Der Landfilm ist wieder da

Die beiden Filmvorführer Frank Müller und Peter Müller reisen mit moderner und traditioneller Vorführtechnik von Dorf zu Dorf Diese Woche drehte sich die Filmmaschine im Rentamt in Frauenprießnitz.

Filmvorführer Peter Müller baut gern seine Tonkinokofferanlage auf. Zu DDR-Zeiten reiste er damit über die Dörfer und zeigte Filme. Foto: Annett Eger

Filmvorführer Peter Müller baut gern seine Tonkinokofferanlage auf. Zu DDR-Zeiten reiste er damit über die Dörfer und zeigte Filme. Foto: Annett Eger

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Da fühlte sich nicht nur der langjährige Bürgermeister Manfred Tschäpe an alte DDR-Zeiten erinnert. Damals nämlich flimmert in Frauenprießnitz wie in anderen Dörfern auch regelmäßig ein Landfilm über die Leinwand.

Diese Tradition lassen nun Frank Müller und Peter Müller wieder aufleben. Diese Woche waren beide im Rentamt der Gemeinde zu Gast. Im Gepäck hatten sie für jedes Alter und für jeden Geschmack etwas. Mit "Nu pogodi!", der sowjetischen Trickfilmreihe, die auch als "Hase und Wolf" bekannt ist, hatten die Jüngsten ihre helle Freude. In der "Rumpelkammer" ließen am Nachmittag die Senioren filmische Erinnerungen wieder wach werden. Mit der Komödie "Die unglaubwürdigen Abenteuer der Italiener in Russland" gab es am Abend für erwachsene Leute etwas zum Schmunzeln. "Ich suche immer Filme aus, die es nicht auf Video oder DVD gibt und die lange Zeit nicht im Fernsehen gelaufen sind", berichtet der 48-jährige Frank Müller.

Der gelernte Koch machte sich mit seiner Idee, wieder das Kino in die Dörfer zu bringen, vor eineinhalb Jahren selbstständig. Unter dem Namen "Filmmüller Mobiles Kino für Jung und Alt" fährt der Apoldaer mit seinem Auto in ganz Thüringen herum und baut in Schulen, Seniorenheimen und Klubräumen seine Leinwand auf. Ganz unbeleckt ist Müller in Sachen Kino nicht. Viele Jahre hat er im ehemaligen Thüringer Filmbüro in Kromsdorf gearbeitet.

In Frauenprießnitz war Frank Müller nicht allein. An seiner Seite sein Kompagnon Peter Müller. Während Frank Müller die Filme mit Beamer im DVD-Format zeigt, kann sein Namensvetter auf eine mobile Tonkinokofferanlage 35 Millimeter aus den 60er Jahren zurückgreifen.

Peter Müller ist ein traditioneller Filmvorführer. Von 1959 bis 1990 reiste der gelernte Facharbeiter für Filmwiedergabe und Technik mit dieser Anlage von Dorf zu Dorf. "Ich hatte eine feste Tour und habe die Arbeit sehr gern gemacht", berichtet der heute 69-Jährige.

Als der Landfilm nach der Wende eingestellt wurde, übernahm er die Anlage, die, wie er sagt, sonst sicher verschrottet worden wäre. Diese Technik erlaubt beiden, auch ganz aktuelle Filme zu zeigen, die es noch nicht auf DVD gibt.

Die Motivation ist bei beiden die gleiche: Strahlende Kinderaugen und etwas Freude bei den Erwachsenen bezeichnen sie als schönsten Lohn. Wie Frank Müller weiß, sind viele Orte, vor allem im ländlichen Raum, kulturell unterversorgt. "Kleinstädte haben kein Kino. Die Leute müssen, um einen aktuellen Film zu sehen, bis Jena oder Weimar fahren, was sich viele nicht leisten können", sagt er.

Im Apoldaer Schloss und in Jena Lobeda im Stadtteilbüro hat Frank Müller zwei feste Spielorte etabliert. In Jena wird am 26. und 27. Oktober unter der Rubrik "Drehorte Thüringen" der DEFA-Film "Wengler & Söhne – Eine Legende" aus dem Jahr 1986 gezeigt. Mit dabei ist Regisseur Rainer Simon, kündigt Frank Müller an.

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