starb am 6. Mai 1859 mit 89 Jahren in Berlin nach einem langen und arbeitsreichen Leben. Vier Tage später fand im Berliner Dom die Gedächtnisfeier statt, anschließend wurde Humboldt im Familiengrab im Park von Schloss Tegel bestattet. Noch heute zählt er zu den bedeutendsten Wissenschaftlern weltweit. Vielleicht wandeln Sie demnächst ja auch einmal auf seinen Spuren, bei einem Besuch der „Teufelslöcher“. Das Areal bietet neben den geologischen Besonderheiten weitere spannende Entdeckungsmöglichkeiten. Weit über 80, teils seltene Pflanzenarten sind hier beheimatet, dazu besonders geschützte Fledermausarten und zahlreiche wirbel- und wirbellose Tierarten, die nur in Höhlen leben. Daher steht der Ort zu Recht seit 1963 unter Naturschutz. Das Humboldt Denkmal wurde übrigens 1989 hier errichtet, wohl in Andenken an den 220. Geburtstag und den 130. Todestag des Wissenschaftlers.

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