Der alte Jenaer Eichplatz – Einst malerische Hinterhöfe mit Galerien

Jena.  50 Jahre Abschied vom alten Eichplatz (29): Wolfgang Eckardt erinnert sich an das Leben in der Kollegiengasse.

Wolfgang Eckardt zeigt eines seiner Fotos von der Kollegiengasse, die 1969 den Sprengkommandos zum Opfer fiel.

Wolfgang Eckardt zeigt eines seiner Fotos von der Kollegiengasse, die 1969 den Sprengkommandos zum Opfer fiel.

Foto: Michael Groß

Als im Jahr 1969 das Stadtviertel rund um den alten Eichplatz und restliche Teile davon 1970, wie etwa das Timlersche Haus, weggesprengt wurden, da fiel auch die Kollegiengasse in Schutt und Asche. Zumindest die Nordseite, wo sich heute einer der Eingänge zur Neuen Mitte befindet. Die südliche Seite mit dem Collegium Jenense sollte ursprünglich ebenfalls den Sprengkommandos zum Opfer fallen. Dass dies nicht geschah, verdankte man wohl vor allem den heftigen Interventionen des damaligen Universitäts-Kustos Günter Steiger.

Doch bleiben wir bei der abgerissenen Nordseite. Auch hier waren einst einige Geschäfte beheimatet, ebenso Wohnungen und enge Hinterhöfe. Einer, der das gut kennt, weil er hier gewohnt hat, ist Wolfgang Eckardt. „Ich habe von 1957 bis 1963 mit meiner Frau in der Kollegiengasse 19 im Hinterhaus eine Wohnung gehabt, da meine damaligen Schwiegereltern im Vorderhaus wohnten, wo sie noch bis Ende der 1960er Jahre einen Friseursalon betrieben", erzählt der 82-Jährige.

Geheimnisvolle Tonnengewölbe undHinterhöfe bleiben in Erinnerung

Im Umfeld dieses Salons befanden sich ein Fischladen, der im Volksmund immer Fisch-Müller hieß, eine Polsterei, die Elektrowerkstatt Mächler, ein Taxi-Geschäft und in den letzten Jahren eine Bettfedern-Reinigung. Gern denkt Eckardt auch zurück an den nahen Milchladen und das Süßigkeitengeschäft um die Ecke in der Rinne. Ebenso an Optiker Röher und Schreibwaren-Kästner.

„Die Wohnbedingungen damals waren natürlich nicht mit den heutigen vergleichbar. Aber es hatte auch Vorteile. Zum Beispiel konnten wir aus unserer Wohnung den gesamten Zentralen Platz überblicken. Da sahen wir den meistens voll geparkten Platz mit der Möbel-Baracke, das Rathaus und auch den Berg mit der Wilhelmshöhe“, so der rüstige Senior, der die Eichplatz-Serie in unserer Zeitung bisher mit großem Interesse verfolgt hat. Wer nicht weiß, was der Zentrale Platz war: das gesamte Areal zwischen Johanisstraße, Rathaus und Holzmarkt, was heute ja zum Teil wieder bebaut ist.

In Erinnerung bleiben für Eckardt aber auch die geheimnisvollen Tonnengewölbe, die älter waren als die Häuser darüber, und besonders die Hinterhöfe. „Da gab es interessante Galerien, die einstmals prächtig gewesen sein müssen, die leider schon zu jener Zeit zum großen Teil verfallen waren.“ Diese Gänge aus Holz seien in einem schlimmen Zustand gewesen, weil sich niemand um ihren Erhalt gekümmert habe. Von staatlicher Seite habe offenbar kein Interesse an den Renovierungen der Altbausubstanz bestanden. Es sei ja auch schwierig gewesen für private Eigentümer, für aufwendige Sanierungen das Geld und vor allem Material zu bekommen.

Ja, und dann sollte alles weg, erinnert sich der langjährig als Lehrer für Physik und Informatik tätige Eckardt. „Die herrlichen Bürgerhäuser in der Leutrastraße, die die Bomben im Krieg überstanden hatten, und freilich sanierungsbedürftig waren, sollten den sozialistischen Bauplänen weichen. Das haben viele nicht verstanden.“ Doch bevor der Abriss begann, machte sich der zu jener Zeit schon im Nordviertel wohnende Eckardt mit Kamera und Orwo-Farbfilmen auf den Weg und lichtete vieles ab. Zahlreiche Bilder und auch Acht-Millimeter-Schmalfilme bewahrt er noch heute davon auf.

Nun ist er als ehemaliger Bewohner des Eichplatzviertels natürlich mächtig gespannt auf die Wiederbebauung.