DFB erhöht Druck auf Drittligisten: Stadt Jena bleibt trotzdem konsequent

Jena.  Der Chef des Jenaer Krisenstab kritisiert DFB für „Brechstangen-Mentalität“. Unterdessen kommt ein Vorschlag aus Magdeburg, von dem auch der FC Carl Zeiss Jena profitiert.

Geht es nach dem Deutschen Fußball-Bund, steigen alle Mannschaften der dritten Liga zwischen dem 13. und 15. Mai ins Mannschaftstraining ein. Zuvor sollen im Abstand von zwei Tagen zwei Coronatests stattfinden. Der FC Carl Zeiss Jena hält diesen Zeitplan für zu ambitioniert. Schließlich liegt keine Genehmigung für Mannschaftstraining vor, die auch noch nicht in Sicht ist.

DFB-Vizepräsident löst mit Aussagen Empörung aus

Am Wochenende hatte der DFB-Vizepräsident Erwin Bugar mit einem Interview im MDR eine Welle der Empörung ausgelöst. Die dritte Fußball-Liga werde auf jeden Fall spielen, stellte er die Politik vor vollendete Tatsachen. Im Videochat erklärte er am Freitagabend: „Der DFB hat heute die Tagung des Spielausschusses gehabt. Die Information ist so, dass die dritte Liga auf jeden Fall spielen wird und dass man das Sicherheits- und Hygienekonzept der ersten und zweiten Bundesliga übernimmt. Ob das nun 1:1 übertragbar ist, ist erst einmal dahingestellt“, sagt der Funktionär im Rentenalter. Im veröffentlichten Gesprächsausschnitt fällt kein Wort davon, dass die Entscheidung darüber bei den Behörden liegt.

Stattdessen droht Bugar mit rechtlichen Konsequenzen für Vereine. Damit stellt er sich gegen die Verfügungslage. Im Beschluss der Bund-Länder-Kommission steht eindeutig, dass die Regelungen nur für die erste und zweite Bundesliga gelten. Der DFB verweist darauf, dass das Hygienekonzept mit der DFL erstellt sei und deshalb auch für die dritte Liga gelten werde.

Die Vereine, die sich für einen Abbruch des Spieljahres ausgesprochen haben, sehen das anders. Ihre Argumentation: Wesentliche Teile des Konzeptes seien kurzfristig nicht erfüllbar, damit wäre das Konzept derzeit nicht umsetzbar. Der FC Carl Zeiss Jena verweist auf Schwierigkeiten, einen hauptamtlichen Arzt als Hygienebeauftragten zu finden, die zu kleinen Katakomben im Ernst-Abbe-Sportfeld und hohe Aufwände für Auswärtsreisen unter den Hygieneregeln.

Klare Worte von Jenaer Krisenstab-Leiter in Richtung DFB

Der DFB hingegen plant, dass die Teams am 26. Mai das erste von elf ausstehenden Spielen absolvieren – obwohl die Verfügungslage in Jena Mannschaftstraining verbietet. Maximal zwei Personen dürfen dort gemeinsam Sport treiben. Der Leiter des Pandemiestabes, Benjamin Koppe (CDU), hatte diese Woche Ausnahmeregelungen abgelehnt. Dabei bleibe es, sagt er am Sonntag. „Aus meiner Sicht haben die Aussagen des Verbandes gegenüber den Vereinen einen erpresserischen Anstrich, zumal diese an behördliche Anordnungen gebunden sind. Der DFB rennt dem Gedanken hinterher, mit der Brechstange schlauer zu sein als die Epidemie.“ Eines stört Koppe in der Debatte: „Warum hat niemand die Spieler gefragt, wie sie darüber denken?“

Spiele auf neutralem Boden notwendig?

Thüringens Sportminister Helmut Holter (Linke) bekräftigt, dass Mannschaftssport in Thüringen verboten bleibt – womöglich bis 30. Juni. Der DFB hat schon den nächsten Plan in der Tasche. Laut einem Bericht des „Kicker“ prüft der Verband, Spiele auf neutralem Boden auszutragen – was aber die Trainingsproblematik nicht klärt.

Im Drittliga-Ausschuss hat Mario Kallnik, Manager des 1. FC Magdeburg, vorgeschlagen, sich in der nicht von den Vereinen verursachten Lage solidarisch zu verhalten, sagte er dem MDR. Die Idee: Keine Absteiger diese Saison, der Aufstieg aller fünf Regionalliga-Meister und die befristete Aufstockung der Liga auf bis zu 25 Teams. Zielgröße in der übernächsten Saison wären dann 22 Teams mit der Maßgabe, dass künftig alle Regionalligen einen direkten Aufstiegsplatz haben.

Wie der DFB in der 3. Liga vollendete Tatsachen schaffen will