Einen Tag als Komparse beim Kinofilm "Schilf" in Jena

Warten auf die Klappe - Ein Tag im Leben eines Jenaer Komparsen beim Kinofilm "Schilf, der 2011 an Uni-Schauplätzen gedreht wurde.

Lutz Granert als Komparse. Warten gehörte zu seinen Haupttätigkeiten.

Lutz Granert als Komparse. Warten gehörte zu seinen Haupttätigkeiten.

Foto: zgt

Jena. Es war 9.30 Uhr, als ich mich auf dem Holzweg befand. Nicht im übertragenen Sinne, sondern auf der gleichnamigen Straße vom Ziegenhainer Tal zum Wanderparkplatz Fuchsturm. Ein steiler Anstieg, der mich am Morgen des 12. Mai 2011 ins Schwitzen brachte.

Es war ein Tag eines ganzen Monats Dreharbeiten, die das Team von "Schilf" in Jena und Umgebung filmten – ich mittendrin. Im Botanischen Garten wurden Tage zuvor schon Aufnahme gemacht, in der kleinen Raucherkneipe "Quirinius" und, bei einem Film um zwei Physiker kaum verwunderlich, in verschiedenen Räumen und Hörsälen der Uni. Vier Mal war ich mit dabei – als Komparse.

Lange stieg ich hinauf, bis ich auf das Filmteam traf. Beleuchter, die metergroße, faltbare Lampenschirme im Wald platzierten, Fahrer und Co. schickten mich zur "Basis", den Wanderparkplatz. Meine Rolle war an diesem Tag die eines Polizisten der Spurensicherung und ich sollte ein Fahrrad vom Abhang auf die Straße hieven. Bernhard Conrad und Sandra Borgmann spielten Ermittler, die nach einem Fahrradunfall einen Tatort sichern und den ankommenden Verdächtigen misstrauisch begutachten. Ich tat meine Arbeit freilich im Hintergrund, unauffällig und stumm und bin für den Zuschauer im Kino kaum zu erkennen. Nur wenn ein Komparse Glück hat, darf er für wenige Sekunden durchs Bild huschen.

Knapp vier Stunden dauerten die Aufnahmen und jedes Mal hieß es "Danke!", wenn der "Take" zu Ende war – und "Bitte!", wenn es wieder vom Anfang losging. An dem Drehtag wurden nur wenige Komparsen gebraucht, nicht mehr als zehn.

Drei waren echte Gesetzeshüter, die über eine spezialisierte Agentur gebucht wurden. Die Polizisten reisten aus Berlin an und brachten Lederjacken mit Abzeichen, die Overall der Spurensicherung, Polizeiautos mit Magnetlettern des Schriftzugs und abnehmbaren Sirenenaufbau gleich mit. Ihr Einsatz beim Film ist dabei eine willkommene Abwechslung zum Dienst auf der Wache. Zuletzt waren sie in einer ZDF-Krimiserie zu sehen. Dort wurde freilich schneller gedreht, Szenen wären schneller im Kasten, versicherte mir einer von ihnen zunehmend genervt, als wieder Warten angesagt war – die grundsätzliche "Tätigkeit" eines Komparsen. Umbaupausen waren auch dabei, will die Szenerie aus mehreren Blickwinkeln aufgenommen werden, damit Regisseurin Claudia Lehmann und Schnittmeister Nikolai Hartmann sich die beste aussuchen können. Und so wurde einmal aus einem heranfahrendem Auto gefilmt, von oben hinab aufs Auto, einmal stand die Kamera unmittelbar vor Konrad und Borgmann. Immer wieder wurde die Szene, die im fertigen Film nur wenige Sekunden ausmacht, wiederholt. Immer wieder wurden die Komparsen "auf Anfang" gestellt, mussten spielen oder hatten Pausen, wenn sie nicht im Bildausschnitt auftauchen sollten. Aufgrund der Wärme schwitzte ich im Overall zusehends und sehnte das Ende herbei, weil auch das Obst-, Plätzchen- und Keks-Catering auf einer provisorischen Bierzeltgarnitur irgendwann keinen Reiz mehr ausübte. Gegen 15.30 Uhr war alles im Kasten und es ging in die verspätete Mittagspause.

Anstrengende, aber auch interessant war es, bei einem Film mitzuwirken. Es machte trotz aller Anstrengungen und allen Wartens Spaß. Als ich nach Hause ging, drehte das Filmteam fleißig weiter. Spätestens da war ich froh, "nur Komparse" gewesen zu sein.

Zu den Kommentaren