Dreikampf ums Präsidentenamt beim FC Carl Zeiss Jena

Jena.  Der neu gewählte Aufsichtsrat bestimmt den neuen Präsidenten. Mehrere Bewerber bringen sich in Stellung.

Zustimmung zum Kurs des FC Carl Zeiss Jena: Die Mitglieder entlasten mit großer Mehrheit die Gremien.

Zustimmung zum Kurs des FC Carl Zeiss Jena: Die Mitglieder entlasten mit großer Mehrheit die Gremien.

Foto: Tino Zippel

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Die Mitglieder des FC Carl Zeiss Jena haben alle angetretenen Aufsichtsräte gewählt. Das Gremium will sich nach Angaben des bisherigen Aufsichtsratschefs Mario Voigt am Ende der Woche konstituieren. Offen ist die Frage, wer Präsident wird. Drei Namen machen die Runde.

Der neue Aufsichtsrat bestimmt den Präsidenten, der sein Präsidium zusammenstellt. Zum einen wirft Amtsinhaber Klaus Berka seinen Hut in den Ring. „Der Aufsichtsrat entscheidet“, sagt der Gründer von Analytik Jena. Ambitionen werden seinem bisherigen Stellvertreter, dem Rechtsanwalt Sidney Balan, nachgesagt. Gegenüber unserer Zeitung dementierte er am Montag ein Interesse am Präsidentenamt. Zu den 370 Teilnehmern an der Jahreshauptversammlung zählte auch der frühere Jenaer Finanzdezernent Frank Jauch, der inzwischen in Ruhestand gegangen ist. Er gehörte dem Wahlausschuss an, der die Kandidaten für die Aufsichtsratswahl nominiert hat. Er soll nicht abgeneigt sein.

FC Carl Zeiss Jena e.V. hat inzwischen Millionenetat

Die Mitglieder hatten bei der Sitzung am Samstag mit großer Mehrheit sowohl das alte Präsidium als auch den Aufsichtsrat entlastet. Berka zog eine positive Bilanz seiner Amtszeit. Der Aufstieg der ersten Mannschaft sei gelungen. Der Verein habe inzwischen ein Budget von 1,1 Millionen Euro. Er profitiert dabei auch von Geldern, die der DFB für die Einsatzminuten junger Spieler in der dritten Liga ausschüttet. Wichtig für die weitere Entwicklung des FCC sei die Entscheidung des Stadtrates fürs Stadionprojekt. Als Ziele für die Zukunft nannte er, die Qualität im Nachwuchsleistungszentrum weiter zu erhöhen, zwei Mädchenteams in den Nachwuchsbereich zu integrieren und auch die Aktivitäten im E-Sport auszubauen.

Spielbetriebsgesellschaft dank Duchatelet im Plus

Laut Geschäftsführer Chris Förster schloss die Spielbetriebsgesellschaft die vorige Saison (Gesamtetat 7 Millionen Euro) mit einem Überschuss von 111.000 Euro ab. Möglich wurde dies durch einen Forderungsverzicht des Investors Roland Duchatelet (1,5 Millionen Euro). Förster benannte das strukturelle Defizit pro Spieljahr mit 1 bis 1,5 Millionen Euro: „Dabei schmeißen wir nicht sinnlos mit dem Geld herum wie in Nordthüringen. Wir haben unsere Ausgaben unter Kontrolle, haben an vielen Stellen den Euro umgedreht.“ Der Spieleretat liege im unteren Drittel der Liga.

Trotz Steigerung des Sponsorings auf 2 Millionen Euro liege der Klub deutlich unter dem Ligaschnitt von 3,4 Millionen Euro. „Im Sponsoring fehlen leider die Leuchttürme aus Jena und Umgebung. Hier müssen wir besser werden, um sie zu gewinnen“, sagte Förster.

Ultragruppierung wünscht sich einen Kulturrat

Als „Konstellation am seidenen Faden“ bezeichnete Toni Schley von der „Horda Azzuro“ die Abhängigkeit von Duchatelet. Man dürfe nicht mit Polemik „50 Kilometer weiter westlich schauen“. Alle im Verein müssten dazu beitragen, die Erträge zu verbessern, sagte Schley. Er regte die Gründung eines Kulturrates an, damit die Vereinskultur auflebe. Die Mitglieder sprachen sich dafür aus, dass sich der FC Carl Zeiss gegen Montagsspiele einsetzt.

Unterdessen hat die erste Mannschaft einen Test gegen Regionalligist Lok Leipzig mit 2:1 (0:1) gewonnen. Die Führung der Sachsen von Stephane Mvibudulu (8.) egalisierte Daniele Gabriele (68.). Kilian Pagulica (81.) traf schließlich zum Siegtreffer bei der Generalprobe. Am kommenden Samstag setzt das Drittliga-Schlusslicht im Heimspiel gegen Münster die Saison fort.

Die neuen Gremien

  • Aufsichtsrat: Petra Rottschalk (Kulturamtsleiterin Rudolstadt), Andreas Buttler (Gesellschaft für Oberflächentechnik), Christian Otto Grötsch (Dotsource Jena), Ralf Hanemann (Bildungswerk BAU Hessen-Thüringen), Tobias Knuschke (Supporters Club), Michael Russ (Justiziar Landesentwicklungsgesellschaft), Rico Tietze (Veranstalter SMS-Festival), Stefan Treitl (FCC-Nachwuchsleistungszentrum), Mario Voigt (CDU-Landtagsabgeordneter)
  • Ehrenrat: Mathias Barz, Ulrich Göhr, Horst Schlensog und Heinz-Uwe Stelzer

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