Der berühmteste Jenaer Lift streikt wieder mal: So reagiert der Vermieter

Jena.  Seit über einem Monat funktioniert der Lift des Elfgeschossers in der Zimmermann-Straße 1 nicht. Der Vermieter weiß um das Problem.

Ruth Kochan und Margot Krieg gehören zu den Mietern des vom defekten Fahrstuhl betroffenen Aufgangs Zimmermann-Straße 1. Nun erhielten sie Besuch vom Ortsteilbürgermeister Volker Blumentritt. 

Ruth Kochan und Margot Krieg gehören zu den Mietern des vom defekten Fahrstuhl betroffenen Aufgangs Zimmermann-Straße 1. Nun erhielten sie Besuch vom Ortsteilbürgermeister Volker Blumentritt. 

Foto: Michael Groß

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Vor sieben Jahren erlangte dieser Fahrstuhl in der Richard-Zimmermann-Straße 1 schon einmal traurige Berühmtheit. Er ging durch alle Zeitungen. Sogar in der „Welt am Sonntag“ wurde von ihm berichtet. Denn er war von November 2012 bis Februar 2013 außer Betrieb. Das war eine dramatische Zeit, vor allem für mehrere ältere Menschen, die in den oberen Etagen wohnen. Ja und nun streikt der Fahrstuhl wieder, und zwar schon seit fast fünf Wochen. Nur hoffen die Mieter diesmal, dass sie nicht wieder über den gesamten Winter auf die Reparatur warten müssen.

„An jenem 26. Oktober, es war Samstagabend, bin ich noch um 21 Uhr mit dem Lift bis hoch gefahren“, erzählt Margot Krieg. Die 78-jährige wollte am Morgen darauf – es war der Tag der Thüringer Landtagswahl – zum Wahllokal gehen. Da bewegte sich der Lift schon nicht mehr. Frau Krieg ging dennoch wählen, auch wenn dies elf Etagen runter- und hochzulaufen bedeutet. Diese anstrengende Tour hat sie nun schon oft bewältigen müssen. Andere Bewohner des Aufgangs können das überhaupt nicht. So etwa die 94-jährige Ruth Kochan, die in der 6. Etage wohnt und dort regelrecht gefangen ist. Schließlich nützt ihr der Rollator nichts, wenn sie die vielen Treppen bewältigen will. Sie ist zwar weitgehend durch Verwandte versorgt, hat aber dafür eine andere Sorge. Sie hat nämlich für den 22. Dezember eine Reise nach Bad Salzschlirf gebucht und ist nun ganz aufgeregt, was sie machen soll. Soll sie absagen? Ihr gestriger Besucher, der Neulobedaer Ortsteilbürgermeister Volker Blumentritt, konnte sie beruhigen: Er rief beim Reiseveranstalter an und sicherte zu, dass Frau Kochan auf jeden Fall verreisen kann. Man werde dann eben Helfer für den Transport organisieren.

Allerdings erwartet der Ortsteilbürgermeister vom Vermieter, dem Wohnungsunternehmen Vonovia mit Sitz im nordrhein-westfälischen Bochum, dass der Lift in dem 1972 gebauten Wohnblock bis dahin längst repariert ist. Immerhin befinden sich in diesem Aufgang 44 Wohnungen. Er habe auch den Jenaer Sozialdezernenten Eberhard Hertzsch verständigt von dem Zustand, der wiederum seine Sozialamts-Mitarbeiter informiert habe. Eine Reaktion von dort habe es jedoch bislang leider nicht gegeben. Blumentritt bedauert, dass dieser Block schon mehrfach den Besitzer gewechselt habe. Nur dürfe das nicht zu Lasten der Mieter gehen.

Es fehlt Ersatzteil für Steuerung

Bei Vonovia weiß man um das Problem. Wie bei Pressesprecher Matthias Wulff auf Nachfrage unserer Redaktion zu erfahren war, soll die Reparatur in den nächsten Tagen erfolgen. Es hänge alles an einem kleinen Ersatzteil, das für die Steuerung der Liftanlage notwendig wäre. Dies sei ein Teil, das wahrscheinlich aus Belgien komme. Man habe schon mächtig Druck gemacht deswegen.

Im Übrigen sei Vonovia nicht tatenlos geblieben, betont Wulff. Man habe an alle betroffenen Mieter Briefe geschrieben, in denen auch Mietminderung für die Zeit ohne Fahrstuhl in Aussicht gestellt worden sei. Auch sei durch Vonovia ein Tragedienst eingerichtet worden, der auf Bitten der Mieter schwere Dinge in die Wohnungen hoch trage oder auch Einkäufe erledige.

Diesen nützlichen Service bestätigt auch Margot Krieg. Der im Eingangsflur sitzende Mann sei eine gute Hilfe. Nur musste sie auch die Erfahrung machen, dass der Tragedienst nicht immer zur angekündigten Zeit von 8 bis 16 Uhr erreichbar sei. Gestern habe sie nach langem Warten schließlich ihr Paket selbst hochgeschafft. Sie erzählt auch davon, dass eine Nachbarin in der 10. Etage eine Waschmaschine gekauft habe, weil sie die dringend benötige. Doch die Lieferung konnte auf Grund des defekten Lifts bisher nicht erfolgen. Nun hat Frau Krieg erst einmal hilfsbereit das Wäschewaschen für die Nachbarin übernommen.

Einen heißen Tipp für Vonovia hat der Ortsteilbürgermeister aber auch noch: „Ich verstehe eigentlich nicht, dass es so ein Problem ist, diesen Lift zu reparieren. Es gibt doch in Jena eine Niederlassung von Thyssen, die Aufzüge wartet.“ Da hätte sich doch Vonovia direkt hinwenden können. Dann hätte man das Problem, sozusagen gleich vor Ort lösen können.

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