17.000 neue Beschäftigte benötigt – Studie belegt Jenas bevorstehenden Fachkräftemangel

| Lesedauer: 3 Minuten
Die Optik-Industrie gehört zu den Exportbranchen in Thüringen. Archiv-Foto: Jan-Peter Kasper

Die Optik-Industrie gehört zu den Exportbranchen in Thüringen. Archiv-Foto: Jan-Peter Kasper

Foto: Jan-Peter Kasper

Jena  Aus eigener Kraft wird die Stadt Jena den Bedarf an Fachkräften in den nächsten Jahren nicht decken können. Das wichtigste Potenzial ist der Zuzug ausländischer Fachkräfte.

Die erste Fachkräftestudie für Jena belegt, was bisher nur aus einem Bauchgefühl heraus vermutet wird: Allein um die Verrentungswelle bis 2030 zu kompensieren, benötigen die Jenaer Unternehmen 17.000 neue Beschäftigte. Besonders in der Gesundheitswirtschaft, im verarbeitenden Gewerbe und im IT-Bereich übersteigt der Personal-Bedarf das verfügbare Potenzial. Um das Wachstum am Standort überhaupt positiv gestalten zu können, sind außerdem – je nach Wachstumsrate, 1000 bis 7000 neue Arbeitnehmer notwendig.

Zu diesem Ergebnis kommt die Fachkräftestudie Jena, die die Wirtschaftsförderung Jena gemeinsam mit dem Zentrum für Sozialforschung Halle (ZSH) veröffentlicht hat. Die Studie bestätigt, dass die Wachstumsphase zwischen 2013 und 2018 in dieser Form nicht weitergeht: Mit 9,6 Prozent stieg die Zahl der Arbeitnehmer stärker als im Thüringer Durchschnitt beziehungsweise in vielen vergleichbaren Städten.

Daten und Zahlen statt Bauchgefühl

Und wo sollen diese Fachleute herkommen? Die Studie nennt eine Reihe von Aspekten, das wichtigste Potenzial für Jena sei laut der ZSH-Fachleute die Außenwanderung, also der Zuzug ausländischer Fachkräfte. Derzeit arbeiten rund 3500 internationale Fachkräfte in Jena; das Potenzial liege bei bis zu 10.600 Menschen bis zum Jahr 2030. „Jena ist im Thüringer Vergleich schon relativ international aufgestellt. Wichtig ist aber, die Rahmenbedingungen für internationale Fachkräfte aktiv positiv zu gestalten und neben guten Arbeits- und Lebensbedingungen eine tatsächliche Willkommenskultur zu etablieren, die ein wirkliches Ankommen vor Ort und eine gelebte Integration gewährleistet“, sagt die ZSH-Geschäftsführerin Susanne Winge .

Neben diesem exogenen Potenzial bewertet die Studie auch das endogene Potenzial, also die Menschen vor Ort. Dazu zählen die Schulabgänger, Studierende und Absolventen der Hochschulen, innerbetriebliche Potenziale – also diejenigen, die bereits hier sind, langfristig zu binden – sowie Menschen, die bislang Teilzeit arbeiten oder arbeitslos sind. Das Fazit der Studie: das endogene Potenzial Jenas – laut Studie rund 7840 Personen bis 2030 – reicht nicht aus, um die Fachkräftelücke zu schließen.

„Wir schaffen eine faktenbasierte Grundlage für die Fachkräfteherausforderung in Jena für kommunale Entscheidungsträger, die Verwaltung und unsere Kooperationspartner“, sagt der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung, Wilfried Röpke. Neben der umfassenden Analyse des Fachkräfte-Problems gibt die Studie auch eine Reihe von Handlungsempfehlungen vor. Ausgehend von diesen Empfehlungen erarbeitet die Wirtschaftsförderung Jena gemeinsam mit der Lenkungsgruppe zur Studie und der Jenaer Allianz für Fachkräfte bis Jahresende einen umfangreichen Maßnahmenkatalog.

Die Studie untersucht erstmals die personellen Ersatz- und Erweiterungsbedarfe der Jenaer Unternehmen hinsichtlich verschiedener Wachstumsszenarien und macht wichtige Kennziffern und Entwicklungen zum Bedarf der lokalen Wirtschaft sichtbar. Begleitet wurde dieser Prozess durch eine Lenkungsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verbänden sowie der Agentur für Arbeit.