FC Carl Zeiss Jena: Wie die Trennung von Trainer Rico Schmitt lief

Jena.  Nach dem Rauswurf von Rico Schmitt beim FC Carl Zeiss Jena ergeben sich zwei personelle Optionen, mit wem der Drittligist die Saison zu Ende spielt.

Rico Schmitts Zukunft liegt scheinbar nicht in Jena.

Rico Schmitts Zukunft liegt scheinbar nicht in Jena.

Foto: Tino Zippel

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Der Abschied nahte nach der Trainingseinheit am Nachmittag. Präsident Klaus Berka und Geschäftsführer Chris Förster überbrachten Trainer Rico Schmitt in der Geschäftsstelle die Nachricht, dass er mit sofortiger Wirkung beurlaubt ist. Zuvor hatten die Verantwortlichen des Fußballclubs versucht, Schmitt eine Goldene Brücke zum Abschied zu bauen.

Schon seit Tagen diskutierten die Gremien über die Personalie Schmitt. Hintergrund der Entscheidung sind interne Missstimmungen. Der Trainer war in die Kritik geraten, weil nach der hoffnungsfrohen Vorbereitung mit einem Wunschtrainingslager in der Türkei ein deprimierender Jahresauftakt gegen Preußen Münster folgte. Besonders störte die Verantwortungsträger, dass Leistungsträger wie Ole Käuper oder Jannis Kübler auf der Bank schmorten und der Trainer mit der Taktik „hoch und weit“ die falschen Vorgaben gemacht hatte. Unterm Strich stand eine 1:2-Niederlage gegen den Tabellenvorletzten, die Schmitt aber nur zögerlich auf seine eigene Kappe nehmen wollte. Die Verantwortlichen störten sich vor allem an der mangelnden Selbst­kritik des Fußballlehrers.

Interne Kritik am Führungsstil

Auslöser der Entlassung ist letztlich ein Vorfall in der Kabine, bei dem Schmitt den Abwehrspieler Marius Grösch in einer Wutrede vor anderen fertigmachte, dass diesem die Tränen kamen. Schmitt selbst spielt den Vorfall herunter und sagt, dass im Fußball oft harte Worte fallen. Er habe sich zudem mit Grösch ausgesprochen. Allerdings mehrte das die Kritik am Führungsstil, der das Verhältnis zur Mannschaft belastet.

Präsident Berka und Geschäftsführer Förster waren sich nach mehreren Gesprächen mit dem Trainer schließlich einig, Schmitt zu beurlauben. Auch Gesellschafter Roland Duchatelet stimmte diesem Weg zu. Zögerlich verhielt sich zunächst der Aufsichtsrat, der nicht prinzipiell abgeneigt war, aber noch ein paar Wochen abwarten wollte. Andererseits hoffen die Verantwortlichen unter neuer Führung auf den letzten Strohhalm, doch noch in der Liga durchzustarten – und gaben am Mittwoch das Signal, den Abschied mitzutragen.

Schmitt wusste schon seit Dienstag, dass Ungemach droht. Die Goldene Brücke wollten sie ihm bauen, durch einen Rücktritt den Weg für den Neuanfang frei zu machen. Doch dem Übungsleiter schmeckte diese Variante nicht, es arbeitete in ihm. Am Mittwoch betreute er die Mannschaft beim 3:1-Sieg im Test gegen Regionalligist ZFC Meuselwitz. Die 90 Minuten bei eisiger Kälte auf einem Nebenplatz des Ernst-Abbe-Sportfelds verfolgte er nahezu durchgehend mit stoischer Miene, während er normalerweise immer lautstark Anweisung gibt oder seine Spieler anfeuert. Sprechen wollte Schmitt weder über die Spiel­leistung noch über seine Person.

Fußballlehrer in der dritten Liga notwendig

Am Abend war die Amtszeit des Trainers Geschichte. Zwölf Punkte in elf Spielen holte er mit den Jenaern, auf deren Gehaltsliste er noch bis Ende Juni steht. Ab Freitag – Schmitt hatte den Spielern für Donnerstag freigegeben – übernimmt vorerst Co-Trainer René Klingbeil. Die Verantwortlichen trauen dem 38-Jährigen zu, ein „Wir-Gefühl“ mit dem Team zu entwickeln. Allerdings darf er nur 15 Werktage allein an der Spitze stehen, weil er keinen Fußballlehrer-Schein hat. Danach braucht es entweder einen Teamchef mit der Lizenz oder einen neuen Chef­trainer.

Über die notwendige Lizenz im Club verfügen A-Junioren-Trainer Kenny Verhoene und Nachwuchschef Heiko Nowak. Im Fall des Falles wollen die Jenaer einen neuen Coach suchen, der mit in die Regionalliga geht und auch Impulse in die Planung für die neue Saison einbringt. Die Liste von freien Fußballlehrern mit Drittliga-Erfahrung ist lang: Sie reicht von Stefan Krämer (zuletzt 1. FC Magdeburg) über Michael Frontzeck (1. FC Kaisers­lauern) bis hin zu David Bergner (Chemnitzer FC).

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