Familie schenkt Gemälde von 1760 dem Jenaer Stadtmuseum

Jena.  Die Frau des „Paradies-Vaters" – Spur des geheimnisvollen Bildes führt nach Jena

Die Bürgermeister-Gattin Christiane Eleonore Paulssen ist auf diesem Gemälde festgehalten, das um 1760 gemalt worden ist. Hartmut Jaeger (links) übergab das Bild als Schenkung an Ulf Häder vom Stadtmuseum.

Die Bürgermeister-Gattin Christiane Eleonore Paulssen ist auf diesem Gemälde festgehalten, das um 1760 gemalt worden ist. Hartmut Jaeger (links) übergab das Bild als Schenkung an Ulf Häder vom Stadtmuseum.

Foto: Michael Groß

Jahrzehnte lang hing das Bild von der jungen Frau mit den mädchenhaften Gesichtszügen im Wohnzimmer bei Maria Mahnke in Frankfurt/Main. Niemand wusste Genaues über jenes Ölgemälde, nur dass es aufgrund der Kleidung und des Rokoko-Rahmens sehr alt sein musste. Doch nun, als die 98-jährige Dame in ein Seniorenheim umzog, musste der Haushalt aufgelöst werden. Dabei nahm sich ihr Schwiegersohn Hartmut Jaeger des Bildes an und entdeckte an der Rückseite einen kleinen Zettel mit den Namen Paulssen und Lepsius. Namen, die ihn nach gründlichen Recherchen nach Jena führten, und zwar zusammen mit dem Bild, das er dem Jenaer Stadtmuseum als Schenkung überreichte.

Doch warum führte die Spur dieses geheimnisvollen Bildes nach Jena? Die Antwort fand Jaeger bei seinen Nachforschungen. So ermittelte der auch in der Ahnenforschung erfahrene Mann, dass die gemalte Dame Christiane Eleonore Paulssen (1742-1786), geborene Lepsius, hieß und Ehefrau des Jenaer Bürgermeisters Johann Jakob Heinrich Paulssen (1724-1789) gewesen ist. Während er das war, was man heute einen echten Jenenser, nennt, stammte seine Gattin aus Naumburg.

Beredtes Zeugnis jener Epoche

Entstanden sein muss das Gemälde um das Jahr 1760. Ulf Häder. Chef des Romantikerhauses Jena, vermutet, dass es im Nachgang der Heirat 1758 als Auftragswerk gemalt wurde. Deutlich zu sehen sei auf dem Bild die Jugendhaftigeit von Christiane Eleonore, die zur Vermählung gerade mal 16 Jahre jung war. Über ihre Herkunft und auch ihr mögliches Wirken in Jena konnte bislang noch nichts in Erfahrung gebracht werden. Wohl aber über ihren Ehemann. Denn bei ihm habe es sich um einen recht verdienstvollen Bürgermeister gehandelt, sagt Häder. Paulssen sei ein sehr erfolgreicher Kaufmann in Jena gewesen, der das Amt des Bürgermeisters ganz bestimmt nur ehrenamtlich ausgeübt und sein kaufmännisches Wirken auch im Amt fortgesetzt habe. Zu jener Zeit seien die Stadtoberhäupter noch in keiner gut bezahlten Stellung gewesen. Nur vermögende Leute wurden Bürgermeister, die sich das gewissermaßen auch leisten konnten.

Größter Verdienst von Paulssen sei der Ausbau der Infrastruktur in Jena gewesen. Vor allem geht das Jenaer Paradies auf ihn zurück. In seine Amtszeit fällt die Gestaltung des Paradieses als gepflegter Park. Die Promenade entlang der Saale hat er, wie Häder in Erfahrung gebracht hat, auch selbst aus eigenen Mitteln finanziert. Das Paradies sei dann auch ein sehr beliebter Ort zum Promenieren geworden. Von Hegel und Hölderlin wisse man, dass sie immer gern dorthin gegangen sind, schon deshalb, weil dort die Chance bestand, vielleicht Goethe oder Schiller begegnen zu können.

Das Bild sei ein beredtes Zeugnis jener Epoche, schätzt Häder ein. So zeige das Bild sehr detailreich, wie eine junge Frau im 18. Jahrhundert auch in Jena gekleidet war. Ihr Schmuck und ihre Frisur verrate vieles über jene Zeit. Besonders freut sich Häder aber darüber, dass dieses Bild einen so wunderbaren Bezug zur Jenaer Stadtgeschichte aufweise. Dafür dankte er Jaeger und seiner Familie ganz besonders.

Häder will sich dafür einsetzen, dass dieses Bild bald restauriert werden kann. Damit verbunden müsse ein Gutachten angefertigt werden, in dessen Rahmen Ergebnisse weiterer Nachforschungen zutage treten dürften. Außerdem könnte sich auch eine wissenschaftliche Arbeit, zum Beispiel eine Dissertation, damit befassen, regt Jaeger an. Denn bis heute ist der Name des Malers unbekannt. Vermutungen gehen in die Richtung, dass es sich um einen Weimarer Hofmaler gehandelt haben könnte. Denn auch in der Familie hat es Maler gegeben, wie etwa Georg Melchior Kraus, der in Weimar wirkte.