Diese Schulsanierung in Lobeda ist Herzenssache

Jena.  TSA hat ihre Lobedaer Bildungsstätte der Sozialberufe für 5 Millionen Euro aufgemöbelt

Lecker mit Käse überbacken: die künftigen Sozialassistentinnen Selina Cybik (links) und Lela Gradl in der Lehrküche der Freien berufsbildenden Schule.

Lecker mit Käse überbacken: die künftigen Sozialassistentinnen Selina Cybik (links) und Lela Gradl in der Lehrküche der Freien berufsbildenden Schule.

Foto: Thomas Stridde

Was geht schon schmerzfrei? Das hatte Sozialdezernent Eberhard Hertzsch am Donnerstag gerade in seinem Grußwort zur Feierstunde nach dem Umbau-Finale in der Lobedaer Freien berufsbildenden Schule gefragt, als aus dem Flur nebenan ein andauerndes Bohrgeräusch an die Ohren der Gäste drang. Klang wie Zahnarzt, war aber eher der Handwerker-Schlussakkord eines großen Werks: 5 Millionen Euro hat die Thüringer Sozialakademie Bildung und Soziales gGmbH (TSA) als Trägerin innerhalb der vergangenen 14 Monate in Sanierung und Umbau des 50 Jahre alten Schulgebäudes in der Emil-Wölk-Straße investiert. – Und dies ohne Fördermittel, sagte TSA-Geschäftsführer Stephan Riese. So sind Fenster, Türen, Decken, Böden und Beleuchtung erneuert worden, ebenso Fassade, Keller, Brandschutzflure und Dämmung. Bei fortgeführtem Betrieb hätten Schüler- und Lehrerschaft das alles – was geht schon schmerzfrei? – hautnah miterlebt, sagte Riese. Nutznießer ist auch die kommunale Werkstattschule, die derzeit mit sechs Klassen zwölf Räume der früheren Emil-Wölk- und späteren Rodatalschule zwischennutzt, ehe sie zum Schuljahr 2024/2025 in die Karl-Marx-Allee umzieht. Weitere zehn Räume sind verfügbar für die 100 jungen Leute, die bei der TSA eine Erzieher- oder Sozialassistenten-Ausbildung durchlaufen.

Praktikum im Hort des Hauses

Stephan Riese erinnerte daran, dass die TSA im Jahr 2012 die „wegweisende Entscheidung“ zur zusätzlichen Ausbildung pädagogischer Fachkräfte getroffen habe, nachdem bis dahin eigene Kindergärten und das Hotel am Stadion zu den Geschäftsfeldern gehörten. „Wir wussten, dass es da einen Fachkräfte-Engpass geben wird.“ Umso stolzer sei man, dass die Ausbildungsgänge mittlerweile als „staatlich anerkannt“ gelten. Kein Wunder, schließlich werde im Haus „ein tolles Konzept mit tollen Lehrkräften“ verfolgt, sagte Riese. Insofern sei die Sanierung für die TSA eine „Herzensangelegenheit“. Schulleiterin Caroline Taubert berichtete, dass in naher Zukunft zusätzlich Ausbildungsgänge für Fachleute der Kinderpflege (samt Realschulabschluss) und der Pflege angeboten werden. Sehr schön sei, dass die künftigen Erzieherinnen und Erzieher dank der räumlichen Nähe ihre Praktika im Hortbetrieb der Werkstattschule absolvieren können.

Gegen den Fachkräfte-Engpass

Eberhard Hertzsch ist, wie er sagte, der TSA mehrfach dankbar, nicht nur wegen der „sehr guten Interimslösung“ für die Werkstattschule, sondern ebenso wegen der Erzieher-Ausbildung. Auch in Jena würden in den nächsten Jahren viele Fachkräfte „geschlossen in den Ruhestand“ gehen, und Nachwuchs zu finden, sei ein großes Problem. Hier zeichne sich – „das ist der zukünftige Weg“ – die landesfinanzierte Ausbildung als Lösung ab, die den Lernenden wie in anderen Berufen üblich endlich ein angemessenes Lehr-Entgelt beschert. Hoffen könne man auch auf das von Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) unterstützte Modell des Quereinstiegs in den Erzieherberuf. Hertzsch in Richtung TSA: „Wir freuen uns, dass wir Partner in Jena haben, mit denen wir das besprechen können.“

Die Geschichte des Schulgebäudes zeichnete Ortsteilbürgermeister Volker Blumentritt nach, der auch an die Nutzung des Gebäudes als Flüchtlingsunterkunft erinnerte. Großer Dank gelte der TSA dafür, dass sie der neuen Werkstattschule Unterkunft gewährt. Schließlich sei sie in der Jenaer Bildungslandschaft „ein Stück weit Ersatz für die weggefallenen Regelschulen“.