Ein neues Hochhaus für Jena: Investor lädt zum Meckern ein

Thomas Beier
| Lesedauer: 3 Minuten
Dotsource-Chef Christian Otto Grötsch hatte den Bürgern Bauzeichnungen mitgebracht. Auch die Gebäude im Hintergrund sollen 2023 abgerissen werden.

Dotsource-Chef Christian Otto Grötsch hatte den Bürgern Bauzeichnungen mitgebracht. Auch die Gebäude im Hintergrund sollen 2023 abgerissen werden.

Foto: Thomas Beier

Jena.  Das Jenaer Unternehmen Dotsource plant einen neuen Firmensitz mit 65-Meter-Wohnturm. Beim Vororttermin überraschen Nachbarn mit ihrer Kritik.

An der alten Feuerwache bemüht sich das Digitalunternehmen Dotsource um maximale Transparenz. Noch bevor die breite Öffentlichkeit informiert wird, bekamen interessierte Nachbarn einen Exklusiv-Termin mit dem Ortsteilrat Jena-Zentrum. Vor Ort erzählten der Firmenchef und sein Architekt, was auf dem 10.000 Quadratmeter großen Areal passieren soll.

Dass gleich neben dem Damenviertel ein Bürokomplex mit einem 65 Meter hohen Wohnturm geplant ist, stieß in der Runde auf fast schon erstaunliches Wohlwollen. „Bitte geben Sie uns rechtzeitig Bescheid, wenn Sie etwas nicht gut finden“, sagte Christian Otto Grötsch, einer der beiden Geschäftsführer des mittelständischen Unternehmens, das 50 bis 100 Millionen investieren will.

Mitteilen können Bürger sich zum Beispiel über eine E-Mail-Adresse, die Grötsch eingerichtet hat. Grundsätzliche Dinge ließen sich jetzt noch leichter überdenken, als in einer späteren Phase. Ein öffentliches Bebauungsplanverfahren muss sowieso über die Bühne gehen.

Wann geht es los?

Dotsource hofft, ab Februar 2023 mit dem Abriss beginnen zu können. Der Bagger würde sich dann am Backsteingebäude der früheren Bauaktenarchives im Uhrzeigersinn durchbeißen. Ab Ende 2023 soll dann gebaut werden, damit Mitarbeiter ab Ende 2026 einziehen können.

Im Sockelkomplex entstehen Büros und Arbeitsplätze. Im Erdgeschoss sind Einzelhandel und Gastronomie als öffentliche Nutzungen vorgesehen. Gedacht ist an einen Supermarkt mit bis zu 800 Quadratmetern. Der Sockel entspricht etwa den Gebäudehöhen der umliegenden Häuser. Der Haupteingang öffnet sich zur Zwätzengasse.

Wie hoch wird der Wohnturm?

65 Meter Höhe soll der Turm bei einer vergleichsweisen schlanken Grundfläche von 500 Quadratmetern haben. Er erhebt sich mit etwa zehn Etagen auf dem fünfetagigen Sockel. Im Turm sollen etwa 50 Wohnungen insbesondere für Mitarbeiter entstehen. Seine Höhe entspricht knapp 50 Prozent des Jentowers.

Grundsätzlich ist es politisches Ziel in Jena, höher zu bauen. In der so genannten Hochhausstudie aus dem Jahre 2016 war von etwa 40 Metern am Standort der alten Feuerwache die Rede.

Für den Investor hängt von der Höhe auch die Wirtschaftlichkeit des Projektes ab. Und er sagt, dass er sich freut, wenn es in Jena als der ersten deutschen Stadt mit einem Hochhaus wieder höher hinaus geht.

Das kann doof werden

„Ich gebe zu, das wird doof“, sagte Grötsch zu den sich abzeichnenden Belästigungen durch Abriss- und Baulärm. Nach Gebäudefertigstellung werden Lärmverursacher auf die Seite zum Anger abgeschoben. Dabei geht es um Lieferverkehr oder die Zufahrt zur Tiefgarage, die sich zur Gerbergasse öffnet. Um die baurechtlich geforderten 200 Tiefgaragenstellplätze zu schaffen, braucht es zwei Etagen unter der Erde. Benötigen wird Dotsource so viele Stellplätze kaum.

Die vollflächige Unterkellerung des Gelände hat auch zur Folge, dass die beiden Kastanien an der Saalbahnhofstraße fallen müssen. Sie blühen gerade, und ihre Fällung war am Mittwoch ein eifrig diskutiertes Thema. Gut fanden das die Nachbarn nicht. „Ich würde mich da am liebsten auch selbst anketten“, sagte Grötsch.

Dafür bleiben in der Saalbahnhofstraße die Bäume auf städtischem Grund stehen und die große Stieleiche am Eck zur Polizei sowieso. Das Naturdenkmal heißt mittlerweile Dotsource-Eiche, denn Extra für den Baumerhalt wird die Nordost-Ecke des Gebäudesockels durch eine Wölbung nach innen ersetzt.

Mehr Infos und Kontaktmöglichkeiten gibt es unter https://www.dotsource.de/dotsource-campus/