Die Orchideenregion Jena soll weiterblühen

Jena.  Das Naturschutzgroßprojekt Orchideenregion Jena ist 25 Jahre alt. Der Nabu würdigt das Jubiläum mit einer Vortragswoche.

Das Leutratal mag Autofahrern wegen des Jagdbergtunnels (im Blick das Ostportal) ein Begriff sein – bedeutsam ist es aber vor allem als Kern-Areal der Orchideenregion Jena.

Das Leutratal mag Autofahrern wegen des Jagdbergtunnels (im Blick das Ostportal) ein Begriff sein – bedeutsam ist es aber vor allem als Kern-Areal der Orchideenregion Jena.

Foto: Archivfoto: Tino Zippel

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Das Naturschutzgroßprojekt „Orchideenregion Jena“ darf getrost als eine der großen Erfolgsgeschichten gelten, die in der Stadt und im Umland nach der Friedlichen Revolution geschrieben wurden. Vor 25 Jahren nahm diese Geschichte ihren Anfang; drum widmet ihr der Nabu-Kreisverband seine 27. Naturschutzwoche mit Vortragsveranstaltungen zwischen dem 27. und 31. Januar.

Und diese Geschichte wird fortgeschrieben, zumal der Zweckverband als organisatorische Klammer des Großprojekts gesichert scheint. Eine Auflösung des Verbandes „steht im Moment nicht in Rede“, sagte Verbandsgeschäftsleiter Egbert Friedrich am Montag. Verwaltung und Pflege der acht Kerngebiete mit insgesamt 4482 Hektar Fläche stehen weiter als Riesenaufgabe.

Und Neues gelte es in Angriff zu nehmen, wie Nabu-Vorstandsmitglied Dietrich von Knorre beispielhaft erläuterte: Es bedürfe etwa des Monitorings – der wissenschaftlichen Überwachung, wie sich bestimmte Arten- und Organismen-Gruppen verändern. Dieser Anspruch sei einst im Pflege- und Entwicklungsplan zum Großprojekt mit angelegt gewesen, sagte Dietrich von Knorre.

Auf Nachfragen bei den Experten bekomme man heute aber zu hören, es lägen nicht genug Daten vor. – Auch dies, freilich, sei eine Geldfrage. „Deshalb müssen wir anfangen, Druck von unten zu machen.“ Dietrich von Knorre erläuterte dazu, dass zum Beispiel der kaum mehr vorhandene Schnee die Wasserverhältnisse total verändert habe auf den Trockenhängen, die wiederum typischerweise Orchideen beherbergen.

„Das war ein Flickenteppich“

Egbert Friedrich und Dietrich von Knorre würdigten den damaligen Umweltamtsmitarbeiter Klaus Krahn als Ideengeber für das Großprojekt. Letzthin wurde der Zweckverband als Projektträger gegründet, dem die Stadt Jena und der Saale-Holzland-Kreis ebenso angehören wie die Stiftung Lebensraum e.V. als Bindeglied etwa für den Landesjägerverband, den Verband der Jagdgenossenschaften und für den Bauernverband. Schließlich seien damals „Kleinststrukturen des Besitzes um Jena“ zu registrieren gewesen. „Das war ein Flickenteppich, als wir anfingen“, wie Egbert Friedrich formulierte, der heute seine Leitungsaufgabe mit einer 0,6-Personalstelle zu erfüllen hat.

Unter einer damaligen Bundesumweltministerin Angela Merkel war die Förderung des Großprojekts 1996 gestartet worden: 20 Millionen D-Mark vor allem für den Flächenkauf, aber auch für Biotoppflege und die Pflege- und Entwicklungsplanung innerhalb von elfeinhalb Jahren.

Sehr wohl habe es Stimmen gegeben, die damals mutmaßten, „dass wir ganz Jena in einem Naturschutzraum einhausen wollen“, sagte Dietrich von Knorre. Tatsächlich wurden insgesamt 1100 Hektar aus Privathand angekauft und war das Ziel von 100 Hektar Totalreservat gesteckt worden.

Stichwort Flickenteppich: Nach Egbert Friedrichs Beschreibung waren die zu erwerbenden Flächen im Durchschnitt weniger als einen halben Hektar groß. Bis Ende der Projektförderung im Jahre 2008 konnten dennoch 335 Hektar wertvoller Biotopfläche wiederhergestellt und gepflegt werden. Auch diese Flächen nach Ablauf der Förderung zu erhalten, habe sich der Zweckverband verpflichtet, berichtete Egbert Friedrich. Und: Bis 2008 waren 90 Prozent der acht Kerngebiete als Naturschutzgebiete ausgewiesen, indessen es 1996 nur zwölf Prozent waren.

100 Prozent Kulturlandschaft

Und heute? Dem Zweckverband obliegt die Verwaltung der Flächen, derweil die Pflege der Offenlandbiotope ausgelagert und der Unteren Naturschutzbehörde als Aufgabe angetragen worden ist. Hier kümmere sich der Verband aber um Co-Finanzierung und Fördermittel-Akquise.

Da wiederum das Gros der Projektfläche aus Wald besteht und zwei Drittel im Stadtgebiet sowie ein Drittel im Saale-Holzland-Kreis liegen, bestehen Pflege- und Bewirtschaftungsverträge mit dem Stadtforst und dem Forstamt Jena-Holzland, erläuterte Egbert Friedrich. Nicht vergessen werden dürften die Naturschutzverbände wie der Nabu, die ehrenamtlich die Biotope betreuen, sagte Dietrich von Knorre.

Gern wird doch aber mit der Sukzession, dem „freien Lauf der Natur“, gegen Projekte wie die „Orchideenregion“ opponiert. Was sagen Nabu und Zweckverband dazu? „Wir haben eine Grundsatzentscheidung, mit der wir gegen die Sukzession anarbeiten“, antwortete Egbert Friedrich.

Das heiße, die Kulturlandschaft zu erhalten, permanent einzugreifen und selbst zu pflegen. Und bitte: „Wir haben 98 Prozent Kulturlandschaft.“ Dietrich von Knorre korrigierte: „Nein, 100 Prozent.“


27. Naturschutzwoche des Nabu Jena vom 27. bis 31. Januar im Hörsaal 4, Campus der Universität:
Montag, 27. Januar, 19.30 Uhr: „25 Jahre Naturschutzgroßprojekt Orchideenregion“ – Ralf Forst vom Bundesamt für Naturschutz; Dienstag, 19.30 Uhr: „Bewirtschaftung & Pflege der Wälder im Großprojekt“ mit Stadtförster Olaf Schubert; Mittwoch, 19.30 Uhr: „Insekten um Jena“ mit Professor Günther Köhler; Donnerstag, 19.30 Uhr: „Bewirtschaftung und Pflege des Offenlandes“ mit Frank Hünefeld und Peter Rode; Freitag, 19.30 Uhr: „Die faszinierende Tierwelt Europas“ mit Ralf Weise

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.