Explosive Hinterlassenschaften in der Saale

Jena  Am 28. September 2015 wurde am Saaleufer in der Oberaue, direkt neben der Universaale-Schule, eine deutsche 250 kg Fliegerbombe ohne Zünder gefunden, die vom Kampfmittelräumdienst mitgenommen wurde. Nun hat sich ein weiterer Zeitzeuge gemeldet.

24. Mai 1979: Hinter dem Stadion machen sich die Sporttaucher der GST des VEB Carl Zeiss Jena fertig für den Einsatz im Auftrag der Polizei. Foto: Erhard Unger

24. Mai 1979: Hinter dem Stadion machen sich die Sporttaucher der GST des VEB Carl Zeiss Jena fertig für den Einsatz im Auftrag der Polizei. Foto: Erhard Unger

Foto: zgt

Auch Erhard Unger war dabei, als Sporttaucher des heutigen Tauchclubs Jena zu DDR-Zeiten direkt hinter dem Ernst-Abbe-Sportfeld sechs große deutsche Fliegerbomben aus der Saale holten (wir berichteten).

„Daran wurde ich wieder erinnert als ich vor 14 Tagen den Bericht über den Fund der deutschen Fliegerbombe neben der Universaale-Schule an der ­Rasenmühleninsel las“, sagt ­Unger. Er korrigierte allerdings seinen Taucherkollegen Hans-Dieter Neumann: Der Einsatz der Sporttaucher im Auftrag der Polizei war nicht 1987 sondern bereits am 24. Mai 1979. Das genaue Datum geht aus dem damaligen Tauchbuch hervor, das Erhard Unger ebenso besitzt wie einige Dias von dem spektakulären Tauchgang.

„So wie bei der jüngst gefundenen 250-Kilogramm-Bombe waren auch in die sechs damals geborgenen Sprengkörpern keine Zünder eingeschraubt“, sagt Unger. Der Zeitzeuge äußerte auch eine Vermutung, woher die Bomben stammen: Während des Krieges sei das Ernst-Abbe-Sportfeld als Munitionslager genutzt worden. „Zu Kriegsende transportierten die Nazis die Bomben und Granaten mit Lkw ab. Offenbar blieb aber noch ein Rest übrig, der kurzerhand in die Saale entsorgt wurde“, sagt ­Erhard Unger. Dass nun eine Bombe einige hundert Meter weiter Saale abwärts gefunden wurde, sei nicht verwunderlich, da es in den vergangenen 70 Jahren einige Hochwasser gab. „Die Saale dürfte also auf dieser ­Strecke im wahrsten Sinne des Wortes noch einigen Sprengstoff bergen“, so der Zeitzeuge.

Zuständig für die Saale als Gewässer ist das Land Thüringen. Die Landesanstalt für Umwelt und Geologie als nachgeordnete Behörde des Thüringer Umweltministeriums bewirtschaftet den Fluss und kennt die Risiken. „Die Saale innerhalb des Stadtgebietes von Jena ist als Risikogebiet der höchsten Stufe ausgewiesen“, sagt Pressesprecher Hardy Nicht. Vor drei Jahren erarbeitete die Informations- und Dokumentationsstelle für Kampfmittelberäumung in Thüringen eine Studie zur Kampfmittelbelastung von Thüringer Gewässern, darunter der Saale. „Die Mitarbeiter der Flussmeisterei sind entsprechend geschult, auf verdächtige Gegenstände zu achten“, sagt Nicht. Eine gezielte Suche im Fluss mit Detektoren sei im Moment aber nicht geplant.

Der Fund einer deutschen Bombe im Stadtgebiet von Jena hatte am 28. September auch den Spezialisten des Thüringer Kampfmittelräumdienstes Tauber ein Rätsel aufgegeben. Die Regel sind Funde von Blindgängern der amerikanischen Bombardements im Jahr 1945.